Bis auf weiteres heißt es für die anderen früh aufstehen. Für Bildungsdirektor Gustav Tschenett wäre ein späterer Unterrichtsbeginn durchaus möglich. Auch Heidrun Goller, Vorsitzende des Elternbeirates, würde einen solchen befürworten.<BR /><BR />Dass die Aufnahmefähigkeit bei Kindern und Jugendlichen frühmorgens weit eingeschränkter ist als am Vormittag, ist wissenschaftlich erwiesen. Dennoch scheint sich Südtirols Schulwelt schwer zu tun, den Unterrichtsbeginn nach hinten zu verlegen. Bis jetzt zumindest. Nachdem der Unterricht am internationalen Zug am Realgymnasium um 8.40 Uhr beginnen soll, flammt die Diskussion nun wieder neu auf – und scheint diesmal auf fruchtbaren Boden zu fallen.<BR /><BR />„Wie die Unterrichtszeiten gestaltet werden, liegt in der organisatorischen Autonomie der einzelnen Schulen“, sagt Bildungsdirektor Tschenett. Demnach könnten Schulen bzw. Schulsprengel schon jetzt beschließen, den Unterrichtsbeginn nach hinten zu verlegen. Zwar wurde wiederholt darüber diskutiert und teilweise in der Elternschaft darüber abgestimmt. Konkret umgesetzt wurde ein späterer Unterrichtsbeginn aber noch nirgends.<BR /><BR />Wenn man an einen solchen denke, müssten laut Tschenett aber 2 Dinge berücksichtigt werden. „Zum einen haben wir ein kapillares Netz an Schulen, das sehr eng mit dem Schülertransport zusammenhängt“, sagt er. In Ballungszentren, wo die Schüler zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule kommen, wäre es durchaus denkbar, dass die Schulen unterschiedlich mit dem Unterricht beginnen. „Andernorts, etwa im Pustertal oder Vinschgau, wo die allermeisten mit dem Schülerbus kommen, bräuchte es – wenn – dann eine einheitliche Regelung“, sagt er. „Dann müssten wir aber Einschnitte in die Autonomie der Schulen machen.“ Wenn jede Schule morgens zu einer anderen Uhrzeit beginnen würde, wäre das sicher nicht machbar, so Tschenett.<BR /><BR />Gerade in einer Entzerrung des Schülertransportes sieht aber Elternvertreterin Goller einen positiven Nebeneffekt eines späteren Unterrichtsbeginns. „Auch zumal sich der Transport ja nicht den Schulzeiten anpasst“, sagt sie. Das Beispiel des internationalen Zuges sei ein deutliches Zeichen dafür, „dass man es hinbekommt, wenn man nur will“, ist sie überzeugt. Und das Thema werde sicher auch beim nächsten Treffen des Landesschulrates wieder auf den Tisch kommen. <BR /><BR />Dass ein genereller späterer Beginn oder eine Gleitzeit beim Schuleintritt einiges an Koordination mit Bereichen wie Schülertransport, Musikschulen oder Nachmittagsbetreuung erfordert, sei ihr durchaus bewusst. „Aber derzeit scheint man in der Schule alles in den Vormittag packen zu wollen. Ob das den Schülern gerecht wird, scheint völlig egal“, so Goller. „Optimal wäre eine morgendliche Gleitzeit – etwa ein Eintritt zwischen halb 8 und halb 9 Uhr“, sagt sie. Solches sei Teil der Familienzeitmodelle, die es seit 2019 gibt. „Das umzusetzen, wäre nicht schwierig, wissen doch alle, was es bräuchte“, so Goller. „Und mit den autonomen Schulen könnte das rasch verwirklicht werden. Nur wollen müsste man es eben.“