Seit 2021 gibt es die Anti-Mobbing-Stelle, die bei der Gleichstellungsrätin angesiedelt ist. Und diese hat alle Hände voll zu tun: „Die Zahl der Mobbing-Fälle am Arbeitsplatz hat sich seitdem beinahe verdreifacht“, berichtete Gleichstellungsrätin Brigitte Hofer bei einer Tagung am Freitag in Bozen. <BR /><BR /><embed id="dtext86-72289675_quote" /><BR /><BR />Das geschieht in allen Arbeitsbereichen und hat mehrere Gründe: Zum einen ist das Bewusstsein für die eigenen Rechte gestiegen. „Die Arbeitnehmer sind besser informiert“, sagt Hofer. Zudem hätten sich die Arbeitsbedingungen verhärtet. „Es besteht ein chronischer Arbeitskräftemangel, die Menschen müssen mehr arbeiten und sind gestresst“, erklärt sie. <h3> <b>Wenn man aus Scham auf Hilfe verzichtet</b></h3>Auch die Fälle von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz haben zugenommen. „Allerdings haben viele nicht den Mut, Hilfe zu suchen“, erklärt Hofer. Davon betroffen sind in erster Linie Frauen zwischen 25 und 35 Jahren. Viele schämen sich, haben Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, oder das Problem wird kleingeredet. Von 2,3 Millionen Menschen, die eine sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erlebt haben, waren 1,9 Millionen Frauen, so Daten des italienischen Statistikamtes ISTAT aus dem Jahr 2022/2023. <BR /><BR /><embed id="dtext86-72289679_quote" /><BR /><BR />„Jede Person hat das Recht auf einen sicheren und gesunden Arbeitsplatz“, sagt die Gleichstellungsrätin und nimmt die Arbeitgeber in die Pflicht. Erlebt ein Mitarbeiter Mobbing, Gewalt oder geschlechtsspezifische Diskriminierung am Arbeitsplatz und meldet dies seinem Arbeitgeber, muss dieser einschreiten. „Unternimmt er nichts, dann sollte man sich an die Gewerkschaften, die Vertrauensrätinnen oder die Gleichstellungsrätin wenden und sich dort gezielt informieren“, appelliert Hofer. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1238640_image" /></div> <h3> Wie Betriebe reagieren sollten</h3>Mit dem Anti-Mobbing-Gesetz hat Südtirol 2021 eine Vorreiterrolle eingenommen. „Die rechtliche Grundlage besteht“, sagt Hofer (siehe auch Kurz-Interview). Was noch fehlt, ist ein kultureller Wandel. „Er kann nur von jedem Einzelnen, von den Betrieben ausgehen“, sagt sie. Es seien die Betriebe, die einen Verhaltenskodex schaffen und kommunizieren müssen. „Die Mitarbeiter müssen in geschlechtergerechter Sprache und im Umgang geschult werden.“ Viele Menschen wissen gar nicht, was Mobbing ist oder wann eine Belästigung beginnt. „Schon wenn ich Nein sage, es aber trotzdem gemacht wird, belästige ich jemanden“, präzisiert die Expertin.<BR /><BR />Lea hat schließlich ihren Mut zusammengenommen und das Gespräch mit ihrem Chef gesucht. Zum ersten Mal seit langer Zeit fühlt sie sich gehört. Er nimmt ihre Schilderungen ernst und macht klar: Mobbing wird nicht toleriert.<BR /><BR /><b>Drei Fragen an Rechtsanwältin Arabella Martinelli</b><BR /><div class="img-embed"><embed id="1238643_image" /></div> <b>Sollte man bei Mobbing eine Anzeige in Betracht ziehen?</b><BR /><Fett>Arabella Martinelli</Fett> (im Bild): Man sollte nicht still sein. Zunächst sollte man die Situation im Unternehmen oder bei der Gewerkschaft ansprechen. Ein Anwalt und das Gericht sollten zum Schluss stehen. <BR /><b><BR />Gibt es bereits Urteile?</b><BR />Martinelli: Ja. Seit einiger Zeit gibt auch es gesetzliche Bestimmungen, die einen Fokus auf das Wohlbefinden am Arbeitsplatz setzen.<BR /><BR /><b>Was ist mit Entschädigung?</b><BR />Martinelli: Um eine Entschädigung zu erhalten, muss man beweisen, dass man gemobbt wurde.