18 Jahre lang unveröffentlichte Fotos, die Andrea Sempio am Tag des Mordes an Chiara Poggi in der Nähe des Tatorts zeigen, sind auf dem YouTube-Kanal „Bugalalla Crime“ der Bloggerin Francesca Bugamelli veröffentlicht worden. Wie die Zeitung „La Repubblica“ berichtet, wurden die Aufnahmen inzwischen von den Ermittlern der Staatsanwaltschaft Pavia im Original sichergestellt.<BR /><BR />Die Fotos stammen vom Nachmittag des 13. August 2007, dem Tag, an dem die Wirtschaftsstudentin Chiara Poggi im Haus ihrer Eltern in Garlasco tot aufgefunden wurde. Eine erste Aufnahme zeigt Sempio um 15.53 Uhr am Steuer des Familienwagens. Weitere Bilder bezeugen die Anwesenheit von Angehörigen, Einsatzkräften und Anwohnern im Bereich der Straßen unweit von Chiaras Haus. Auf mehreren Fotos sind auch Sempio und sein Vater zu sehen.<BR /><BR />Die Aufnahmen stammen von einer Hobbyfotografin, die damals zufällig vorbeikam und die Situation festhielt. Die Ermittler haben sie zur Übergabe des Originalmaterials vorgeladen. Sempio, der heute im Fall angeklagt ist, hatte in früheren Vernehmungen erklärt, er sei zunächst zufällig an der Szene vorbeigefahren und habe später - aus Neugier - erneut dort angehalten, um Informationen einzuholen. Auch sein Vater hatte bei einer Aussage 2017 bestätigt, dass beide am Nachmittag zweimal am Tatort vorbeikamen. Sempios Anwältin Angela Taccia betonte, die Fotos würden die Glaubwürdigkeit von Sempios Worte bezeugen.<h3> Fall im März neu aufgerollt</h3>Kein Tag vergeht ohne Entwicklungen im Fall Garlasco. Seit März wird gegen Sempio, einen Jugendfreund von Chiaras Bruder Marco, ermittelt. Der zur Mordzeit 24-jährige Stasi, der die Tat von Beginn weg vehement bestritt, war sowohl in der ersten als auch in der zweiten Instanz wegen Mangels an Beweisen freigesprochen worden. Er hatte zwar kein festes Alibi, aber auch kein überzeugendes Motiv für den Mord. Erst nachdem der Kassationshof in Rom die Freisprüche aufhob und eine neue Beweisaufnahme anordnete, kam es in neuen Prozessen und erst im Jahr 2015 zu einer letztinstanzlichen Verurteilung wegen vorsätzlicher Tötung. Das Strafmaß wurde auf 16 Jahre Gefängnis festgesetzt. Jetzt aber sind wieder erhebliche Zweifel aufgetaucht. Möglicherweise saß Stasi die letzten zehn Jahre unschuldig im Gefängnis.<BR /><BR />Das ist zumindest die Theorie der drei Staatsanwälte in Pavia, die die früheren Ankläger inzwischen abgelöst haben. Sie rollen den Fall seit März neu auf, weil Gewebeproben unter den Fingernägeln von Chiara Poggi dank moderner DNA-Analysemethoden nun eindeutig Sempio, dem besten Freund des Bruders des Mordopfers zugeordnet werden konnten. Stasi wurde im April in Halbgefangenschaft entlassen. Sollte er sich wirklich als unschuldig erweisen, müsste ihn der italienische Staat mit einer Millionensumme entschädigen. Die Ermittlungen, die zum Schuldspruch gegen Alberto Stasi führten, waren offenbar zum Teil schlampig geführt worden; zwei beteiligte Carabinieri sind in der Zwischenzeit verurteilt worden.<BR /><BR />Hier das Youtube-Video der Bloggerin Francesca Bugamelli (in italienischer Sprache).<BR /><BR /> <div class="embed-box"><iframe width="1236" height="695" src="https://www.youtube.com/embed/jYpNVUjVtS4" title="Garlasco: FOTO INEDITE 13 Agosto 2007 - Andrea Sempio, le gemelle Cappa e Maria Rosa Poggi" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></div>