Man schätzt, dass rund 6% aller Kinder mit einer Tränenwegsverengung geboren werden, bei rund 15% aller Erwachsenen entwickelt sich diese nach einer Infektion oder aufgrund eines Traumas – nicht zu verwechseln jedoch mit dem „trockenen Auge“, unter dem viele Patientinnen und Patienten leiden. Im Krankenhaus Meran haben sich die beiden Primare Andreas Pichler (Augenheilkunde) und Roberto Magnato (HNO/Kieferchirurgie) dieses Problems bereits seit Jahren angenommen, mit sehr guten Erfolgen. Primar Pichler: „Wenn der Tränenkanal verstopft ist, fließt ständig Tränenflüssigkeit aus dem Auge. Normalerweise kann diese stetig über die Tränenwege (Tränensack und Tränennasengang) ins Naseninnere fließen. Wenn das nicht mehr funktioniert, ist das sehr unangenehm im Alltag, außerdem können so auch Entzündungen oder Hautirritationen entstehen.“ Augen und Hals-Nasen-Ohrenarzt arbeiten zusammenHat der Augenarzt erstmals die Diagnose gestellt, folgt eine Abklärung beim HNO-Arzt und ev. eine radiologische Überprüfung. „Bei ausgedehnten Eingriffen am Auge ist es oft notwendig, die knöcherne Struktur der Nase miteinzubeziehen, was unsere Anwesenheit erforderlich macht", so Dr. Magnato.Die beiden Primare haben noch mehr gemeinsam – nicht zuletzt eine Bettenabteilung, die sie sich teilen. Auf der selben Etage verfügen Augenheilkunde und HNO/Kieferchirurgie über 16 Betten, das Pflegepersonal kümmert sich gemeinschaftlich um die stationären Aufnahmen beider Bereiche. Aber nicht nur die räumliche Nähe hat es mit sich gebracht, dass Fälle gemeinsam besprochen und auch behandelt werden. Neue Art des EingriffesDer Eingriff selbst wird nach modernster Technik durchgeführt: Ein winzig kleines Schläuchlein von weniger als einen Millimeter Durchmesser wird unter minutiöser Kontrolle beider Fachärzte in den Kanal eingeführt und verbleibt dort für rund 6 Wochen. Nach dieser Zeit haben sich Zellen gebildet, die den neu geschaffenen Kanal offenhalten und das Schläuchlein kann entfernt werden.Der große Vorteil zu Operationen früherer Art: keine sichtbaren Narben, viel weniger invasiv und somit mit rascherer Erholung verbunden. „Patienten können normalerweise nach 2 Tagen schon wieder arbeiten“, so die beiden Mikrochirurgen. Eine äußerst filigrane Arbeit, sind doch die jüngsten Patientinnen und Patienten gerade ein Jahr alt - doch für beide Primare kein Ding der Unmöglichkeit: „Wir sind es gewohnt, im Mikrobereich zu operieren – die Tränenwegsoperation ist eine der wenigen, die ohne Mikroskop stattfindet“, so Pichler. stol