Samstag, 30. September 2017

Wenn der Wolf beim Almabtrieb mit dabei ist

Almabtrieb - einmal anders: Nach den Ultner Viehzüchtern haben auch die Bauern von der Seiser Alm dem Viehabtrieb heuer einen eigenen Stempel aufgedrückt - aus Unmut über die gerissenen Tiere durch Bär oder Wolf und aus Wehmut. Denn ob es weiterhin zu einem Auftrieb der Tiere kommen wird, steht derzeit in den Sternen.

"Ja zur wolffreien Almwirtschaft": Mit Transparenten machten die Bauern ihrem Ärger Luft. - Foto: Michael Tirler
Badge Local
"Ja zur wolffreien Almwirtschaft": Mit Transparenten machten die Bauern ihrem Ärger Luft. - Foto: Michael Tirler

"Wir haben uns schon etwas zurückgehalten, die Tiere sind nicht geschmückt worden, wie in den vergangenen Jahren. Bloß die großen Glocken kamen zum Einsatz", beschreibt der Hirte Martin Tirler die diesjährige Ausgabe des traditionellen Almabtriebes am Samstag.

Auf der Seiser Alm findet noch ein klassischer und echter Abtrieb statt, wo die Tiere an besagtem Tag von der Alm bis zum Heimathof gebracht werden. Und doch war die Stimmung heuer anders. "Wir wollten die Gäste nicht enttäuschen, aber so richtige Feierlaune ist nicht aufgekommen", so Tirler. An die 2000 Schaulustige verfolgten allein in Kastelruth den Einzug der Tiere. 

"Ja zur wolffreien Almwirtschaft"

Mit Transparenten hatten die erzürnten Bauern auf die untragbare Situation aufmerksam gemacht. "Wir wollten nicht teufeln, aber im Stillen darauf hinweisen. Und ich habe den Leuten bei einem Interview erklärt, was Sache ist", so Tirler. 

Denn was aus der Almbeweidung wird, stehe derzeit in den Sternen. "Die Bauern werden im kommenden Jahr wohl zuwarten", so der Hirte. Schafe werden wohl nicht mehr aufgetrieben werden, Rinder vielleicht. 

Bereits der diesjährige Almabtrieb in Ulten war zur Demonstration gegen Wolf und Bär genutzt worden (STOL hat berichtet). Dort und auf der Seiser Alm hatten die Bauern und Viehzüchter am meisten unter gerissenen Tieren zu leiden. 

stol/ker

stol