Innerhalb nur einer Woche ist die Zahl der bestätigten Infektionen von 141 auf 226 Fälle gestiegen – ein Plus von rund 60 Prozent. Gleichzeitig wurden inzwischen sieben Todesfälle gemeldet. Das geht aus den aktuellen Überwachungsdaten des italienischen Nationalen Gesundheitsinstituts (ISS) hervor, die den Stand bis zum 12. August abbilden.<BR /><BR />Besonders aufmerksam verfolgt wird die Entwicklung in Venetien. Dort wurde am Sonntag der erste Todesfall des Jahres 2026 im Zusammenhang mit dem West-Nil-Virus gemeldet. Es handelt sich um einen 84-jährigen Mann aus der Provinz Padua, der bereits an Vorerkrankungen litt. Sein Gesundheitszustand soll sich infolge der Infektion zusätzlich verschlechtert haben.<h3> Virus breitet sich in immer mehr Gebieten aus</h3>Die aktuellen Zahlen zeigen nicht nur mehr Infektionen, sondern auch eine größere geografische Verbreitung. Nach Angaben des ISS wurde das West-Nil-Virus inzwischen in 55 Provinzen in 16 italienischen Regionen nachgewiesen.<BR /><BR />Damit ist Italien weiterhin das am stärksten betroffene Land Europas. Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) weist für 2026 auf eine besonders starke Viruszirkulation in Italien hin. Bis zum 5. August waren europaweit 245 lokal erworbene menschliche Fälle in sieben Ländern gemeldet worden, davon 139 in Italien.<BR /><BR />Die tatsächliche Zahl der Infektionen dürfte allerdings höher liegen. Denn eine West-Nil-Infektion verläuft sehr häufig ohne erkennbare Beschwerden und wird deshalb nicht in jedem Fall entdeckt.<h3> Die meisten Infektionen bleiben unbemerkt</h3>Von den 226 bis zum 12. August bestätigten Fällen entwickelten 102 Patienten eine neuroinvasive Form der Erkrankung. Weitere 86 Fälle wurden als West-Nil-Fieber mit Fieber erfasst. Bei 38 Menschen wurde das Virus ohne Symptome im Rahmen von Blutspenden entdeckt.<BR /><BR />Für die meisten Infizierten bleibt die Erkrankung vergleichsweise mild oder völlig unbemerkt. Treten Beschwerden auf, können Fieber, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen, Übelkeit oder Hautausschläge auftreten.<BR /><BR />Gefährlich wird das Virus vor allem dann, wenn es das zentrale Nervensystem befällt, also bei der oben genannten neuroinvasive Form. Dann können unter anderem starke Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Orientierungslosigkeit, Krampfanfälle, Muskelschwäche oder Lähmungen auftreten.<BR /><BR />Besonders gefährdet sind ältere und gesundheitlich vorbelastete Menschen.<h3> Die Mücke als Überträger</h3>Übertragen wird das Virus hauptsächlich durch infizierte Mücken der Gattung Culex. Das natürliche Reservoir bilden vor allem Wildvögel. Menschen und Pferde gelten dagegen als sogenannte Fehlwirte.<BR /><BR />Eine gewöhnliche Übertragung von Mensch zu Mensch findet nicht statt.<BR /><BR />Für die Verbreitung spielen die Wetterbedingungen eine wichtige Rolle. Hohe Temperaturen und längere warme Jahreszeiten können den Mücken mehr Zeit geben, sich zu vermehren und das Virus zu übertragen. Auch die europäische Gesundheitsüberwachung weist auf den Einfluss klimatischer und ökologischer Bedingungen auf die Verbreitung des Virus hin.<h3> Noch weniger Fälle als 2025 – aber die Saison ist längst nicht vorbei</h3>Trotz des aktuellen Anstiegs liegt Italien derzeit noch unter den Zahlen des vergangenen Jahres. Am 14. August 2025 waren bereits 275 Fälle registriert worden. Allerdings war die Zahl der Todesfälle damals deutlich höher.<BR /><BR />Der Vergleich ist deshalb nur eine Momentaufnahme. Die West-Nil-Saison erreicht ihren Höhepunkt normalerweise in den Sommermonaten, insbesondere zwischen Juli und September. Zudem werden Fälle mitunter zeitverzögert gemeldet und die offiziellen Zahlen können rückwirkend angepasst werden.<BR /><BR />Die Entwicklung der kommenden Wochen dürfte daher entscheidend sein.<h3> Was man beachten sollte</h3>Einen zugelassenen Impfstoff für Menschen gibt es derzeit nicht. Auch eine spezifische antivirale Therapie steht nicht zur Verfügung. Die wichtigste Schutzmaßnahme besteht deshalb darin, Mückenstiche zu vermeiden.<BR /><BR />Dazu gehören lange Kleidung, geeignete Mückenschutzmittel und möglichst der Schutz von Fenstern und Türen durch Insektengitter. Besonders wichtig ist außerdem, stehendes Wasser zu beseitigen – etwa in Untersetzern, Eimern oder anderen Gefäßen, in denen sich Mücken vermehren können.