Freitag, 10. Juli 2020

Wenn ungeborenes Leben erlischt: Fehlgeburten und Abbrüche 2019

Im Jahr 2019 wurden laut Landesinstitut für Statistik (ASTAT) in den Gesundheitseinrichtungen Südtirols 517 freiwillige Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt. Fehlgeburten gab es 581, welche eine Einlieferung in eine öffentliche oder private Krankenanstalt erforderten.

Bei einer Fehlgeburt sind die Frauen in Südtirol durchschnittlich 33,1 Jahre alt.
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Bei einer Fehlgeburt sind die Frauen in Südtirol durchschnittlich 33,1 Jahre alt. - Foto: © shutterstock
Bei einer freiwilligen Schwangerschaftsunterbrechung sind die Frauen durchschnittlich 29,8 Jahre, bei einer Fehlgeburt durchschnittlich 33,1 Jahre alt.

Fehlgeburten

Im Jahr 2019 werden in Südtirol 581 Fehlgeburten, welche eine Einlieferung in eine öffentliche oder private Krankenanstalt erforderlich machten, verzeichnet. Das sind 5,4 Prozent weniger als im Vorjahr, als die Zahl noch bei 614 lag.

Die Abbruchziffer beträgt 5,1 Fehlgeburten je 1.000 Frauen im gebärfähigen Alter (15-49 Jahre). Der Gesundheitsbezirk Brixen (6,8) verzeichnet landesweit die höchste Abbruchziffer. 24,6 Prozent der betroffenen Frauen sind Ausländerinnen.


Risikofaktor Alter

Das zunehmende Alter der Frauen zum Zeitpunkt der Empfängnis stellt den höchsten Risikofaktor für eine Fehlgeburt dar: So ist die Abbruchquote bei den Frauen ab einem Alter von 40 Jahren mehr als doppelt so hoch wie in der Altersklasse der 35- bis 39-Jährigen (274,8 gegenüber 125,1 Fehlgeburten je 1.000 Lebendgeborene). Bei den jüngsten Frauen im Alter zwischen 20 und 24 Jahren beträgt die Fehlgeburtenrate115,7 Promille, bei den 25- bis 29-Jährigen 82,1 Promille und bei den 30-bis 34-Jährigen 88,2 Promille.

Im Jahr 2019 beträgt das Durchschnittsalter der Frauen bei einer Fehlgeburt 33,1 Jahre: 33,4 Jahre sind es bei den Inländerinnen und 32,2 bei den Ausländerinnen. Die spontane Abbruchziffer von ausländischen Frauen ist mehr als doppelt so hoch wie bei den Frauen mit italienischer Staatsbürgerschaft (9,1 Promille gegenüber 4,5 Promille).

Fehlgeburten meist innerhalb der ersten 10 Wochen

Auch im Jahr 2019 bestätigt sich, dass Fehlgeburten meist in den ersten Schwangerschaftswochen auftreten: 65,9% der Fehlgeburten treten bereits in den ersten zehn Schwangerschaftswochen auf. Die mittlere Zahl der Schwangerschaftswochen vor einer Fehlgeburt hält sich konstant bei 10,1 Wochen.


Der auf die Fehlgeburt folgende Eingriff machte in 88,5Prozent der Fälle einen eintägigen Krankenhausaufenthalt erforderlich. Bei 77,5 Prozent der Fehlgeburten wird eine Auskratzung durchgeführt. Hoch bleibt auch der Anteil der Frauen, bei denen der Eingriff unter Vollnarkose durchgeführt wird (93,8 Prozent).

Freiwillige Abbrüche

Im Jahr 2019 wurden in den Gesundheitseinrichtungen Südtirols 517 freiwillige Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt. Das entspricht einer Abnahme von 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mehr als neun von zehn der betroffenen Frauen sind im Land ansässig. Die Abbruchziffer, ein verlässlicher Indikator, um die Entwicklung des Phänomens korrekt zu bewerten, beträgt im Bezugsjahr 4,5 je 1.000 Frauen im gebärfähigen Alter (15-49 Jahre). Diese ist im Vergleich zum Jahr 1980, als dieser Wert noch bei 7,1 lag, deutlich zurückgegangen. Die Abbruchsziffer auf nationaler Ebene beträgt 6,2 (Quelle: Gesundheitsministerium 2017, letzte verfügbare Daten).

Fast 4 von 10 betroffenen Frauen sind Ausländerinnen

Obwohl die Abbruchziffer unter ausländischen Frauen in allen Altersgruppen immer noch höher ist als bei Inländerinnen, hat sich die erhebliche Zunahme der letzten Zeit stabilisiert. Im Jahr 2019 entfallen 38,7 Prozent aller freiwilligen Schwangerschaftsabbrüche auf ausländische Frauen, 2001 waren es 17,4 Prozent. Die Abbruchziffer der Ausländerinnen ist vier Mal so hoch wie jene der Inländerinnen (12,7 gegenüber 3,2 Abbrüche je 1.000 Frauen im gebärfähigen Alter).


Mehrzahl der abtreibenden Frauen ist ledig

Die Frauen, die in Südtirol eine gesetzlich erlaubte Abtreibung vornehmen lassen, sind größtenteils ledig (61,7Prozent). 32,7 Prozent sind verheiratet und 5,6 Prozent getrennt, geschieden oder verwitwet.

Im Jahr 2019 sind 40 Prozent der Frauen zum Zeitpunkt des freiwilligen Schwangerschaftsabbruchs kinderlos, 21,3 Prozent haben bereits ein Kind und 38,6 Prozent mehr als eines. 24,6 Prozent geben an, vorher bereits mindestens einmal eine Schwangerschaft abgebrochen zu haben, und 17,4 Prozent hatten zuvor mindestens eine Fehlgeburt.

Der Anteil der Schwangerschaftsabbrüche bei Ausländerinnen, die schon einmal abgetrieben haben, liegt bei 34 Prozent gegenüber 18,6 Prozent der Inländerinnen.

Mehr als eine von 10 Frauen ist jünger als 20 Jahre

Eine Auswertung der Daten nach Altersklassen ergibt,
dass Frauen im Alter zwischen 25 und 34 Jahren am häufigsten einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen (42,7%). 10,1% der betroffenen Frauen sind mindestens 40 Jahre alt. Der Anteil der unter 20-Jährigen macht 10,4% aus.

Im Jahr 2019 beträgt das Durchschnittsalter der Frauen mit italienischer Staatsbürgerschaft zum Zeitpunkt des Schwangerschaftsabbruchs 29,5 Jahre und 30,2 Jahre für Frauen mit ausländischer Staatsbürgerschaft.

Abbruch meist um die 10. Schwangerschaftswoche

28,2 Prozent der freiwilligen Schwangerschaftsabbrüche werden innerhalb der achten Schwangerschaftswoche vorgenommen, 44,3 Prozent zwischen der neunten und zehnten Woche.

7,4 Prozent der Fälle betreffen Abbrüche nach der zwölften
Schwangerschaftswoche infolge eines pathologischen
Befundes bei den Vorsorgeuntersuchungen von Mutter bzw. Kind.

Wer führt den Abbruch durch?

Aus einer Betrachtung der Wartezeiten geht hervor,
dass 65,9 Prozent der Schwangerschaftsabbrüche innerhalb
von 14 Tagen nach Ausstellung der ärztlichen Bewilligung durchgeführt werden; in 92,6 Prozent der Fälle verstreichen nicht mehr als drei Wochen.

In den allermeisten Fällen wird die ärztliche Bewilligung für den Schwangerschaftsabbruch vom gynäkologischen Dienst, der den Eingriff durchführt, erteilt (95,2 Prozent). Es folgen mit großem Abstand der Vertrauensarzt (3,1 Prozent) und die Familienberatungsstelle (1,7 Prozent).

Die Dauer des Krankenhausaufenthaltes beträgt bei
90,3 Prozent der freiwilligen Schwangerschaftsabbrüche weniger als 24 Stunden. Die Absaugung ist nach wie vor
die am häufigsten angewandte Methode (68,9 Prozent). In
93 Prozent der Fälle wird der Eingriff unter Vollnarkose
durchgeführt.

Die pharmakologische Schwangerschaftsunterbrechung, welche durch Verabreichung der beiden Wirkstoffe Mifepriston (RU486) und Prostaglandin erfolgt, wird nur in 1,4% der Fälle angewandt.

Aus dem Monitoring des Jahres 2019 über das Personal, das Schwangerschaftsabbrüche aus Gewissensgründen verweigert, geht hervor, dass 82,4 Prozent der Gynäkologen, die in Südtiroler öffentlichen Krankenhäusern und Privatkliniken arbeiten, keine Abtreibungen vornehmen. Italienweit liegt der Anteil der Verweigerer insgesamt bei 68,4% (2017, letzte verfügbare Daten).



stol