Donnerstag, 29. September 2016

"Wer wenn nicht der Arzt weiß, was gut für den Patienten ist?"

Inwieweit muss der Arzt die Wünsche des Patienten respektieren? Und ab wann sollte der Arzt auf seine Vorschläge bestehen? Am Mittwoch wurden diese und ähnliche Fragen bei einer Tagung in Bozen zur „Angemessenheit in der Gesundheitsversorgung zwischen Patientenwohl und Wirtschaftlichkeit“ erörtert.

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Foto: © shutterstock

„Die Möglichkeiten in der Medizin sind unendlich geworden. Die Frage ist, was ist das Richtige für den einzelnen Patienten“, so Gesundheitslandesrätin Martha Stocker bei der Tagung, auf der sie gemeinsam mit Prof. Georg Marckmann, Arzt und Leiter des Instituts für Ethik, Theorie und Geschichte der Medizin an der LMU München und Dr. Herbert Heidegger, Präsident des Landesethikkomitees, referierte. 

Kosten-Nutzungs-Verhältnis ist wichtig

Für Primar Heidegger müsse ein Arzt angesichts der Krankheit immer im Auge haben, welchen Vorteil der Patient aus einer Behandlung ziehe. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis sei wichtig. „Ärzte müssen vermehrt die Verantwortung übernehmen und diese Entscheidung treffen. Aber die Ärzte müssen das erst lernen, an der Uni haben sie das nicht gelernt. Diese Kosten-Nutzen-Diskussion ist zu führen“, so Dr. Heidegger – auch bei den Screenings.

Vor allem die Versorgung von onkologischen Patienten werde zu einer finanziellen Herausforderung fürs Gesundheitssystem. „Chemo- und Antikörpertherapien sind wertvoller als Gold“, zitierte Dr. Heidegger die Titelgeschichte „Time“.

3 Lösungsvarianten

„Wer, wenn nicht der Arzt weiß, was gut für den Patienten ist?“, so Prof. Marckmann, der sich sicher ist: „Die Kombination zwischen dem medizinischen Fachwissen des Arztes und den Wünschen des Patienten führt zu einer idealen Behandlung.“

Für Prof. Marckmann gibt es 3 Lösungsvarianten: mehr ausgeben (wobei das Geld dann bei Bildung, Infrastrukturen usw. fehle), eine Rationalisierung (Begrenzung der Leistungen vonseiten der öffentlichen Hand) oder eine Diskussion über die Angemessenheit in der Versorgung. „Denn es ist nicht so, dass mit immer mehr auch immer das Richtige getan wird“, so Marckmann. Fehl-, Über- oder Unterversorgung müssten vermieden werden.

Zuviele stationäre Aufnahmen, zuviele Operationen usw. In Südtirol sei das „System Schael“ kritisiert worden. „Korrekturen können nicht von der Verwaltung entschieden werden, sondern nur im Dialog mit den Ärzten. Je mehr diese Verantwortung übernehmen, umso weniger braucht es Regulierung. Ohne Dialog wird es zum Diktat der Wirtschaft“, so Prof. Marckmann.

lu/stol

stol