Der Fall Garlasco, die Untersuchung zum Mord an der Wirtschaftsstudentin Chiara Poggi im Jahr 2007, sorgt fast täglich für neue Überraschungen. Die Staatsanwaltschaft von Brescia hat Ermittlungen gegen Giuseppe Sempio, den 72-jährigen Vater von Andrea Sempio, eingeleitet, gegen den seit März wegen einer möglichen Verwicklung in den Mordfall ermittelt wird. <BR /><BR />Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Giuseppe Sempio eine „unrechtmäßige Geldsumme in Höhe von 20.000 bis 30.000 Euro“ an den ehemaligen stellvertretenden Staatsanwalt von Pavia, Mario Venditti, gezahlt haben soll, um die Einstellung des Verfahrens gegen seinen Sohn zu begünstigen. Dieser Verdacht ergibt sich aus einem Schriftstück, das in einem Adressbuch im Haus der Familie Sempio gefunden wurde.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1232403_image" /></div> <BR /><BR /> Bereits am 26. September war das Haus von Giuseppe Sempio durchsucht worden. Dabei wurde in einem Notizblock der Eltern von Sempio eine handschriftliche Notiz gefunden – mit Einträgen wie: „Venditti / GIP archivia X 20-30 Euro“. Diese Notiz wird als Indiz gewertet. Die Ermittler vermuten, dass sie sich auf die Einstellungsverfügung der Ermittlungen gegen Andrea Sempio bezieht. <h3> Verfahren bereits zweimal eingestellt</h3>Venditti hatte 2017 und später 2020 das Verfahren gegen Andrea Sempio zweimal eingestellt. Im zweiten Fall soll dies außergewöhnlich schnell erfolgt sein, was für einige Beobachter Anlass zu Verdacht gibt. Kritik gibt es daran, dass im Rahmen der bisherigen Ermittlungen bestimmte Beweismittel oder wissenschaftliche Erkenntnisse – etwa DNA-Spuren oder Zeugenaussagen – keine belastbaren Hinweise gegen Sempio ergeben hätten. <BR /><BR />Gleichzeitig wurden Vorwürfe laut, dass einige Abhörprotokolle nicht vollständig oder nur teilweise transkribiert bzw. übernommen worden seien. <BR /><BR />Darüber hinaus gibt es Hinweise auf ungewöhnliche Geldbewegungen innerhalb der Familie Sempio – etwa in Bezug auf Ausgaben, Kontobewegungen oder Transaktionen zwischen Familienmitgliedern –, die nach Ansicht der Ermittler im relevanten Zeitraum von Bedeutung gewesen sein könnten. Diese Aktivitäten fließen in die Gesamtermittlungen ein, um zu prüfen, ob Zahlungen erfolgt sind, die mit dem Vorwurf der Korruption in Verbindung stehen. <BR /><BR />Liborio Cataliotti, der neue Anwalt von Andrea Sempio, zeigte sich überzeugt, dass der Vater seines Mandanten unschuldig sei. Die Vorwürfe gegen Giuseppe Sempio bezeichnete er als haltlos.