Dienstag, 12. Mai 2020

„Wenn der Hunger größer ist als die Angst vor Covid-19“

Obwohl der Verein Südtiroler Ärzte für die Welt 2019 rund 7 Prozent mehr Spenden verzeichnen konnte, brennt die Frage: Wie wird Entwicklungshilfe 2020 aussehen?

Präsident des Vereins Dr. Toni Pizzecco und Preisträger Dr. Manfred Brandstätter.
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Präsident des Vereins Dr. Toni Pizzecco und Preisträger Dr. Manfred Brandstätter. - Foto: © Südtiroler Ärzte für die Welt
Eine Vollversammlung am Bildschirm, das blühte den Mitgliedern des Vereins Südtiroler Ärzte für die Welt Anfang Mai. Wie überall. Überall? Wie ginge man in Äthiopien vor? Homeoffice ist dort Science Fiction.

Tagelöhner finden keine Arbeit mehr. Wer von der Hand in den Mund lebt, muss täglich am Markt einkaufen und am Fluss Wasser holen. In den Ländern, die unsere Hilfe brauchen, überlebt, wer mobil bleibt. „Wo jeder Tag am seidenen Faden hängt, ist der Hunger die größte Sorge, erst an 2.Stelle steht die Angst vor Covid-19“, bringt es Toni Pizzecco, Hausarzt und Präsident des Vereins, auf den Punkt. Der drohende Lock down in Afrika überschattete die Vollversammlung in Bozen. Ebenso die Frage: Wie wird Entwicklungshilfe 2020 aussehen?

Mobilität und menschliche Nähe


Mobilität und menschliche Nähe. Das waren auch 2019 die Erfolgsfaktoren des Vereins Südtiroler Ärzte für die Welt. Mitglieder, Mitarbeiter, Ärzte, Krankenschwestern, Handwerker und Volontäre haben mit ihrer Arbeit und in ihrer Freizeit Hilfe geleistet und gleichzeitig soziale Verbindungen gefestigt. Großzügig unterstützt von der Südtiroler Bevölkerung. Die Revisoren haben – wie immer unentgeltlich – die Richtigkeit der Geschäfte geprüft.

Der Verein präsentiert Ergebnisse, die zum Weitermachen motivieren. 2019 hat der Verein 7 Prozent mehr Spenden gesammelt als 2018. Es wurden 24 Hilfsprojekte in 13 Ländern unterstützt. Insgesamt konnten 44 Einsätze von Ärzten, Volontären und Handwerkern verzeichnet werden.

In seinem Bericht hebt Toni Pizzecco die Einsätze im Krankenhaus Attat in Äthiopien hervor. Mit über 4000 Geburten und 8000 chirurgischen Eingriffen pro Jahr sichert das Krankenhaus die Grundversorgung der Bevölkerung in einem Einzugsgebiet von einer Million Einwohner. Ein Großprojekt, das der Verein seit vielen Jahren vorantreibt. Verschiedene Fachärzte übernahmen 2019 die Weiterbildung des medizinischen Personals vor Ort. Ebenso wertvoll war der Einsatz der vielen Südtiroler Handwerker, auf die im Krankenhaus immer sehr viel Arbeit wartet.

Bau von Gesundheitsstationen und Schulen

Traditionell konzentriert sich die Arbeit der Südtiroler Ärzte für die Welt auf 3 Bereiche: medizinische Hilfe und Hygiene, Schulbildung und sauberes Trinkwasser. Im Jahr 2019 wurden deshalb in Äthiopien Gesundheitsstationen und Schulen gebaut. Gleichzeitig stand die Ausbildung von Ärzten und medizinischem Personal im Vordergrund. In einzelnen Dörfern wurden TrinkwasserProjekte verwirklicht. Spezielle Förderprogramme wurden für Frauen und Jugendliche durchgeführt. Immer mit dem Ziel vor Augen, den Menschen in Äthiopien Perspektiven für eine bessere Zukunft zu geben.

Jährlich verleiht der Verein den „Helping Hands“ Preis. In diesem Jahr erhält der Bozner Arzt Manfred Brandstätter die Auszeichnung für seinen langjährigen Einsatz für den Verein.

stol