Sonntag, 29. September 2019

Wenn der Kinderwunsch spät auftritt

Immer häufiger werden Frauen in höherem Alter erstmals Mutter. Das ist teilweise noch immer ein Tabu, wie die Sonntagszeitung „Zett“ in ihrer neuen Ausgabe berichtet.

Das Durchschnittsalter von Müttern bei der Geburt der Kinder liegt längst bei über 30.
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Das Durchschnittsalter von Müttern bei der Geburt der Kinder liegt längst bei über 30. - Foto: © shutterstock

Mütter im fortgeschrittenen Alter sprechen nur ungern über ihre späte Elternschaft. Das hat die „Zett“ auch bei dieser Recherche erlebt. Mehrere Mütter sagten mit Verweis auf befürchtete negative gesellschaftliche Auswirkungen ab.

Die in Vahrn lebende Tiziana Vinci hingegen spricht sehr offen darüber, dass sie „erst“ im Alter von 40 Jahren Mutter wurde. Vor allem aus dem Grund, weil der kleine Marco ihr großes Familienglück perfekt macht.

„Zett“: Es scheint ein Tabu zu sein, als Frau über 40 ein Kind zu bekommen. Warum ist das so?

Tiziana Vinci: Meiner Beobachtung nach ist es ein Tabu – vor allem hier in Südtirol. Hier ist die Norm, dass viele Frauen schon im jungen Alter heiraten und ihr erstes Kind bekommen. In anderen Teilen Italiens, wie zum Beispiel in Sizilien, wo mein Mann und ich aufgewachsen sind, spricht man entspannter über dieses Thema. Dort beginnt die Familienplanung später. Vor allem aus dem Grund, da sich die Menschen erst durch einen festen Arbeitsplatz absichern wollen. Und dieser fehlt oftmals in Süditalien.

Z: Wie war das dann bei Ihnen?

Vinci: Nun, als ich meinen Mann geheiratet habe, war ich 27 und hatte erst vor Kurzem meine Arbeitsstelle angetreten. Somit verzichteten wir bewusst darauf, eine Familie zu gründen. Aufgrund meiner Arbeit für ein Bauunternehmen wurde ich auch oft an verschiedenste Orte Italiens geschickt. Mein Mann und ich sahen uns also immer nur am Wochenende. In dieser Zeit ein Kind zu bekommen, war also keine Option für uns. Als ich schließlich nach Südtirol versetzt wurde, um am Bau des Brennerbasistunnels mitzuarbeiten, hatten wir endlich stabile Verhältnisse und wollten dann ein Kind bekommen. Das gestaltete sich aber schwieriger als erwartet. So schnell, wie wir es uns vorgestellt hatten, klappte es nämlich nicht.

Z: Zogen Sie denn künstliche Befruchtung in Betracht?

Vinci: Ja. Neben der Möglichkeit einer künstlichen Befruchtung hatten wir aber auch daran gedacht, ein Kind zu adoptieren. Meine biologische Uhr tickte unaufhörlich weiter; also wollten wir zu diesem Zeitpunkt alle unsere Möglichkeiten in Betracht ziehen, um unsere Familie mit einem Kind zu komplettieren.

Z: Wie haben Sie sich gefühlt, als es schließlich doch auf dem „natürlichen“ Wege geklappt hat?

Vinci: Es war ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Wenn man sich etwas so sehr wünscht, und über einen so langen Zeitraum herbeisehnt, kann man sein Glück zu Beginn kaum fassen. Gleichzeitig verspürte ich aber auch große Angst, dass etwas schiefgehen könnte.

Z: Welche Ratschläge gab Ihnen da Ihr Arzt?

Vinci: Bei meinem ersten Arztbesuch als Schwangere sagte mir der Arzt, dass es aufgrund meines fortgeschrittenen Alters eine Reihe an Komplikationen geben könnte, die im schlimmsten Fall zu einer Fehlgeburt führen. Diese Worte begleiteten mich die ganze Schwangerschaft über. Bei jedem noch so kleinen Symptom befürchtete ich sofort das Schlimmste.

Z: Wie gestaltete sich die Phase der Schwangerschaft?

Vinci: Glücklicherweise verlief die Schwangerschaft ohne jegliche Probleme. Ich selbst leide an Epilepsie, weshalb ich öfters als üblich zu Untersuchungen gehen musste. Abgesehen davon hatte ich eine tolle Schwangerschaft, ohne jegliche Probleme. Unser kleiner Marco kam gesund zur Welt und wird im November zwei.

Z: Was sind die größten Unterschiede zwischen einer Mutter in ihren 20ern und einer Mutter, die 40 Jahre oder älter ist?

Vinci: Meiner Meinung nach liegt der größte Unterschied darin, dass jüngere Mütter gelassener an die Sache herangehen. Sie machen sich weniger Sorgen und haben weniger Ängste. Eine ältere Mutter hat mehr Lebenserfahrung und macht sich deshalb vielleicht auch mehr Sorgen. Deshalb wirkt eine derartige Mutter vielleicht etwas strenger in der Erziehung.

Z: Fühlen Sie sich benachteiligt gegenüber der körperlichen Verfassung einer 20 Jahre jüngeren Mutter?

Vinci: Eigentlich nicht. Ich denke nicht, dass ich meinem Kind weniger bieten kann, nur weil ich älter bin. Was das Energielevel anbelangt, habe ich im Gegenteil die Erfahrung gemacht, dass – wenn ich keine Energie mehr habe – sie Marco in mir zum Vorschein bringt. (lacht) Deshalb macht das für mich eigentlich keinen Unterschied.

Z/mnr

stol