Wie lange es dauerte, bis er Hilfe fand, welche Umwege er nahm und worauf es in solch dunkeln Zeiten ankommt, erzählt er ganz offen in einem Interview.<BR /><BR /><b>Herr Cecchinato, hatten Sie vor 2020 je mit psychischen Problemen zu kämpfen?</b><BR />Elio Cecchinato: Nein, gar nicht.<BR /><BR /><b> Was passierte 2020?</b><BR />Cecchinato: Auf einen Schlag setzten massive Schlafprobleme ein. Anfangs dachte ich, das hätte rein physische Ursachen. Das ging über Monate so. Ich hatte irgendwann das Gefühl, dass es zwei voneinander getrennte Elio gab, einen körperlichen und einen psychischen.<BR /><BR /><b>Wie kann man sich das vorstellen?</b><BR />Cecchinato: Ich hatte plötzlich Angst Auto zu fahren, aus Angst es könnte Schlimmes passieren. Ich hatte nur schlimme, unangenehme, negative Dinge im Kopf – wie einen vorwiegend negativen Trailer. Zu leben war für mich einfach nur mehr schwierig – Tag und Nacht. Das kleinste Problem nahm in meinem Kopf Elefantengröße an. Was ist mit mir los?, fragte ich mich. Ich erkannte mich selbst nicht wieder. Ich konnte mir nicht erklären warum. Ich habe nicht gelebt, ich bin dahinvegetiert. „Stierstur“ wie ich bin – ich bin Sternzeichen Stier – habe ich mich weitergeschleppt von Tag zu Tag.<BR /><BR /><b> Sie gingen trotzdem jeden Tag in Ihre Versicherungsagentur. Haben Sie Ihre prekäre psychische Verfassung versteckt?</b><BR />Cecchinato: Genau das war die größte Kraftanstrengung, das zu verstecken. Ich wollte niemanden damit behelligen oder gar belasten. Meine Rückzugsorte waren mein Zuhause und mein Büro, indem ich den Parteienverkehr drosselte. Im Innersten hoffte ich, dass es früher oder später jemandem auffallen wird, dass es mir nicht gut geht. Aber das ist nicht passiert. Ich habe meinen einsamen Kampf geführt.<BR /><BR /><b>Wie war das für Ihre Familie?</b><BR />Cecchinato: Für sie war die Situation auch sehr schwierig. Schwierig zu verstehen und zu helfen. Wenn jemand Kopfweh hat oder der Rücken schmerzt, kann man sich gut in den Menschen hineinfühlen. Aber diesen psychischen Schmerz nachzuempfinden ist sehr sehr schwer. Dabei fühlt man sich selbst so immens verletzlich. <BR /><BR /><b> Was braucht man in so einem Zustand am meisten?</b><BR />Cecchinato: Es ist wichtig, viel Zuneigung zu bekommen, eine Schulter zum Anlehnen. <BR /><b><BR />Was haben Sie nach Monaten des einsamen Leidens unternommen?</b><BR />Cecchinato: Ich bin ein Typ, der den Dingen immer auf den Grund gehen will. Und weil ich ja dachte, es sei etwas Körperliches, bin ich zunächst zu einem befreundeten Gastroenterologen für ein Check up, aber es war nichts zu finden. Aber schon damals – etwa ein Jahr nach Beginn der Erkrankung – gab er mir den Tipp, dass mein Zustand mit meiner Psyche zu tun haben könnte. Ich habe mich dann an einen Komplementärmediziner gewandt, auch das half nichts.<BR /><BR /><b> Und dann?</b><BR />Cecchinato: Nach der lateinischen Redewendung „Mens sana in corpore sano“ habe ich mir 2022 psychiatrische Hilfe im Haus Basaglia gesucht und gefunden. In Psychiater Antonio habe ich nicht nur einen großartigen Arzt sondern einen wahren Freund gefunden. Seit einem Monat fange ich an wieder Lebensfreude zu spüren, Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Zu 100 Prozent geheilt bin ich nicht, aber ich habe einfach nicht aufgegeben und sage selbst Bravo zu mir.<BR /><BR /><b>Hatten Sie Suizidgedanken?</b><BR />Cecchinato: Nein. Aber nicht aus Angst, sondern getrieben vom Gedanken, ich müsse meinen Kindern ein Vorbild sein. Sie sind immer mein erster Gedanke. Und es tut mir so unsagbar weh, wenn ich an junge Menschen denke, die psychisch erkrankt sind. Ich muss schlucken, wenn ich daran denke, welch langen Weg sie vor sich haben. Man kann ihnen nur viel Kraft, einen guten Psychologen bzw. Psychiater und liebevolle, gute Eltern wünschen.<BR /><BR /><b>Sie haben über Ihren Leidensweg ein Buch geschrieben: „C’è sempre luce“ . Was war der Auslöser?</b><BR />Cecchinato: Meine Passion ist der Reitsport, ich bin ein Pferdenarr. Das muss ich vorausschicken. Und Mitte Mai 2024 wurde Fleur d’ Amour, mein Vollblut-Fohlen geboren. Eigentlich hat man dem Fohlen keine Überlebenschance gegeben. In dem Moment habe ich mir geschworen, wenn es durchkommt, dann schreibe ich das Buch. Und mein Erlebtes brach regelrecht wie ein Schwall aus mir heraus. Es wäre mir eine große Freude, das Buch zuallererst im Haus Basaglia vorzustellen. Mein einziges Anliegen ist, psychisch kranken Menschen zu vermitteln, dass es immer Hilfe, immer irgendwo ein Licht gibt.