Südtirol gab 2024 für psychische Gesundheit 99 Millionen Euro aus. „Das sind 5,5 Prozent des konsolidierten Haushalts, während es im OECD-Durchschnitt elf Prozent sind“, so Oberkofler. Der Löwenanteil floss mit 74 Millionen Euro in die Psychiatrie, „nur“ 25 Millionen Euro gingen an den psychologischen Dienst. <BR /><BR />Im Schnitt, so Landesrat Messner auf Anfrage von Oberkofler, erfolge der Erstkontakt in schweren Fällen nach einer Woche, weniger schwere warten vier bis acht Wochen. „Andere Regionen haben deshalb schon lange Basispsychologen eingeführt, an die man sich in Krisenzeiten wendet, wie an einen Hausarzt“, so Oberkofler und Ploner, die beide ähnliche Gesetzesentwürfe im Landtag aufliegen haben. Deren Kernpunkt: Abkommen mit freiberuflichen Psychologen. „Gerade jetzt wäre ein niederschwelliger Zugang zu psychologischer Betreuung enorm wichtig“, so Ploner. Aus eigener Tasche sei dieser für viele nicht zu stemmen. „Wir reden im Regelfall von acht bis neun Sitzungen“, sagt Ploner.<h3> Reduzierte Mittel beim Psychologen-Bonus</h3>Es gibt zwar den sogenannten Psychologen-Bonus von bis zu 1.500 Euro. Wurden 2023 aber von 944 Anträgen noch 709 (73,4 Prozent) bewilligt, so sanken die genehmigten Anträge 2024 auf magere 83 (9,4 Prozent) und 2025 auf 111 (15,1 Prozent). „Laut INPS-Jahresbericht erfüllen zwar fast alle Anträge die Zulassungskriterien. Dennoch haben Bürger mit einem Jahreseinkommen von über 12.000 Euro brutto seit zwei Jahren keine Möglichkeit mehr, den Bonus zu erhalten, weil die Mittel dafür reduziert wurden“, so Oberkofler.<BR /><BR />Beim Land sieht man die Notwendigkeit von Basispsychologen ebenfalls gegeben. „Allerdings wollen wir den Dienst über den Sanitätsbetrieb und nicht über Abkommen mit Freiberuflern anbieten. Dazu hat der Sanitätsbetrieb eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die zeitnah einen Vorschlag vorlegen wird“, sagt Michael Mayr, Ressortchef von Landesrat Messner. Dies ist der Grund, weshalb die Gesetzentwürfe von Ploner und Oberkofler im Gesetzgebungsausschuss abgelehnt wurden.<BR /><BR />Im Mai sollten sie laut Oberkofler aber trotzdem vom Plenum behandelt werden. „Das öffentliche System hat nie genügend Personal, um das allein zu stemmen“, sind die beiden Oppositionspolitiker überzeugt.