Italienischsprachige Bankkunden tappen öfter in Phishing-Betrugsfallen als deutschsprachige: Das ist eines der Ergebnisse einer Studie der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Freien Universität Bozen, um das Profil potenzieller Phishing-Opfer zu ermitteln. <h3> Größte Bedrohung für Bankensektor</h3>Internetkriminalität gilt mittlerweile als größte Bedrohung für den Bankensektor. Phishing ist ein auf elektronischem Weg durchgeführter Betrugsversuch, bei dem sich Kriminelle über E-Mail, SMS oder per Telefon als vertrauenswürdige Organisationen wie Banken ausgeben und so versuchen, an Passwörter oder personenbezogene Daten zu gelangen. <BR /><BR />Banken investieren viel in Schutzmaßnahmen, um solche Angriffe zu verhindern, doch die Vorfälle nehmen weiter zu. Täglich werden weltweit schätzungsweise 3,4 Milliarden Phishing-E-Mails verschickt. <BR /><BR />Laut Studien der Uni Bozen zu diesem Thema stieg die Zahl der Phishing-Angriffe im Jahr 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 47,2 Prozent. 84 Prozent der befragten Organisationen verzeichneten im Laufe des Jahres mindestens einen Phishing-Angriff, wobei die finanziellen Verluste im Vergleich zum Vorjahr um 76 Prozent anstiegen.<h3> Daten von rund 150.000 Bankkunden analysiert </h3>Die Professoren Alessandro Fedele und Mirco Tonin sowie der Forscher Matteo Valerio von der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften haben nun in der Fachzeitschrift Economics Letters eine Studie zum Thema veröffentlicht. Die Forschung basiert auf Daten einer im Nordosten Italiens tätigen Bank und bezieht sich auf tatsächliche Betrugsfälle. <BR /><BR />Die Forscher analysierten Daten von fast 150.000 Bankkunden in den Jahren 2022 und 2023. Die typischen Phishing-Angriffe basieren auf dem Versand einer SMS mit der Warnung vor unautorisierten Aktivitäten, die die Opfer auf eine gefälschte Login-Seite umleitet. Die Kriminellen umgehen die Multi-Faktor-Authentifizierung, indem sie sich als Mitarbeitende des Bankkundenservices ausgeben und die Kunden direkt kontaktieren. <BR /><BR />Die gute Nachricht: Dank Betrugsprävention im Zahlungsverkehr können Banken häufig ungewöhnliche Überweisungen stoppen, auch wenn diese bereits genehmigt wurden. <BR /><BR />Die im Rahmen der Studie ausgewerteten Daten zeigen, dass Kunden, die auf Italienisch mit der Bank kommunizieren, anfälliger für Betrug sind als deutschsprachige. Dies könnte daran liegen, dass die Phishing-Nachrichten auf Italienisch verfasst sind. Wer für die Kommunikation mit der Bank die deutsche Sprache gewählt hat, ist möglicherweise von vornherein misstrauischer beim Erhalt einer SMS auf Italienisch. <h3> Jüngere Menschen tappen öfter in die Falle </h3>Eine weitere Erkenntnis der Studie ist, dass jüngere Menschen häufiger Betrügereien zum Opfer fallen als ältere. Dies deutet darauf hin, dass jüngeren Generationen mit mehr Online-Banking-Erfahrung möglicherweise unvorsichtiger sind. Demnach müsse „auch der jüngeren Generation mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden“, so die Autoren. <BR /><BR />Die Studie enthält wichtige Erkenntnisse zur Prävention solcher Betrugsfälle. „Mit diesem Wissen können Finanzinstitute und Aufsichtsbehörden ihre Aufklärungskampagnen über die Risiken von Phishing-Angriffen gezielter ausrichten“, erklären die Autoren.