„Follow the money“ – also „Folge dem Geld“: Geht es nach diesem Prinzip, ist es nur logisch, dass sich Cyberkriminelle bei ihren digitalen Diebestouren eher auf Unternehmen als auf Privatpersonen konzentrieren.<BR /><BR />Mag auch der generelle Schutz vor Angriffen aus dem Netz bei Firmen ausgeprägter sein als bei Otto Normalverbraucher, ist der potenzielle Schaden – und damit die Chance auf eine erfolgreiche Erpressung – umso größer. Denn wenn ein Unternehmen für viele Stunden oder Tage digital lahmgelegt ist oder die Offenlegung interner Daten droht, dann ist die Bereitschaft zu einer Zahlung an Hacker eben entsprechend groß.<h3> Immer wieder Fälle bei Unternehmen in Südtirol</h3>„Ja, die Hauptopfer sind Unternehmen“, bestätigt Ivo Plotegher, Stellvertretender Kommissar und Leiter der Polizeidienststelle für Post- und Kommunikationswesen in Bozen. „Uns werden immer wieder Fälle gemeldet.“ Alarmierend seien die Zahlen nicht. <BR /><BR />Die Daten der Postpolizei sind jedoch nur partielle Daten, weil Anzeigen in diesem Zusammenhang prinzipiell bei jeder Polizeidienststelle italienweit erstattet werden können. Zu einer Anzeige rät der Stellvertretende Kommissar aber auf jeden Fall.<BR /><BR /><embed id="dtext86-55462094_quote" /><BR /><BR />So oder so möchte der Leiter der Polizeidienststelle für Post- und Kommunikationswesen die heimischen Unternehmen vor den Gefahren durch die sogenannten „Cryptolocker“ warnen: „Mit einem speziellen Computervirus vom Typ ‚Ransomware‘ verschlüsseln die Erpresser die Daten auf dem Computer der Opfer und verlangen dann eine Zahlung für die Entschlüsselung. Kurz gesagt, die Opfer haben keinen Zugriff mehr auf die Daten. Um wieder Zugang zu ihnen zu erhalten, fordern die Kriminellen die Opfer auf, eine Geldsumme – ein Lösegeld – zu zahlen.“<BR /><BR />Hier appelliert Plotegher eindringlich: „Nie bezahlen! Denn es sind Kriminelle – und auch eine Zahlung garantiert nichts.“<h3> Problem der Fehleinschätzung </h3>Damit es aber erst gar nicht zu einer solchen Erpressung kommt, ist der Schutz enorm wichtig. Genau hier hakt es aber bei vielen Firmen. Eine entsprechende Untersuchung des IT-Unternehmens Elmec (unlängst veröffentlicht im „Corriere della Sera“) förderte zu Tage, dass 98 Prozent der befragten italienischen Unternehmen ihren Sicherheitsstatuts als „sehr geeignet“ oder „geeignet“ bezeichnen.<BR /><BR />Im Gegensatz dazu wird aber auf die Nutzung essenzieller Schutzmechanismen verzichtet: 21 Prozent der Unternehmen haben nicht einmal ein Antivirus-Programm, 35 Prozent sind ohne Spam-Filter und 38 Prozent haben keine Firewall. Und weniger als 50 Prozent machen regelmäßige Back-ups.<h3> Was für den Schutz der Firmen wichtig wäre</h3>Um diese Diskrepanz zwischen „gefühltem Schutz“ und wirklichem Schutz aufzulösen, ist es laut Ivo Plotegher notwendig, nicht nur an den technischen Schutz zu denken: „Es ist sicherlich sehr wichtig, das eigene EDV-System ausgezeichnet zu schützen. Darüber hinaus ist es aber auch wichtig, seine Mitarbeiter über die möglichen Risiken und Gefahren des Netzes auf dem Laufenden zu halten.“<BR /><BR />Damit gemeint sei vor allem die Anregung, „eingehende E-Mails immer in Ruhe zu lesen und im Zweifelsfall keine Anhänge zu öffnen oder auf Links zu klicken“, aber auch der Rat, „keine USB-Sticks einzustecken, deren Herkunft man nicht kennt, sowie den Computer als Benutzer und nicht als Administrator zu benutzen.“ Für die Unternehmen gelte es zudem, „das Antivirensystem immer auf dem neuesten Stand zu halten und regelmäßig ein Back-up der Daten durchzuführen“.<h3> Nach einem Angriff dauert es lange, bis alles wieder läuft</h3>Auch wenn diese Maßnahmen Geld und Zeit kosten, zahlt sich der Aufwand aus. Denn wird ein Unternehmen einmal von Hackern erfolgreich attackiert, dauert es oft viele Tage, bis die Kernaufgaben wieder funktionieren – und Monate, bis die vollständige Operativität der Firma wiederhergestellt ist. Wertvolle Zeit, in der dann erst recht viel Geld verloren geht.