<BR /><b> Auf welche Herausforderungen treffen Väter nach einer Trennung?</b><BR />Erich Daum: Zum einen müssen sie die Trennung bewältigen. Sie leben plötzlich getrennt von ihrer Familie. Zum anderen haben Väter nun die alleinige Verantwortung für die Kinder zu den Zeiten, wo die Kinder bei ihnen sind. Sie müssen häufig erst in die neue Vaterrolle hineinwachsen. <BR /><BR /><embed id="dtext86-74003364_quote" /><BR /><BR /><b> Wie sieht der neue Alltag aus?</b><BR />Daum: Die meisten Trennungskinder wachsen bei der Mutter auf, auch wenn beide Eltern das Sorgerecht haben. Es ist selten, dass Kinder eine Woche bei Mama und eine Woche beim Papa verbringen. Die Kinder kommen zu den vereinbarten Zeiten zum Vater. Er ist nicht nur „Besuchsvater“, sondern aktive Bezugsperson, die mit den Kindern den vollen Elternaufgaben nachkommt: Präsent sein, zuhören, begleiten, spielen, trösten, Grenzen setzen, kochen, den Alltag organisieren usw. In diesem Bereich hat sich Einiges verändert. <BR /><BR /><b>Inwiefern? </b><BR />Daum: Männer fühlen sich heute mehr für ihre Kinder zuständig. Sie wollen für sie da sein und empfinden das nicht mehr als Verpflichtung. Das traditionelle, patriarchale Rollenbild des Vaters bröckelt. <BR />Das Ende einer Beziehung bedeutet aber nicht automatisch das Ende von Konflikten. Männer berichten immer wieder, wie Absprachen zwischen den Eltern bei ungelösten Konflikten dann zu Machtkämpfen führen, Übergaben zu Stressmomenten. Väter leiden darunter, die Kinder auch. Es ist deswegen entscheidend, dass Väter wie Mütter lernen, die Paarebene klar von der Elternebene zu trennen. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-74003368_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Stehen Väter nach einer Trennung auch unter finanziellem Druck?</b><BR />Daum: Absolut, das ist ein großes Problem. Die Lebenshaltungskosten in Südtirol sind hoch. Meistens zieht der Mann aus dem gemeinsamen Heim aus und nimmt sich eine eigene Wohnung. Oftmals muss er Raten für das Familienheim abzahlen, dazu kommen Unterhaltszahlungen. Das setzt Männer sehr unter Druck. <BR /><BR /><b> Wie kann ein Vater nach einer Trennung möglichst präsent bleiben?</b><BR />Daum: Nach einer Trennung sind Männer zuerst einmal enttäuscht und verunsichert. Wichtig ist, dass Väter und Mütter miteinander sprechen, denn sie bleiben Eltern. Verlässliche Umgangszeiten sind das Um und Auf, denn Kinder brauchen eine Struktur, die ihnen auch bei einer Trennung Halt und Orientierung gibt. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-74003462_quote" /><BR /><BR /><BR /><b> Kann eine Trennung auch eine Chance sein?</b><BR />Daum: Auf jeden Fall. Männer befinden sich in einer Krisensituation. Viele beginnen zu reflektieren, überdenken ihre Situation neu. Ihnen wird bewusst, dass sie oft auch zu wenig präsent waren, zu wenig für ihre Partnerin, aber auch für ihre Kinder. Viele Männer identifizieren sich oft zu sehr mit ihrer Arbeit und vergessen dann oft jene Menschen, die ihnen nahestehen. Als Berater ist es immer wieder schön zu sehen, wie Väter sich über die intensive Zeit mit ihren Kindern freuen, ja sich selbst als Vater neu erleben. <BR /><BR /><BR /><b>Die Caritas Männerberatung ist für Väter da. Suchen immer mehr Hilfe?</b><BR />Daum: Ja. Wir begleiten viele Männer, zwei Drittel davon sind Väter. <BR /><BR /><b> Was würden Sie Vätern mitgeben, die sich in einer Trennungssituation befinden?</b><BR />Daum: Dass sie sich bei Bedarf Unterstützung holen. Dass sie sich Zeit für sich nehmen, um sich den Raum und Platz zu geben, sich als Mann und Vater neu zu finden. Lernen, auf sich gut zu schauen, auch mal Nein zu sagen, Prioritäten zu setzen. Die Erwartungen an Männer sind hoch, man kann nicht allen gerecht werden. Sich zu fragen: Wie sieht mein Weg aus? Was macht Sinn und was erfüllt mich in meinem Leben? Was brauche ich, damit es auch mir immer wieder gut geht, dann geht es auch den Kindern gut.