Montag, 22. März 2021

Weltwassertag: Wert der Ressource Wasser in Erinnerung rufen

Der „World Water Day“ am 22. März soll den Wert der lebensermöglichenden Ressource Wasser in Erinnerung rufen. Bis 2030 will die UNO laut ihren Nachhaltigkeitszielen allen Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser garantieren. Auch Südtiroler Organisationen rufen die Bürger auf, mit diesem wertvollen Gut mit Respekt und Umsicht umzugehen.

Am 22. März wird der Internationale Tag des Wassers gefeiert.
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Am 22. März wird der Internationale Tag des Wassers gefeiert. - Foto: © shutterstock
Das Thema des Weltwassertags 2021 ist die Wertschätzung des Wassers für Haushalte, Ernährung, Kultur, Gesundheit, Bildung, Wirtschaft und Umwelt. „Wenn wir einen dieser Werte übersehen, besteht die Gefahr, dass diese endliche, unersetzbare Ressource schlecht verwaltet wird“, schrieb die Unterorganisation UN-Water auf ihrer Webseite zum diesjährigen Motto „Valuing Water“.

Ohne das umfassende Verständnis des vielschichtigen Werts von Wasser würden wir diese wichtige Ressource nicht zum Nutzen aller schützen. Die 17 Nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) wurden von der UNO-Vollversammlung 2015 beschlossen. Unter Punkt 6 heißt es „Verfügbarkeit und nachhaltiges Management von Wasser und sanitären Einrichtungen sowie Abwassersystemen sichern“.

Erst Mitte März zeigte eine im Fachblatt „Nature Geoscience“ publizierte Studie die Folge des Wassermangels in Form von Ernteausfällen, vertrockneter Wälder und trockenfallende Flüsse als Beispiele für die Auswirkungen von Hitzewellen, mit denen Europa in den vergangenen Jahren immer wieder konfrontiert war. Die Autoren kamen dabei zu dem Schluss, dass die Sommerdürren in Europa seit dem Jahr 2015 weitaus gravierender als in den rund 2100 Jahren davor gewesen sind.

„Wasser, die Basis des Lebens“

Die Südtiroler Caritas zeigt in einer Pressemitteilung auf, dass viele Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und keine Sanitäranlagen haben. Dem wirke die Caritas mit Hilfe privater Spenden und öffentlicher Beiträge der Autonomen Provinz Bozen und der Autonomen Region Trentino-Südtirol seit Jahren entgegen. Unter anderem konnten zahlreiche Projekte in Bolivien, Äthiopien, Kenia, Kamerun und Kongo unterstützt werden.

„Durch unsere langjährige Partnerschaft mit Ländern des Südens erkennen wir das Wasser als das an, was es ist: ein unverzichtbarer Baustein für Gesundheit, Nahrung und Entwicklung. Nur wer Wasser hat, hat eine Chance auf ein würdiges Leben“, erläutert Fabio Molon, Leiter der Dienststelle Globale Verantwortung.

Die Kampagne MahlZeit ruft die Südtiroler Bevölkerung, aber auch die Wirtschaftstreibenden und die Politik dazu auf, noch viel besser als in der Vergangenheit auf unsere natürlichen Wasserressourcen aufzupassen. Besonders viel Wasser brauche die Sternehotellerie, wird in der Presseaussendung geschrieben. Der Aufruf der Kampagne ist deshalb der, dass im Rahmen einer zukunftsfähigen Entwicklung Südtirols ein nachhaltiges Wassermanagement in sämtlichen Wirtschaftsbereichen mitgedacht werden müsse.

Hotellerie: Je mehr Sterne, desto mehr Wasser


522 Liter Wasser (ver)braucht jeder Gast pro Tag in einem 5 Sterne Hotel. „Nur“ 308 sind es bei 4 Sternenhäusern. Wenn wir von Mai bis Oktober rund 21 Millionen Übernachtungen zählen (Quelle IDM) und pro Gast und Tag im Schnitt auch nur 250 Liter Wasser rechnen, dann hat der Tourismus allein in der Sommersaison 2019 stolze 5,25 Milliarden Liter Wasser verbraucht.

Gerade im Hinblick auf den Klimawandel müssen wir uns aber ernsthaft Gedanken darüber machen, ob diese Ressource überhaupt noch im bisherigen Ausmaß zur Verfügung steht und wenn nicht - wer dann das „Privileg auf Wasser“ haben wird. Der Wert des Wassers geht nämlich weit über den finanziellen Gesichtspunkt hinaus und umfasst auch den ökologischen, sozialen sowie kulturellen Wert.

Dass Wasser eine begrenzte Ressource ist, geht auch aus dem Weltwasserbericht der UN 2020 hervor: „Der Klimawandel führt zu weniger Wasser und schlechterer Wasserqualität. Im Gegenzug wirkt nachhaltiges Wassermanagement dem Klimawandel positiv entgegen.

Sämtliche Lebensbereiche sind davon abhängig, dass ausreichend sicheres Wasser verfügbar ist: Ernährung, Gesundheit, Haushalte, Energie, Industrie und Ökosysteme. Der Klimawandel verändert den Wasserkreislauf und führt zu großen Herausforderungen in all diesen Lebensbereichen. Insbesondere der Zugang zu sicherem Trinkwasser und sanitären Anlagen – ein Menschenrecht – ist für Milliarden Menschen zusätzlich gefährdet“.

Und unter Punkt 6 der UN-Klimaziele heißt es auf der Seite des „Südtiroler Netzwerkes für Nachhaltigkeit“: „In Italien ist der Wassermangel eine nationale Problematik: Im Sommer 2017 haben 10 Regionen den Katastrophenzustand deklariert“.

MahlZeit ruft daher auf, im Rahmen einer zukunftsfähigen Entwicklung Südtirols ein nachhaltiges Wassermanagement in allen Wirtschaftsbereichen mitzudenken.

Brunnen zum Leben

Die Trinkwasserversorgung für Menschen zu schaffen, die noch keinen Zugang dazu haben, ist eines der Hauptziele der Meraner Missionsgruppe „ein Brunnen zum Leben“. Hunderte von Brunnenbohrungen und die Anlage von Speicherbecken für die Bewässerung sind in den nunmehr 50 Jahren der Tätigkeit der Meraner Missionsgruppe und ihres Gründers, Alpidio Balbo, geschaffen worden.

Die Dörfer mit Wasser zu versorgen, in denen noch keines zur Verfügung steht, ist auch ein Mittel, um die Corona-Pandemie zu bekämpfen, denn ohne Wasser ist es nicht möglich, die einfachsten Hygienemaßnahmen wie häufiges Händewaschen und die Reinigung der Räume vorzunehmen, schreibt die Missionsgruppe. Im Jahr 2021 werden weitere 8 Brunnenbohrungen durchgeführt, und zwar im Süden und Norden des Benin.

Die Arbeiten der Meraner Missionsgruppe zur Erschließung neuer Wasserquellen werden teils von öffentlichen Einrichtungen wie der Autonomen Provinz Bozen, teils durch die Unterstützung zahlreicher Wohltäter ermöglicht.

Bozen: Leitungswasser unterwegs genießen

Anlässlich des Weltwassertags lädt die Gemeinde Bozen, auf Initiative des Stadtviertelrats Zentrum-Bozner Boden-Rentsch und in Kooperation mit der SEAB AG, die Bürger dazu auf, Leitungswasser auch unterwegs zu genießen und dieses wertvolle Gut mit Respekt zu behandeln. Der Stadtplan mit der genauen Position aller Trinkbrunnen ist jetzt auch in der App „Junker“ verfügbar.

Um die Bozner für die hohe Qualität ihres Trinkwassers zu sensibilisieren, wird zusätzlich eine Informationskampagne gestartet: „Mit unserer gemeinsamen Aktion möchten wir den Bürgern den außerordentlichen Wert und die Hohe Qualität ihres Trinkwassers näher bringen und sie dazu einladen, dieses wertvolle Gut jederzeit und mit Stolz zu genießen“, erklärt Robert Auer, Mitglied des Stadtviertelrats Zentrum-Bozner Boden-Rentsch.

Die Informationskampagne sehe vor, dass jeden 22. des Monats das Thema „Bozner Wasser“ aus einem anderen Blickwinkel beleuchtet wird. Am heutigen 22. März wird mit den grundlegenden Informationen zur Herkunft, zum Verbrauch und zu den Kontrollen des Bozner Wassers begonnen. In den nächsten Monaten werden die gesundheitlichen Aspekte, die Vorteile sowie das Wassersparen behandelt.

Nutzungen optimieren heißt auch Schäden zu minimieren

Der Verein Fish First macht in einer Aussendung darauf aufmerksam, unter welchem Druck unsere Gewässer stehen. „Sie sollen Wasser liefern für die Bewässerung und die Stromproduktion. Gleichzeitig sollen sie attraktive Naherholungsräume sein, aber dennoch naturbelassen, wild und authentisch. Ein vielfältiger Lebensraum für Fauna und Flora, aber bitte sicher vor Hochwasser und Überschwemmungen, obwohl wir ihnen dafür bereits in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten den nötigen Platz genommen haben. Es braucht ein neues Verständnis und eine echte Balance aller Nutzungen, wenn wir unsere lebendigen Gewässer erhalten wollen“, heißt es in der Aussendung.

Der Wert eines Gewässers ist weit mehr als die Summe seiner Nutzungen

Wasser ist das Lebenselixier schlechthin. Es ist die Grundlage allen Lebens und damit von fundamentaler Bedeutung. „Unser Umgang mit unseren Gewässern spiegelt diesen absoluten Wert leider nur selten wider. Eine legitime Nutzung des Wassers darf aber nicht nur die eigenen Interessen maximieren, sondern muss auch darauf bedacht sein, den eigenen Schaden so gering wie irgend möglich zu halten“, so der Verein.

Das Spektrum der negativen Auswirkungen unserer (Über-)Nutzung reicht dabei von Schwall-Sunk und Stauraumspülungen im hydroelektrischen Bereich, übermäßige Ausleitungen (Stichwort: Frostberegnung) im landwirtschaftlichen Bereich bis hin zur Vermüllung der Gewässer.

Sicherheit ist wichtig – ein Lebensraum auch

Ein aktuelles Beispiel für diesen Zielkonflikt ist die geplante Aufschüttung am Reschenstausee zur Verlegung und Sicherung der Vinschger Staatsstraße im Bereich des Reschensees. Der See soll dazu auf einer Länge von über einem Kilometer bis zu 100 Meter breit aufgeschüttet werden.

Aktuell präsentiert sich der Reschensee als künstlich gestautes Gewässer ist. Doch der derzeitige Stausee entstand an der Stelle zweier natürlicher Seen, und beherbergt somit einen natürlichen ursprünglichen Fischbestand. Der Fischbestand des Reschensees ist zudem der älteste historisch erwähnte und beschriebene Fischbestand Südtirols mit Aufzeichnungen, die ins Jahr 1504 zurück reichen. Der See beheimatet einige einzigartige und geschützte Fischarten.

Durch das geplante Vorhaben muss der See über längere Perioden abgestaut und auf einem minimalen Pegel gehalten werden. Die Folgen werden für die Fischfauna katastrophal sein. Ohne geeignete Maßnahmen im Vorfeld verenden sie entweder an den Gittern bzw. in den Turbinen des Kraftwerks oder stranden in den Mulden der großen trockenfallenden Bereiche und ersticken dort im trocknenden Schlamm.

„Unabdingbar bei diesem Projekt sind geeignete Schutzmaßnahmen, die bereits in der Projektphase von behördlicher Seite vorgeschrieben und von fachlich kompetenten Akteuren geplant und umgesetzt werden, bevor der Schaden entsteht“, heißt es in der Aussendung weiter. Die Summe der verschiedenen Nutzungen zu optimieren und damit den Schaden zu minimieren, sei auch bei diesem Projekt möglich.

Auch der Südtiroler Fischereiverband hat zum Weltwassertag einige Gedanken geäußert.

apa/stol