Freitag, 03. August 2018

West-Nil-Fieber: Südtirol ist gerüstet

Noch ist Südtirol West-Nil-Virus-freie Zone. „Aber ein infizierter Vogel oder Pferd reichen, um das Virus nach Südtirol einzuschleppen. In diesem Fall sind in den Städten und großen Gemeinden die Protokolle zur flächendeckenden Bekämpfung der Mücken sofort startklar“, sagt Alberta Stenico, Direktorin des Biologischen Landeslabors.

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Foto: © shutterstock

Laut gesamtstaatlichem Überwachungsplan gegen das West-Nil-Virus gelten bereits die an das Trentino angrenzenden Provinzen Brescia, Verona und Vicenza als endemisch. Das heißt, dass in einer begrenzten Region eine Krankheit gehäuft auftritt.

Aber die Ausbreitung des West-Nil-Fiebers erfolge nicht nur Landstrich um Landstrich, soweit eben eine infizierte Mücke fliegen könne. „Es genügt, dass ein infiziertes Pferd oder ein kranker Vogel hierher kommt nach Südtirol und von einer Gemeinen Stechmücke gestochen wird, dann wird die Krankheit weitergegeben“, sagt Amtsdirektorin Stenico.

Im Ernstfall Entseuchung der Grünanlagen

Zumal das West-Nil-Fieber eine meldepflichtige Tierkrankheit ist, werden laut Amtsdirektorin Stenico beim Auftreten einer Infektion bei Tier oder Mensch „von Fachleuten gemeinsam mit der betroffenen Gemeinde und dem Sanitätsbetrieb im jeweiligen Gemeindegebiet sofort alle Mücken getötet“. Hier gebe es – und nicht nur gegen das West-Nil-Virus, sondern auch gegen andere von Mücken übertragbare Krankheiten – genaue Einsatzprotokolle. „Und diese sind jederzeit startklar“, sagt die Chefin des Biologischen Landeslabors. Im Ernstfall starte die Entseuchung der Grünanlagen, Sträucher, Bäume usw. mit Adultiziden – sprich Vertilgungsmittel gegen erwachsene Mücken. „Solche Protokolle gibt es für alle Städte und großen Gemeinden. Wichtig ist, dass in diesem Fall nicht Eigeninitiativen auf dem eigenen Balkon oder Garten gestartet werden“, betont die Amtsdirektorin.

Stenico erinnert in diesem Zusammenhang erneut daran, wie wichtig Prävention in der Bekämpfung der Mücken sei. Das heißt, dass Wasseransammlungen, die zur Larvenentwicklung nötig sind, vermieden werden sollen. „Besonders bei der Tigermücke hat diese Prävention für die Menschen spürbare Vorteile“, sagt Stenico.

Mindestens 167 Pferde auf Virus untersuchen

Auf das West-Nil-Virus hat auch der Landestierärztliche Dienst ein wachsames Auge – genauer gesagt auf Pferd und Vogel. Ernst Stifter, stellvertretender Landestierarzt, hat erst vergangene Woche in einem Rundschreiben an Amts- und Betriebstierärzte sowie Viehzuchtverbände usw. mitgeteilt, dass im Rahmen des gesamtstaatlichen Überwachungsplans zum West-Nil-Virus bis Oktober flächendeckend in Südtirol mindestens 167 Proben von Equiden – sprich Pferden und Eseln – genommen werden müssen. Diese müssen dann ans Versuchsinstitut für Tierseuchenbekämpfung geschickt werden. „Bei klinischen Verdachtsfällen muss hingegen sofort der Amtstierarzt des Sanitätsbetriebs in Kenntnis gesetzt werden“, sagt Dr. Stifter.

Südtirol hatte noch keinen Fall, „aber im restlichen Italien ist das West-Nil-Virus ein Problem. Daher wird alljährlich mittels Überwachungsplan das Gebiet monitoriert. Zwischen 2008 und 2017 wurden italienweit 247 West-Nil-Krankheitsfälle bei Menschen diagnostiziert sowie 1426 Infektionen bei Equiden festgestellt“, sagt Stifter.

Ein Auge wird aber auch auf tote Vögel geworfen, die bekanntlich der Wirt des West-Nil-Virus sind. „Werden tote Sperlinge, Stelzvögel, Möwen, Greifvögel oder Eulen gefunden, so sind sie ebenfalls an das Versuchsinstitut für Tierseuchenbekämpfung zu senden“, so der Landesveterinär-Stellvertreter.

lu

stol