Montag, 10. Oktober 2016

Wenn aus Spielglück Spielsucht wird

Die verheerenden Auswirkungen von Spielsucht werden vielfach noch unterschätzt. Eine neue Veranstaltungsreihe von Forum Prävention, Gemeinde Bozen und Landesgesundheitsressort soll in verschiedenen Bozner Stadtvierteln die Problematik verstärkt in das öffentliche Bewusstsein rücken.

Auftakt zur Anti-Spielsucht-Veranstaltungsreihe (v.l.): Landesrätin Martha Stocker, Peter Koler, Direktor des Forums Prävention, und die Mitarbeiter des Forums Prävention Manuel Oberkalmsteiner und Giuditta Sereni am Bozner Mazziniplatz. - Foto: DLife
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Auftakt zur Anti-Spielsucht-Veranstaltungsreihe (v.l.): Landesrätin Martha Stocker, Peter Koler, Direktor des Forums Prävention, und die Mitarbeiter des Forums Prävention Manuel Oberkalmsteiner und Giuditta Sereni am Bozner Mazziniplatz. - Foto: DLife

Um einen bewussten und verantwortungsvollen Umgang zu fördern, haben das Forum Prävention und die Gemeinde Bozen mit der Unterstützung des Ressorts Gesundheit, Sport, Soziales und Arbeit eine Veranstaltungsreihe zur Prävention von Glücksspiel und Spielsucht organisiert, welche sich auf verschiedenste Art und Weise den Themen Glücksspiel und Spielsucht nähert.

Von Mitte Oktober bis Anfang Dezember 2016 finden dazu Filmvorführungen, Theatervorstellungen und diverse Präventionsveranstaltungen an verschiedenen Bozner Orten statt. Ziel ist es, durch unterhaltsame und interessante Veranstaltungen die Bevölkerung für das Thema Glücksspiel und Spielsucht zu sensibilisieren. Dem Publikum wird die Möglichkeit geboten mit zu diskutieren, den Regisseuren Fragen zu stellen oder das Theaterstück aktiv mitzugestalten.

Mit der Vorstellung des Buches „Fate il nostro gioco“, wird ein Blick auf die Mathematik und die vermeintlichen Gewinnwahrscheinlichkeiten beim Glücksspiel geworfen. Das Buch schöpft dabei aus der langjährigen Erfahrung mit der gleichnamigen Ausstellung „Fate il nostro gioco“, die 2013 auch in Bozen stattgefunden hat. Die Präventionsveranstaltung „Scegli cosa voglio“, ebenfalls von den beiden Machern obengenannter Ausstellung Paolo Rizzuto und Diego Canova, erklärt anschaulich und auf unterhaltsame Art, wie wir bestimmte Entscheidungen treffen und welche Mechanismen hinter diesen instinktiven Entscheidungen liegen.

Die Veranstaltungen finden vormittags für Schulklassen der deutsch- und italienischsprachigen Oberschulen statt und sind am Abend für Erwachsene und allen Interessierten frei zugänglich. Alle Veranstaltungen sind kostenlos. Bereits jetzt haben sich mehr als 700 Schülerinnen und Schüler aus 37 Oberschulklassen Bozens für die verschiedenen Veranstaltungen angemeldet.

Das Glücksspiel ist seit jeher Teil unserer Gesellschaft und für viele Menschen ist es nach wie vor ein harmloses Freizeitvergnügen. Das Angebot an Glücksspielen breitet sich ständig aus und passt sich
einerseits den Bedürfnissen der Spieler und Spielerinnen an, anderseits auch den technischen Entwicklungen, mit dem Ziel mehr Menschen zu erreichen die immer mehr und immer öfter Geld für die
diversen Spiele ausgeben. Dadurch wächst auch die Zahl derer, die ein problematisches Spielverhalten entwickeln. Spielsucht und problematisches Spielen betreffen dabei alle Bevölkerungsgruppen: Frauen und Männer, Erwachsene sowie Heranwachsende und Senioren. Auch wenn das meiste Geld nach wie vor für Spielautomaten und für Gratta-e-Vinci-Rubbellose ausgegeben wird, ist der Online-Glücksspielmarkt stark im Wachsen.

Hier einige aktuelle Zahlen aus Südtirol zum Glücksspiel:
Im Jahr 2015 hat die Südtiroler Bevölkerung circa 590 Mio. Euro für Glücksspiele ausgegeben, das sind ungefähr 1.134 Euro pro Person. Damit geben die Südtiroler im Vergleich zu den vergangenen Jahren etwas weniger Geld für Glücksspiele aus (2013: 1.172 Euro/Person). Der größte Teil des Geldes wurde in Spielautomaten (New Slot, Vlt, Comma7) gesteckt, insgesamt 449 Mio. Euro, es folgen Lotteriespiele (z.B. Gratta e Vinci, Gratta e Vinci online) mit 72 Mio. Euro. Die Onlinespiele sind allerdings stark im Kommen, so sind in Südtirol z.B. die gespielten Euro bei Online-Wetten von 50.000 Euro im Jahre 2013 auf 5,5 Millionen Euro im Jahre 2015 gestiegen. (Quelle: Agenzia delle Dogane e Monopoli: Organizzazione, attività e statistica, 2015)

stol