Es geschah in einer verschneiten Winternacht. Lisa Brunner erinnert sich noch daran, als wäre es gestern gewesen. Damals wohnte die Boznerin mit ihrer Tochter in einer zweistöckigen Wohnung, die 2 Zugänge zum Garten hatte. „Ich schlief und wachte plötzlich mitten in der Nacht von einem Klumperer auf“, erzählt Brunner. Gleichzeitig hörte sie Clara schreien. „Mama!“. <h3> Dann stand sie den Einbrechern gegenüber</h3>Lisa Brunner rannte aus dem Schlafzimmer, trifft dort auf ihr 10-jähriges Mädchen im Pyjama. Verunsichert, verängstigt, schockiert, weinend – so stand sie da. „Da waren 2 Männer“, sagte sie. Die Mutter lief in das obere Stockwerk, wo die ebenerdige Tür aufgebrochen war. Sie sah noch die Männer über die Wiese vor dem Haus davonrennen. <BR /><BR />Am nächsten Tag sicherte die Polizei Spuren im Schnee, Lisa Brunner erfuhr, dass die Einbrecher auch in benachbarte Wohnungen eingestiegen waren. <h3> Die schwere emotionale Last</h3>Der finanzielle Schaden hielt sich in Grenzen. „Die Kriminellen haben einen Laptop, ein Tablet und unsere Handys mitgenommen, die wir im Wohnzimmer zum Aufladen gelassen hatten“, erzählt Brunner. Viel schlimmer war die emotionale Last, den der Einbruch mit sich brachte.<BR /><BR />Die kleine Clara war den Einbrechern gegenübergestanden. Das konnte sie nicht vergessen. „Die erste Zeit ging es ihr sehr schlecht“, sagt Lisa Brunner. Clara schlief bei ihrer Mutter im Zimmer. Die Nacht brannten ab sofort überall die Lichter, auch im Schlafzimmer. Der Fernseher lief durch. <BR /><BR />Das Mädchen hatte Angst und Albträume. „Sobald es dunkel wurde, ging sie nirgends mehr alleine hin und wollte auch nicht alleine zu Hause bleiben.“ <h3> Eine Katze gegen das Alleinsein </h3>Wegen des Einbruchs zogen die beiden schon nach einem Monat um. „Auch ich habe es mit der Angst zu tun bekommen“, gesteht die Mutter. Nein, so konnten sie nicht mehr leben. Bewusst fiel die Wahl auf eine Wohnung im vierten Stockwerk. <BR /><BR />Am Abend alleine daheim zu bleiben, war aber auch hier nicht möglich. „Als ich später meinen Partner kennenlernte, wollten wir eines Abends ins Kino gehen. Ich musste ihm aber absagen, weil ich niemanden hatte, der bei Clara blieb.“ Ihr Partner habe das nicht verstanden. „Clara ist doch schon fast 14 Jahre alt. Da braucht sie doch keinen Babysitter mehr.“ <BR /><BR />Aber Lisa Brunner organisierte immer jemanden, der bei Clara blieb. Die Oma, eine Freundin. „Wenn sie doch mal kurz alleine war, weil ich noch arbeiten musste, telefonierten wir.“ Das sei ihre Rettung gewesen. Genauso wie die Katze, die Clara nach dem Einbruch erhalten hatte. „Dann war plötzlich noch ein Lebewesen im Haus, das ihr Ruhe schenkte“, schildert Lisa Brunner. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1006211_image" /></div> <BR />Später suchte Clara die Hilfe eines Psychologen auf. „Als sie kleiner war, habe ich es noch verstanden. Aber als sie größer wurde, war mir klar, das Thema muss angegangen werden“, sagt ihre Mutter. So konnte das Trauma aufgearbeitet werden. <h3> „Sie waren an deinem intimsten Ort“ </h3>Ganz überwinden wird Clara es wohl nie. Die junge Frau wohnte als Studentin im Ausland gezielt in Wohnungen in höheren Stockwerken. „Wenn Räuber ins Haus kommen ist das traumatisch. Sie waren an deinem intimsten Ort, bringen alles durcheinander, greifen alles an“, so Lisa Brunner. Wenn man aber selbst auf die Einbrecher trifft, dann sei das eine enorme psychische Belastung – besonders für Kinder und Jugendliche.<BR /><BR /> <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/trauma-nach-einbruch-was-die-expertin-betroffenen-eltern-raet" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Hier erklärt die Psychologin Sabine Cagol, wie Eltern ihren Kindern die Angst nehmen kann und warum ein Umzug nicht immer ratsam ist.</a>