Verbraucherschutz- und Umweltorganisationen, Bio- und einige andere Bauernverbände sowie Hersteller von gentechnikfreien Lebensmitteln und gentechnikfreiem Saatgut blicken mit großer Sorge auf die nächste Plenarsitzung des Europäischen Parlaments. <BR /><BR />In der Session vom 18. bis 21. Mai 2026 wird nämlich die neue Verordnung „über mit bestimmten neuen genomischen Techniken gewonnene Pflanzen und die aus ihnen gewonnenen Lebens- und Futtermittel“ auf der Tagesordnung stehen. <h3> Vollständige Deregulierung der NGT-Pflanzen Kategorie 1</h3>Die Verordnung, deren Inhalt schon seit 2023 diskutiert und verhandelt wird, sieht eine vollständige Deregulierung der so genannten NGT-Pflanzen der Kategorie 1 (NGT = New Genomic Techniques, neue gentechnische Verfahren) vor: für diese Pflanzen und die aus ihnen gewonnenen Lebens- und Futtermittel werden weder ein Zulassungsverfahren noch eine Risikoprüfung noch eine Kennzeichnung am Endprodukt erforderlich sein – im Unterschied zu Lebens- und Futtermitteln aus „alter“ Gentechnik und unter Missachtung des Vorsorgeprinzips.<BR /><BR />Umfragen der letzten Jahre belegen, dass eine überwältigende Mehrheit der EU-Bürger und Bürgerinnen der Gentechnik in der Landwirtschaft generell und auch der Neuen Gentechnik gegenüber sehr skeptisch eingestellt ist und Gentechnik auf Acker und Teller ablehnt. Etliche Unternehmen aus dem Lebensmitteleinzelhandel haben ebenfalls Stellung bezogen und sich gegen die Deregulierung von Lebensmitteln aus NGT und vielmehr für Transparenz, verpflichtende Kennzeichnung und Wahlfreiheit für die Verbraucher und Verbraucherinnen ausgesprochen.<h3> Umweltorganisationen fordern Prüfung der Umweltrisiken</h3>Während die Entscheidung des Europäischen Parlaments noch aussteht, werden außerhalb der EU bereits Fakten geschaffen. In Großbritannien, bekanntlich nicht mehr Mitglied der EU, wurde im März 2026 die erste Notifizierung in Europa für den kommerziellen Anbau einer NGT-Pflanze eingereicht. Demnach will ein britisches Forschungsinstitut eine „fette Gerste“ (fat barley) anbauen. <BR /><BR />Bei dieser Züchtung hat man mittels der Gen-Schere CRISPR/Cas die Funktion von bestimmten Genen blockiert, wodurch die Gerstenkörner und anderen Pflanzenteile einen höheren Ölgehalt aufweisen. Als Bestandteil in Futtermitteln soll die fette Gerste die Nutztierproduktion steigern. Umweltorganisationen fordern eine Prüfung der Umweltrisiken, da sie unerwünschte Nebenwirkungen wie ein vermindertes Pflanzenwachstum, eine höhere Stressanfälligkeit und Auswirkungen auf Insekten befürchten.<BR /><BR />Das Schweizerische Bundesamt für Umwelt (BAFU) gibt jährlich einen Bericht über NGT-Pflanzen, die bereits kommerziell angebaut werden bzw. kurz davor stehen, in Auftrag. Laut dem letzten Bericht vom Januar 2026 werden in den USA zwei herbizidtolerante und insektenresistente NGT-Maispflanzen (beide vom Saatgutriesen Corteva entwickelt) und in Japan die blutdruckwirksame „GABA-Tomate“ kommerziell angebaut.<h3> Kein Fokus aus „klimafittere“ Pflanzen</h3> Weitere 89 NGT-Pflanzen sind in Entwicklung, davon sollen 15 Pflanzen kurz vor der Kommerzialisierung stehen. Der Bericht nennt manipulierten Mais, Soja, Reis, Hirse, Senf, Pfeffer, Kartoffel, Alfalfa, Mandel, Banane, Orange und Wassermelone. <BR /><BR />„Ganz offensichtlich geht es nur bei sehr wenigen dieser Entwicklungen um „klimafittere“ Pflanzen und Eigenschaften wie Dürretoleranz – anders als von den Befürworten der neuen gentechnischen Verfahren immer wieder vollmundig angekündigt“, merkt Silke Raffeiner, die Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Südtirol, an. „Im Fokus stehen dagegen Eigenschaften wie höherer Ertrag, bessere Anbaueigenschaften, veränderter Nährwert, veränderter Geschmack und Resistenzen gegenüber Herbiziden, Schädlingen sowie Krankheiten.“ <BR /><BR /> <a href="https://www.consumer.bz.it/sites/default/files/2024-05/Gemeinsames%20Positionspapier%20NGT%2020240530.pdf" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Die Verbraucherzentrale Südtirol, Bioland Südtirol und der Dachverband für Natur- und Umweltschutz haben sich von Beginn an klar gegen die Deregulierung von NGT-Pflanzen und für die Beibehaltung des Vorsorgeprinzips, für Risikoprüfung, Rückverfolgbarkeit, Transparenz, verpflichtende Kennzeichnung, Wahlfreiheit und den Schutz der gentechnikfreien Landwirtschaft ausgesprochen.</a>