Freitag, 10. Januar 2020

Westliche Länder glauben an Abschuss von Boeing durch Iran

Nach dem Absturz einer ukrainischen Passagiermaschine mit 176 Toten bei Teheran verdichten sich die Hinweise auf einen versehentlichen Raketenbeschuss durch den Iran.

Die Hinweise auf einen versehentlichen Abschuss verdichten sich laut der Informationen westlicher Regierungen.
Die Hinweise auf einen versehentlichen Abschuss verdichten sich laut der Informationen westlicher Regierungen. - Foto: © APA/afp / -

Die Regierungen in Kanada und Großbritannien haben nach eigenen Angaben Informationen, die auf den Abschuss durch eine iranische Rakete hinweisen. Der Iran dementierte und verlangte von Kanada, die Informationen herauszugeben.

Offiziell wird die Ursache für den Absturz weiter untersucht. Das Flugzeug mit 176 Menschen an Bord war am Mittwoch abgestürzt, kurz nachdem der Iran zwei von US-Soldaten genutzte Stützpunkte im Irak angegriffen hatte. Bei dem Absturz gab es keine Überlebenden.

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Der Iran will nun auch Fachleute unter anderem aus den USA in die Untersuchungen einbeziehen. Die Nationale Behörde für Transportsicherheit in Washington erklärte, dass sie sich an der Untersuchung beteilige.

Die Behörden im Iran hatten bereits kurz nach dem Absturz am Mittwoch von einem technischen Defekt gesprochen, ohne aber zu erklären, worauf sie sich dabei beriefen. Irans Präsident Hassan Rouhani forderte vom Verkehrsministerium und der Luftfahrtbehörde eine lückenlose Aufklärung. Eslami sagte, die Spekulationen über einen „verdächtigen“ Absturz und die Gerüchte über einen Abschuss der Boeing 737 oder über eine Terroroperation seien falsch.

Augenzeugen am Boden und an Bord eines zweiten Flugzeugs, das sich zu Beginn des Unglücks über der ukrainischen Boeing befand, berichteten laut der iranischen Zivilluftfahrt-Organisation (CAO) von einem Feuer an Bord der Unglücksmaschine, das an „Intensität zunahm“. Kurz nach Beginn des Brands sei die ukrainische Maschine abgedreht. Sie verschwand demnach bei einer Flughöhe von 8.000 Fuß (2.400 Metern) von den Radarschirmen, doch habe der Pilot keinen Notruf abgesetzt.

Der kanadische Premierminister Justin Trudeau sagte am Donnerstag, seine Regierung habe Informationen „von mehreren Quellen, von unseren Alliierten und eigene Informationen“. Die Beweise seien „sehr klar“. Der britische Regierungschef Boris Johnson sprach einer Mitteilung zufolge von einem „Korpus an Informationen“, der auf einen Abschuss durch eine iranische Rakete hinweise.

Auch US-Präsident Donald Trump heizte Mutmaßungen über die Absturzursache der Maschine an. „Ich habe meinen Verdacht“, sagte Trump am Donnerstag im Weißen Haus. „Ich will das nicht sagen, weil andere Menschen auch diesen Verdacht haben. Es ist eine tragische Angelegenheit.“ Trump sagte weiter: „Jemand könnte einen Fehler gemacht haben.“ Auf die Frage, ob die Maschine aus Versehen abgeschossen worden sein könnte, sagte er allerdings: „Das weiß ich wirklich nicht.“

Blackbox soll Klarheit geben

Der US-Sender CBS berichtete, US-Geheimdienste hätten Signale von einem Radar empfangen, das eingeschaltet worden sei. US-Satelliten hätten außerdem den Start von zwei Boden-Luft-Raketen kurz vor der Explosion des Flugzeugs entdeckt. CNN berichtete, der Theorie eines versehentlichen Abschusses durch den Iran lägen die Analyse von Satelliten-, Radar- und anderen elektronischen Daten zugrunde, die routinemäßig vom US-Militär und den Geheimdiensten gesammelt würden.

Die Ukraine hat bereits eigene Experten in den Iran geschickt. Der Leiter der iranischen Luftfahrtbehörde, Ali Abedsadeh, gab am Donnerstagabend im iranischen Fernsehen bekannt, dass der Iran auch Boeing-Fachleute aus den USA, Kanada und Frankreich an den Untersuchungen zur Absturzursache der ukrainischen Passagiermaschine bei Teheran beteilige.

Die Blackbox des Flugzeuges solle im Iran untersucht werden. Falls dies aber aus technischen Gründen nicht möglich sein sollte, wären auch Untersuchungen im Ausland denkbar. Es sollten alle technischen Möglichkeiten in Betracht gezogen werden, um die Absturzursache umgehend zu klären, sagte Abedsadeh. Die Vermutung, die Maschine sei von einem iranischen Raketenabwehrsystem getroffen worden, bezeichnete er als absurd.

AUA hat Flüge in den Teheran gestrichen

Das iranische Außenministerium verlangte von Kanada die Übergabe der Geheimdienstformationen. Die kanadische Regierung solle diese Informationen mit einer vom Iran eingesetzten Untersuchungskommission „teilen“, erklärte das Außenministerium in Teheran.

Aufgrund der Sicherheitslage in der Region hatte die AUA am Donnerstagabend ein Flugzeug auf dem Weg in die iranische Hauptstadt Teheran umkehren lassen. Auch der Flug von und nach Teheran am Freitag wurde gestrichen.

Im Konflikt zwischen den USA und dem Iran standen die Zeichen nach den gezielten Militärschlägen vorerst auf Entspannung. Die Lage am Persischen Golf war eskaliert, nachdem die USA den iranischen Top-General Qassem Soleimani Ende vergangener Woche in Bagdad gezielt getötet hatten. Der Iran hatte in der Nacht zum Mittwoch mit einem - angekündigten - Angriff auf zwei von den USA genutzte Militärbasen im Irak geantwortet. Danach hatten Trump und Irans Präsident Hassan Rouhani angekündigt, den Konflikt zunächst auf politischer Ebene führen zu wollen.

apa

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