Gisella Stockner Wwe. Messner wurde 1953 in Albeins geboren. Ihre Eltern hatten es schwer, sie hatten nicht viel. Doch Gisella hatte einen Ort des Aufatmens, sie durfte viele Sommer lang bei einer Bauernfamilie in Teis leben. „Des wor die schienste Zeit in mein Lebm“, sagt sie. Dort lernte sie Brauchtum, den Glauben und die bäuerlichen Alltagsstrukturen kennen – etwas, das ihr bis heute Kraft gibt. Nach einer kaufmännischen Ausbildung arbeitet sie im Büro bis zur Heirat mit dem Putzer-Sepp aus Teis 1974. Sie tauschte den Schreibtisch gegen den Melkstuhl. <h3>„Mir hob uenfoch olls verloren“</h3>Der Putzer Sepp war trotz Kinderlähmung ein lebensfroher Mensch. Er war im Dorf sehr engagiert, war bei der Heimatbühne Teis, Obmann der Musikkapelle und Mitgestalter des Vereinshauses. Gemeinsam bauten sie den Putzerhof aus, errichteten Ferienwohnungen, erweiterten den Betrieb und bekamen drei Kinder. Auf die Frage, warum sie das Büro aufgab, antwortete sie schlagfertig: „Isch a letze Goaß, de lei uene Staude woas.“ Nach 15 Ehejahren dann der Schicksalsschlag: Sepp erkrankte an einem Magentumor und verstarb 1989 nach fünf Monaten Pflege mit nur 49 Jahren. „Mir hobm uenfoch olls verloren“, sagt Gisella. <BR /><BR />Sie war allein – mit den Kindern: Marlene 14, Astrid 11 und Christoph 6 Jahre alt. Sie fühlte sich gezwungen, die Wiesen erstmals schweren Herzens zu verpachten. Sie sah sich den Herausforderungen nicht gewachsen. „Den Hof in guete Händ zu wissen, wor mir sehr wichtig.“ Sie kehrte in ihren Beruf zurück, um ihren Kindern eine Zukunft zu sichern und sie zu selbstständigen Menschen zu erziehen. Die Zeit war sehr schwierig für Gisella. Sie fühlte sich von Gott und der Welt verlassen. <h3> Der Schock war groß, der Verlust enorm</h3>2010 übernahm zum Glück Sohn Christoph den Hof und gemeinsam mit seiner Frau Daniela modernisierten sie den Hof und arbeiteten mit großer Motivation weiter. Doch der nächste Schicksalsschlag folgte 2019, als Christoph bei einem Unfall ums Leben kam. Der Schock war groß, der Verlust enorm. Trotz dieser Schicksalsschläge und vieler kränkender Situationen im Leben, fand Gisella immer wieder den Draht nach oben. Wertvolle Freundschaften gaben ihr Halt und Zuversicht. <BR /><BR />Heute freut sich Gisella sehr über die Stammgäste in den Ferienwohnungen. Auch in vielen Vereinen, wie etwa beim Tourismusverein und Kirchenchor, war sie tätig, u.a. war sie 33 Jahre Schriftführerin und Kassierin im Viehversicherungsverein. Nach wie vor hilft sie heute bei den Vorbereitungen für das „Bauernfestl“ mit und beteiligt sich am Dienst Essen auf Rädern. Ansonsten genießt sie die Zeit mit Enkeln und Urenkeln, geht wandern oder kümmert sich um den Garten. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1293807_image" /></div> <BR /><BR />Auch die geselligen Runden mit dem Jahrgang, das gemeinsame Watten mit dem Seniorenclub, bei welchem sie im Ausschuss ist, tun ihr gut. Mit sehr viel Genugtuung und Stolz erlebt Gisella, wie ihre Schwiegertochter Daniela mit ihren beiden Töchtern Maya und Ilvy den Hof mit viel Fleiß und Einsatz weiterführt. An das Leben hat Gisella keine Erwartungen mehr, sie ist zufrieden und dankbar für jeden gesunden Tag und auch dafür, wieder in einer Partnerschaft leben zu dürfen, wo sich beide gegenseitig unterstützen und wertschätzen. Zufriedenheit im Leben bedeutet ihr sehr viel: „Wenn man tut, wos man konn, donn erfüllt man nit lei seine Pflicht, sondern man lebt seine Herzensaufgabe. Und sell isch des Wichtigste.“