Neben einem Gefühl der „Hilflosigkeit“, das akute Hitze und Trockenheit auslösen können, zeigt der Blick auf die Natur auch eine andere Realität im Angesicht des Klimawandels. Wenn Wälder und Grünflächen plötzlich anders aussehen, könne das auf die Psyche durchaus „beängstigend“ wirken, sagt die Umweltpsychologin Sabine Pahl. Hitze- und Dürreperioden seien jedenfalls ein „riesiger Stressfaktor“ – besonders für Menschen mit Vorerkrankungen.<BR /><BR />Es ist kein Geheimnis, dass solche Wetterphasen jene Personen am stärksten treffen, die bereits körperlich, sozial oder psychisch belastet sind.<BR /><BR />Aus verschiedenen Untersuchungen weiß man, dass die mentale Gesundheit während Hitzeperioden leiden kann: Depressive Verstimmungen, Angstzustände, Aggressionen bis hin zu erhöhten Suizidraten können zunehmen, erklärt Pahl vom Institut für Psychologie der Kognition, Emotion und Methoden an der Universität Wien. Die Belastung für den Körper bringt auch psychische Auswirkungen mit sich – Menschen reagieren mitunter gereizter. Zudem kann schlechterer Schlaf zu einer verminderten kognitiven Leistungsfähigkeit führen.<h3> Wenn gewohnte Bewältigungsstrategien nicht mehr funktionieren</h3>Menschen, die durch Erkrankungen bereits angeschlagen sind, entwickeln meist Strategien, um mit ihrer Situation umzugehen. Bei großer Hitze wird es jedoch schwieriger, jene Aktivitäten auszuüben, die normalerweise guttun – etwa Sport zu treiben, Zeit in der Natur zu verbringen oder soziale Kontakte zu pflegen.<BR /><BR />Gerade für Menschen mit sozialen Ängsten kann Hitze eine zusätzliche Hürde darstellen: Wer verschwitzt und erschöpft zu einem Treffen erscheinen müsste, zieht sich möglicherweise noch stärker zurück. Wer hingegen auf ein abgedunkeltes Zimmer angewiesen ist, kann seine üblichen Bewältigungsstrategien oft nicht anwenden: „Ich kann nicht tun, was mir normalerweise guttut“, sagt Pahl.<BR /><BR />Für viele Menschen ist der Aufenthalt in der Natur eine wichtige Möglichkeit zur Erholung. Doch gerade in stark von Dürre betroffenen Regionen verändert sich dieses vertraute Bild zunehmend. Wer Entspannung sucht, verbindet das meist mit Wäldern, Grünflächen und Gewässern. „Die wenigsten Menschen mögen gerne Wüsten“, sagt die Umweltpsychologin, die auch Co-Leiterin des „Forschungsverbundes Umwelt und Klima“ (ECH) an der Universität Wien ist.<h3> Die veränderte Natur als Quelle der Sorge</h3>Der Blick auf eine vertraute Landschaft, die sich durch Trockenheit und Hitze verändert hat, kann Unsicherheit auslösen. Menschen beginnen sich zu fragen, welche Folgen der Klimawandel noch bringen wird. Das könne entsprechend „beängstigend“ wirken, erklärt Pahl.<BR /><BR />Gerade naturverbundene Menschen beschäftigen sich dabei nicht nur mit den eigenen Lebensbedingungen, sondern auch mit den Folgen für Tiere und Ökosysteme. Viele machen sich Gedanken darüber, ob Wildtiere künftig noch ausreichend Nahrung und Wasser finden. „Es geht nicht nur um mich selbst, sondern es geht auch um das Gesamtbild“, sagt die Psychologin.<BR /><BR />Demgegenüber steht eine Gruppe von Menschen, die häufig als „Technooptimisten“ bezeichnet wird. Sie vertrauen stärker darauf, dass technische Lösungen die Folgen des Klimawandels bewältigen können. Diese Sichtweise sei problematisch, weil sie den Blick darauf verstellen könne, dass bereits jetzt Maßnahmen für Klimaschutz und die Anpassung an heißere Bedingungen notwendig seien, so Pahl.<h3> Hitzestress wird noch unterschätzt</h3>Tückisch am Hitzestress sei, dass er auf viele Menschen zunächst „unschuldig“ wirke. Dass hohe Temperaturen Probleme verursachen können, erscheine oft banal. Doch die steigenden Temperaturen würden zunehmend zu einer ernsthaften Belastung.<BR /><BR />In Workshops mit Bauarbeitern, Gesundheitspersonal oder Essenszustellern zeigt sich laut Pahl, dass viele Menschen noch wenig Bewusstsein dafür entwickelt haben, wie wichtig Schutzmaßnahmen und Anpassung an die neue Realität sind. Einige Unternehmen hätten bereits Kühlwesten angeschafft – bis diese im Alltag selbstverständlich genutzt werden, sei es jedoch noch ein weiter Weg, so die Psychologin.