Nur 27 Straßen in Bozen sind nach Frauen benannt, 121 nach Männern. Das Projekt „where we belong“ von Micol Piovesan macht die Geschichten hinter den Straßennamen sichtbar und zeigt, wie ungleich Frauen und Männer im öffentlichen Raum vertreten sind. Am Mittwoch wird das Projekt bei Eurac Research vorgestellt – mit einer Fotoausstellung und Videos über die Frauen, die Bozens Straßen ihren Namen geben.<BR /><BR /><BR /><BR />Die 36-Jährige hat für ihr Projekt „where we belong“ den öffentlichen Raum der Gemeinde Bozen untersucht, um festzustellen, ob tatsächlich eine geschlechtsspezifische Kluft zwischen den nach Männern und den nach Frauen benannten Straßen besteht. Das Ergebnis in Zahlen: Stand März 2026 gibt es in Bozen 439 Straßen- und Platznamen. Klammert man Heilige und andere religiöse Persönlichkeiten aus, sind 121 nach Männern und nur 27 Straßen nach Frauen benannt.<BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1378299_image" /></div> <BR /><BR /><BR />„Von diesen insgesamt 148 weltlichen Persönlichkeiten entfallen also 82 Prozent der Straßennamen auf Männer und nur 18 Prozent auf Frauen“, betont Micol Piovesan im Gespräch mit Südtirol Online. Häufig sind es kurze Straßen, oft an den Rändern der Stadt. „Diese Kluft zeugt von einer Lücke, die die Gesellschaft aufrechterhalten will – denn die Ortsnamenkunde ist nicht neutral. Wenn wir eine Straße, einen Platz oder eine Person benennen, entscheiden wir, welche Geschichte es wert ist, erzählt zu werden. Tatsache ist, dass Frauen und ihr Wirken auch im städtischen Raum nur schwach vertreten sind“, betont die Juristin, die aber auch auf Fortschritte verweist. „Im Jahr 2022 gab es 21 nach Frauen benannte Straßen, derzeit sind es 27; es ist also ein Prozess im Gange, es gibt ein Bewusstsein in dieser Hinsicht.“<BR />Unter den 27 Frauen gewidmeten Straßennamen sind weltbekannte Persönlichkeiten, etwa Maria Montessori oder Marie Curie, aber auch Namen von Boznerinnen bzw. Frauen, die in Bozen gelebt und gearbeitet oder einen direkten Bezug zur Stadt haben. <BR /><BR /><b>14 Namen von Boznerinnen</b><BR /><BR />„Insgesamt sind es 14“, so Piovesan, „es sind dies Ingeborg-Bauer-Polo, Olimpia Carpi, Marcella Casagrande, Andreina Emeri, Lucia Frischin, Waltraud Gebert Deeg, Wilhelmine Grätzl von Kofler, Carla Lazzerini, Annette von Menz, Anita Pichler, Anna Ruedl Zagler, Hildegard Straub, Angela Nikoletti und May Hofer.“<BR /><BR /><b>Mittwoch, 28. Oktober Präsentation bei der Eurac</b><BR /><BR />Das Projekt „where we belong“, das am Mittwoch, 28. Oktober ab 17.30 Uhr bei Eurac Research vorgestellt wird, lädt dazu ein, die 27 Straßen zu entdecken, die Frauen gewidmet sind. Bei einer Fotoausstellung, die bis zum 26. November zu sehen ist, werden die Lebensgeschichten ihrer Namensgeberinnen erzählt: in Videos erzählen Frauen, die heute in Bozen leben, von den Namensgeberinnen. <BR /><BR />Wie man neue Namen für Straßen oder Plätze in Bozen vorschlagen kann, das versucht Piovesan derzeit in Erfahrung zu bringen. „Wir haben uns bereits vor einiger Zeit darum bemüht, das genaue Verfahren in Erfahrung zu bringen, da jede Gemeinde ihre eigenen Regeln hat. Leider haben wir bisher von der Gemeinde keine Antwort erhalten. Wir haken jedoch weiterhin nach.“ <BR /><BR /><b>400 potenzielle Namen</b><BR /><BR />An Namen mangelt es nicht. „Das Kompetenzzentrum für Regionalgeschichte der Uni Bozen hat enorme Arbeit geleistet. Es hat ein Handbuch mit 400 Frauenbiografien erstellt, um Land und Gemeinde zu unterstützen. Damit stehen 400 Profile zur Verfügung. Das Handbuch ist online verfügbar“, betont Mikol Piovesan, die das Projekt mit der Künstlerin und Kuratorin Samira Mosca über den Kulturverein „lasecondaluna“ und in Zusammenarbeit mit Eurac Research entwickelt hat.