<b>Von Johannes Vötter</b><BR /><BR />Allein der Blick auf die Statistik <I>(siehe Infografik unten)</I> zeigt: Auch diese Wintersaison war eine erfreuliche – zumindest was die Opferzahl bei Lawinenunglücken betrifft. „Und das, obwohl mehr Leute im alpinen Gelände unterwegs sind“, wie Thomas Hellrigl, Leiter der Bergrettung im AVS, beim gemeinsamen Blick auf die vorläufige Winterbilanz 2024/25 unterstreicht. <BR /><BR />Diese ist auch im italienischen Portal „aineva.it“ einsehbar und zeigt, kurz zusammengefasst: Zwölf Mal wurden die Bergretter wegen Lawineneinsätzen im hiesigen Gebirge aktiviert. 15 Personen wurden verschüttet, neun blieben dabei unverletzt. <BR /><BR />Drei Personen wurden hingegen verletzt; drei weitere Personen kamen dabei bzw. in der Folge ums Leben <I>(Details dazu siehe Info am Ende des Artikels</I>). Damit liegt die Zahl der sog. „Lawinentoten“ bislang bei drei, also unter dem Niveau der Vorjahre. Ähnliches gilt auch für die anderen Werte, also die generelle Zahl der Verschütteten (2023/24 waren es noch 27!) bzw. – daraus resultierend – ebenso jene der Verletzten.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1156791_image" /></div> <BR /><b>Also stellt sich die Frage: Ist dieser Trend reiner Zufall, lag es am milden Winter oder woran sonst?</b><BR />Thomas Hellrigl: Nun, das Wetter in diesem Winter war mit Sicherheit nur von Vorteil. Denn der Schnee fiel spät; und wenn, dann waren die Witterungsverhältnisse in den Tagen danach vorteilhaft für die Entwicklung der Schneedecke. Ich habe mir dafür die Lawinenreports der vergangenen Monate angeschaut. Hier zeigt sich: Wir hatten kaum Warnstufe 4 und 5, eigentlich konstant gute Verhältnisse. So kam es dazu, dass wir – in einem verkürzten Zeitraum – verhältnismäßig selten ausrücken mussten. Zwölf aktivierte Lawineneinsätze waren es, mit den erwähnten, rückläufigen Opferzahlen.<BR /><BR /><b>Wobei sich bei den Einsätzen selbst doch etwas verändert hat, oder?</b><BR />Stimmt. Zwar gab es weniger Lawineneinsätze, aber dafür mehr Rettungsaktionen von verletzten Skitourengehern, die z.B. bei der Abfahrt gestürzt waren. Auch hatten wir ungewöhnlich viele verletzte Wanderer. Aufgrund des fehlenden Schneefalls wagten wohl viele noch späte Bergtouren.<BR /><BR /><b>Was wiederum zeigt, dass immer mehr Menschen gerne „dort oben“ unterwegs sind. Woran liegt es, dass die Unfallzahlen dennoch weiter sinken?</b><BR />Hierzu einige wichtige Wörter: Prävention, Sensibilisierung und Ausrüstung. Jede der 35 Bergrettungsstellen im AVS arbeitet intensiv in der Prävention. Somit sind die Wintersportler von heute besser ausgebildet – auch was z.B. die Kameradenrettung betrifft. Denn um als Verschütteter zu überleben, sind die ersten 13 bis 14 Minuten entscheidend. Darüber hinaus sind die Leute bei ihren Touren heute viel besser ausgerüstet <I> (Anm. d. Red.: mit LVS-Gerät, Lawinenschaufel/-sonde, Lawinenairbag usw.)</I>, was Suchaktionen erleichtert. In Kombination mit dem verbesserten Lawinenlagebericht sind so zwar mehr Menschen unterwegs, aber viel besser vorbereitet. Weshalb dann auch weniger passiert.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1156797_image" /></div> <BR /><BR /><b>In einem der diesjährigen Unglücke war aber all dies leider nicht der Fall. Das Opfer hatte gar keine Ausrüstung dabei, konnte nur mehr tot geborgen werden. Das wurde dann auch offen medial kommuniziert. Warum?</b><BR />Eine detaillierte Berichterstattung – ohne jede Sensationsgier – ist in solchen Fällen immer sehr wichtig. Denn es ist beispielgebend im Sinne des Präventionsgedankens, also dass die Leute sich nur gut ausgerüstet in die Berge begeben.<BR /><BR /><b>Für Schlagzeilen sorgten letzthin Lawinenabgänge im freien Skiraum, die zwar folgenlos blieben, wobei die „Auslöser“ zunächst nicht auffindbar waren. Was gilt es daraus zu lernen?</b><BR />Vor allem, dass es wichtig ist, auch medial auf diese Problematik aufmerksam zu machen. Allerdings sollte von der Vorverurteilung und Kriminalisierung Abstand genommen werden. Der Berg ist noch einer der letzten gesetzlichen Freiräume, die es gibt. Wenn hier etwas passiert, dann gehört das zum viel zitierten Restrisiko im Alpinismus. Und wir Bergretter werden immer und allen in Not helfen.<BR /><BR /><b>Zurück zu den Todesopfern 2024/25. Wir hatten einen Eiskletterer, einen Schneeschuhwanderer und einen Skitourengeher. Stellt diese Vielfalt die Retter vor neue Herausforderungen?</b><BR />Effektiv hat sich der Alpinismus in ganz verschiedene Richtungen entwickelt. Ganz neu im Trend ist „Ski & Fly“, also dass die Leute mit den Skiern aufsteigen und mit Gleitschirmen ins Tal fliegen. Auch das „Mixed-Klettern“ sei hier erwähnt, also kombinierte Touren in felsigem wie vereistem Gelände. Diese neue Vielfalt stellt uns vor die Notwendigkeit, mögliche Bergungen und die dafür notwendigen Kenntnisse vermehrt in die Ausbildung aufzunehmen und solche Einsätze zu simulieren.<BR /><BR /><b>Was geben Sie noch jenen mit, die jetzt eine letzte Schneetour wagen?</b><BR />Wer nun unterwegs ist, gehört ja meist zu den erfahrenen Tourengehern. Diese Leute wissen, wie wichtig z.B. der frühe Start bei den warmen Temperaturen ist. Und erste Wanderer, die ohne Ski unterwegs sind, sollten bei der Querung von Altschneefeldern in höheren Lagen entsprechend ausgerüstet unterwegs sein – also mit Grödel, Steigeisen und Pickel. So lässt sich die jahreszeitlich bedingte Gefahr eines Absturzes minimieren.<BR /><h3> Fatale Lawinenunglücke 2024/25</h3><Fett_DinPro> <TippsNummer>†</TippsNummer> 23.11.2024, Vertainspitze (3545 m) im Ortlergebiet:</Fett_DinPro> Zwei Eiskletterer werden von einer Lawine 300 m mitgerissen, C.H. (33, Österreich) <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/nach-lawinenabgang-in-sulden-junger-eiskletterer-hat-es-nicht-geschafft" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">stirbt später im Krankenhaus.</a><BR /><Fett_DinPro> <TippsNummer><BR />†</TippsNummer> 24.12.2024, Staller Sattel (2052 m):</Fett_DinPro> Ein Schneeschuhwanderer (54, D) tritt auf ein Schneebrett (gepresster Triebschnee) und wird verschüttet. <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/staller-sattel-wanderer-von-lawine-verschuettet-tot" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Jede Hilfe kommt zu spät. </a><BR /><BR /><TippsNummer>†</TippsNummer> <Fett_DinPro>19.03.2025, Gornerberg (2475 m) in Weißenbach/ Ahrntal:</Fett_DinPro> Zwei Skitourengeher lösen bei der Abfahrt ein Schneebrett. S.B. (59, Bayern) <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/weissenbach-toedliches-lawinenunglueck" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">wird verschüttet und stirbt.</a> Es herrschte Warnstufe 3.