Das Jugendgericht in L'Aquila entschied, dass die Kinder aus Palmoli in der Region Abruzzen weiterhin in einer geschützten Einrichtung in Vasto bleiben und dort auch die Schule besuchen. Wenn die Berichte der Sozialarbeiter positiv ausfallen, könnten sie in etwa einem Monat erstmals wieder ein ganzes Wochenende bei ihren Eltern in Palmoli verbringen.<BR /><BR />Damit bleibt der unmittelbare Familiennachzug vorerst noch aus. <BR />Zugleich bedeutet der Beschluss aber eine deutliche Veränderung gegenüber der bisherigen Situation: Die Kinder sollen wieder mehr Zeit mit ihren Eltern verbringen - und auch in ihr abgelegenes Steinhaus im Wald von Palmoli. Dort könnten sie auch ihre Tiere wiedersehen.<h3> Der Anwalt der Familie hatte auf eine vollständige Rückkehr der Kinder gehofft</h3>Der Anwalt der Familie, Simone Pillon, hatte auf eine vollständige Rückkehr der Kinder gehofft. Er kündigte deshalb Berufung an. Die Entscheidung berücksichtige aus seiner Sicht nicht ausreichend die Einschätzungen der Kinderpsychiater, der Verteidigung und der gerichtlichen Gutachterin. Diese hätten auf die Notwendigkeit einer schnellen und endgültigen Rückkehr in die Familie sowie auf mögliche gesundheitliche Belastungen durch die weitere Unterbringung außerhalb der Familie hingewiesen. Pillon argumentiert zudem, die ursprünglichen Probleme seien inzwischen weitgehend gelöst. Die Wohnsituation und die familiären Beziehungen hätten sich verbessert. Ein Risiko von Missbrauch bestehe nicht, so der Anwalt.<h3> Der Fall der sogenannten „Waldfamilie“</h3>Der Fall der sogenannten „Waldfamilie“ hatte seit vergangenem November italienweit immer wieder für Aufsehen gesorgt ( <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/waldfamilie-jugendgericht-trennt-mutter-von-kindern-und-kinder-voneinander" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">wir haben berichtet</a>). Der Brite Nathan Trevallion und seine australische Ehefrau Catherine Birmingham lebten mit ihren drei Kindern in einem abgelegenen Steinhaus in Palmoli. Die Familie hatte sich bewusst für ein Leben in engem Kontakt mit der Natur entschieden. Das Haus verfügte weder über fließendes Wasser noch über Strom; die Toilette befand sich außerhalb.<BR /><BR />Aufmerksam wurden die Behörden bereits 2024, nachdem die gesamte Familie wegen einer Pilzvergiftung im Krankenhaus behandelt werden musste. Danach wurden die Carabinieri und die Sozialdienste eingeschaltet. Kritisiert wurden unter anderem die hygienischen Bedingungen, die medizinische Versorgung der Kinder und das Fehlen von Impfungen. Hinzu kam ein weiterer zentraler Streitpunkt: Die Kinder besuchten keine reguläre Schule, sondern wurden zu Hause unterrichtet. <BR />Die Behörden sahen Defizite bei Bildung und sozialer Integration.<BR />Am 24. November 2025 entzog das Jugendgericht den Eltern das Sorgerecht und brachte die drei Kinder in einer Betreuungseinrichtung in Vasto unter. Seitdem sorgt der Fall italienweit für Aufsehen und Diskussionen. <h3> Erstmals Hoffnung in Sicht</h3>Der Psychiater der Familie, Tonino Cantelmi, reagierte mit gemischten Gefühlen auf den neuen Beschluss. Die Familie befinde sich zwar weiterhin in einer „unglücklichen“ Lage, sagte er. Nun sei aber erstmals Hoffnung in Sicht. Die schrittweise Rückkehr der Kinder sei unter den derzeitigen Umständen der einzig gangbare Weg, erklärte Cantelmi. Besonders bedeutsam sei für ihn, dass die Kinder ihre Eltern wieder an dem Ort treffen können, an dem sie früher mit der Natur und ihren Tieren verbunden gewesen seien. Für die Eltern bedeutet der Beschluss nicht den ersehnten Neuanfang zu Hause, es ist aber ein vorsichtiger Schritt in diese Richtung: Die Kinder bleiben zwar zunächst in Vasto, doch wenn die nächsten Wochen gut verlaufen, könnte bereits im Herbst das erste gemeinsame Wochenende in Palmoli folgen.