Donnerstag, 02. August 2018

West-Nil-Virus: 19 Infektionen in Nordostitalien

Die Nachricht hat aufgeschreckt. In Jesolo und Caorle, sehr beliebte Meeresurlaubsorte der Südtiroler, sind in den vergangenen Tagen Fälle von Infektionen mit dem West-Nil-Virus aufgetreten. Überträgerin ist die Gemeine Stechmücke.

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Foto: © LPA

In Verona und Ferrara starben gar 2 ältere Männer. Dr. Elke Maria Erne, Chefärztin der Abteilung für Infektionskrankheiten am Bozner Spital, rät zu Vorbeugung. „Und sollte jemand nach dem Urlaub Fieber bekommen, bitte sofort zum Hausarzt.“ 

Erst am Mittwoch ist in einem Krankenhaus im Veroneser Raum ein 86-jähriger Mann nach einer Infektion mit dem West-Nil-Virus gestorben, vergangene Woche hatte ein 77-Jähriger mit einer chronischen Herzkrankheit aus Ferrara die Ansteckung mit dem Virus nicht überlebt. Insgesamt wurden bis dato in den Provinzen Rovigo, Treviso, Verona und Venetien 19 Fälle von West-Nil-Infektionen nachgewiesen.

Sollten Herr und Frau Südtiroler einen Meeresurlaub in diesen Gebieten überdenken? „Nein, überhaupt nicht. Panikmache ist nicht angebracht, denn beim allergrößten Teil der Menschen, die von einer infizierten Mücke gestochen werden, treten überhaupt keine Symptome auf. Bei rund 20 Prozent äußert sich eine Infektion mit grippeähnlichen Symptomen mit Fieber bis zu 39 Grad, Gliederschmerzen und Müdigkeit. Das wichtigste Symptom ist das Fieber“, sagt Dr. Elke Maria Erne, Primaria der Abteilung für Infektionskrankheiten im Bozner Spital.

Vor allem für Kinder stelle eine Infektion kein Problem dar. Gefährlich werden könne eine derartige Virusinfektion für ältere Menschen, chronisch Kranke und Tumorpatienten, unterstreicht die Chefärztin. „Aber schwere Krankheitsverläufe nach einer West-Nil-Virus-Infektion machen weniger als einen Prozent der Fälle aus“, sagt Dr. Erne.

Übertragen wird das Virus hauptsächlich von der Gemeinen Stechmücke (Culex pipiens), die ab Dämmerung aktiv wird. „Die Tigermücke ist bei dieser Krankheit sekundär“, weiß Dr. Erne. Wirt des Virus sind die Vögel. „Sticht eine Mücke einen infizierten Vogel und anschließend einen Menschen, überträgt sie das Virus. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich“, erklärt Dr. Erne.

AVIS: Vorsicht beim Blutspenden

Aber beim Blutspenden ist Vorsicht geboten. Die Südtiroler Blutspendervereinigung AVIS hatte jüngst auf die West-Nil-Virus-Infektionsherde an der nördlichen Adria aufmerksam gemacht. Zumal Blutspender, die dort Urlaub machen, aus Sicherheitsgründen 4 Wochen danach kein Blut spenden dürfen.

Ist Panikmache nicht angebracht, so ist es Vorbeugung sehr wohl. „Helle Kleidung tragen, wenn möglich mit langen Ärmeln. Wo vorhanden, Mückengitter und -netze nutzen und sich mit Anti-Mückenspray einsprühen. Werden natürliche ätherische Öle verwendet, dann bitte öfters einsetzen, denn deren Wirkung hält höchstens eine Stunde. Aber auch chemische Sprays müssten öfters als nur einmal am Tag aufgetragen werden“, sagt sie. Zudem seien Sumpfgebiete zu meiden.

Südtirol bisher ohne West-Nil-Virus-Fall

Bisher wurde in Südtirol noch nie das West-Nil-Virus nachgewiesen. „Hat jemand in infizierten Gebieten Urlaub gemacht und bekommt Fieber – die Inkubationszeit beträgt bis zu 2 Wochen – dann bitte zum Hausarzt gehen und darauf hinweisen, wo man im Urlaub war. Dann erfolgt die dringende Überweisung zu uns für eine Blutentnahme. Eine schnelle Diagnose ist wichtig, damit der mutmaßliche Infektionsherd vor Ort chemisch bekämpft werden kann“, sagt Dr. Erne.

Werden Mücken zunehmend zu einem Problem? „Ja, und zwar wegen der Klimaänderung. Mehr Wärme heißt mehr Mücken und mehr Mücken heißt, mehr Menschen können infiziert werden. 2017 hatten wir die ersten Virus-Fälle in Venetien Mitte August, heuer schon 3 Wochen früher. Und die infizierten Gebiete weiten sich aus und wandern Richtung Norden“, sagt Dr. Erne. Erreicht das Virus irgendwann Südtirol? „Das kann man nicht ausschließen. Ich hoffe nicht“, sagt die Chefin der Infektionsabteilung im Bozner Spital.

lu

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stol