Dienstag, 02. März 2021

Wenn Gartenabfälle zum Umwelt-Problem werden

Der Startschuss fürs „Garteln“ ist längst gefallen: Überall in Südtirol schneiden Hobbygärtner ihre Sträucher und machen den heimischen Hof frühlingsfit. Nicht jeder aber entsorgt seinen Grünschnitt anschließend auch dort, wo er sollte – manch einer kippt ihn einfach in den nächst gelegenen Bach oder lädt ihn sonst irgendwo ab. Das kann schlimme Folgen für das Ökosystem haben.

Gartenabfall gehört auf den Recyclinghof, den heimischen Komposthaufen oder ins Kompostierwerk – nicht irgendwo an den Wegesrand oder ins Bachbett.
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Gartenabfall gehört auf den Recyclinghof, den heimischen Komposthaufen oder ins Kompostierwerk – nicht irgendwo an den Wegesrand oder ins Bachbett. - Foto: © dpa-tmn / Christin Klose
Die Entsorgung von Kompost in der Natur ist verboten. Wer glaubt, Pflanzenabfälle würden ohnehin verrotten, und das Verbot deshalb nicht befolgt, der irrt. Georg Niedrist, Experte für Alpine Umwelt an der Eurac, sagt: „Grünschnitt-Ablagerungen sind ein Müllproblem: Es ist eine Frage des Respekts, Gartenabfälle zum Recyclinghof oder in die Kompostieranlage zu bringen.“



Thomas Wilhalm, Botaniker im Südtiroler Naturmuseum, erklärt, warum die wilde Ablagerung so problematisch ist: „Kompost wird ja gern an Orten entsorgt, die leicht mit dem Auto oder Traktor erreichbar sind.“ Dadurch entstünden oft regelrechte „Entsorgungsstationen“ mit Halden: „Diese verändern die natürlichen Lebensbedingungen völlig. Pflanzliches Leben wird wegen des Lichtmangels und der Abdeckung unmöglich. Außerdem enthalten Pflanzenabfälle oft ganze Pflanzen samt Wurzeln, die dann vor Ort weiterwachsen und sich auch weiter fortpflanzen können.“

Besonders mehrjährige Arten könnten zum Problem werden

Es seien in Südtirol bisher rund ein Dutzend nicht heimischer Pflanzenarten bekannt, deren sporadisches Vorkommen in der freien Natur nachweislich oder mit großer Wahrscheinlichkeit auch auf die Entsorgung von Kompost zurückzuführen ist, weiß der Experte: der Feld-Kürbis, die Gartenaster, die Garten-Petunie, die Blasenkirsche und die Tomate zum Beispiel.



Auch mehrjährige Arten sind auf diese Weise aus Gärten entwischt: das Schattengrün oder Ysander, der Schlitzblättrige Sonnenhut, die Samtblume, die Große Kapuzinerkresse und die Virginische Gelenkblume.

„Bislang stellen keine der genannten Arten ein Problem dar, aber vor allem die mehrjährigen Arten sind kritisch und im Auge zu behalten“, sagt Wilhalm. „Beim Schattengrün haben wir bereits 2 etablierte Bestände in Auenwäldern festgestellt – in den Burgstaller Auen sowie in der Nähe von Luttach. An beiden Orten wurde nachweislich Kompost entsorgt mit der Folge, dass sich diese Pflanze bereits über mehrere Quadratmeter ausgebreitet hat. Die Schatten ertragende Art kann im dichten Unterwuchs schnell ganze Teppiche bilden und wird deshalb ja auch als ,Bodendecker‘ in Gärten gepflanzt. Dadurch wird die Art ein empfindlicher Konkurrent von heimischen Arten, zumal in sensiblen Lebensräumen wie Auenwäldern.“

Ordnungshüter kontrollieren: Hunderte Euro Strafe

Die Ordnungshüter haben ein Auge auf illegale Grünschnitt-Ablagerung: „Im Wald kontrollieren die Förster, an den Straßen wir“, sagt der Vorsitzende der Vereinigung der Ortspolizei, Christian Carli. „Es gibt unvernünftige Leute, die meinen, Pflanzenabfälle könne man einfach irgendwo hinwerfen. Dabei kann man den Grünschnitt im Recyclinghof oder in der Kompostieranlage abgeben. Die Leute meinen, das sei Natur, deswegen sei es egal. Wenn es alle täten, hätten wir ganze Häufen von Grünschnitt in der Umwelt.“




Bedauerlicherweise sei es schwierig, Müllsünder auf frischer Tat zu ertappen. Doch die Strafen können empfindlich sein: „In Eppan sieht die Müllverordnung 172 Euro Strafe vor.“ Die Mithilfe der Bürger sei gefragt: Wer etwas Derartiges beobachte, solle die Kontrollorgane verständigen.


Große Probleme mit invasiven Pflanzenarten

Manche Gartenpflanzen sind in der Südtiroler Natur inzwischen zu einer Plage geworden: „Weil sie ganze Landstriche kolonialisieren und die heimische Vegetation grundlegend verändern können“, sagt Thomas Wilhalm.



Wirklich kritisch seien das Drüsige Springkraut – vielfach in Privatgärten als Zierkraut kultiviert, letzthin kaum mehr –; die Kanadische und die Riesen-Goldrute, die man immer noch in Gärten findet; und der Sommerflieder: „Er wurde vor einigen Jahrzehnten noch als Schmetterlingsstrauch von Gärtnern angepriesen, weil er die Schmetterlingsfauna fördern soll, was aber Unsinn ist, weil sich keine heimische Schmetterlingsraupe an dem Strauch ernähren kann und daher die Schmetterlinge nicht gefördert werden. Stattdessen breitet sich der Strauch an Flussufern und auf Schutthalden aus und bildet Reinbestände aus, wobei er die angestammte Vegetation und Flora völlig verändert“, erklärt Wilhalm. „Vielfach wird dieser Strauch auch heute noch an Forstwegen gepflanzt, was unbedingt zu unterlassen ist.“


kn