Montag, 18. Mai 2020

WHO-Chef verteidigt Organisation gegen Kritik

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus hat die Weltgesundheitsorganisation gegen Kritik an ihrem Umgang mit dem Coronavirus in Schutz genommen. Die WHO habe nach dem Auftreten des Virus „früh Alarm geschlagen“, sagte Tedros am Montag bei der Jahrestagung der Weltgesundheitsversammlung in Genf. Der Organisation war zuletzt vorgeworfen worden, zu spät auf das Auftreten des Virus reagiert zu haben.

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus: WHO hat "früh Alarm geschlagen".
WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus: WHO hat "früh Alarm geschlagen". - Foto: © APA (AFP) / -
Gleichzeitig kündigte er an, „zum frühesten geeigneten Zeitpunkt“ werde er eine unabhängige Untersuchung der weltweiten Reaktion auf die Pandemie in Auftrag geben. Ziel der Untersuchung solle es sein, Lehren aus der Pandemie zu ziehen und Empfehlungen zu geben, um die Welt und die einzelnen Staaten besser gegen künftige Pandemien zu rüsten, sagte der WHO-Generaldirektor.

Der WHO war in den vergangenen Wochen von verschiedenen Seiten vorgeworfen worden, zu spät auf das Auftreten des Coronavirus in China reagiert zu haben. Besonders heftig wurde die WHO von US-Präsident Donald Trump kritisiert, der die Zahlungen an die UNO-Organisation einstellte. Er warf der WHO „Missmanagement“ in der Coronakrise und Einseitigkeit zugunsten Chinas vor.

China: 2 Milliarden für Virus-Bekämpfung

China stellt unterdessen im Kampf gegen die Corona-Pandemie 2 Milliarden Dollar (1,85 Milliarden Euro) bereit. Der chinesische Staatschef Xi Jinping sagte am Montag in einer Videobotschaft zum Auftakt des WHO-Jahrestreffens in Genf, sein Land sei „immer“ transparent im Umgang mit der Pandemie gewesen.

Sollte China einen Impfstoff gegen die Lungenkrankheit Covid-19 entwickeln, werde dieser weltweit zur Verfügung gestellt werden, versprach der chinesische Präsident. Xi sprach zum Beginn der WHA, die eines der Hauptorgane der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist. Die Jahrestagung der 194 WHO-Mitgliedstaaten findet wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr erstmals virtuell statt. Hauptthema der auf 2 Tage verkürzten Konferenz ist die globale Antwort auf die Ausbreitung des neuartigen Erregers, an dessen Folgen bereits mehr als 310.000 Menschen gestorben sind.

In der chinesischen Provinz Wuhan war das neuartige Coronavirus im Dezember erstmals bei Menschen festgestellt worden. Vor allem die US-Regierung unter Präsident Donald Trump macht China schwere Vorwürfe. Nach Darstellung Washingtons hätten weltweit viele Tote vermieden werden können, wenn die Führung in Peking transparenter mit dem Ausbruch der Krankheit umgegangen wäre.

Kritik an mangelnder Einheit

UNO-Generalsekretär Antonio Guterres kritisierte unterdessen die uneinheitliche Reaktion der Weltgemeinschaft auf die Corona-Pandemie. „Verschiedene Länder haben verschiedene und manchmal widersprüchliche Strategien befolgt, und wir zahlen alle einen hohen Preis dafür“, sagte er am Montag in einer Videobotschaft zum Auftakt des Jahrestreffens der Weltgesundheitsversammlung (WHA).

Guterres beklagte, es habe „sehr wenig Einigkeit“ gegeben bei der Reaktion auf die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus. „Viele Länder haben die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation ignoriert.“

Eine unabhängige Expertengruppe hat angesichts der Corona-Krise eine Überarbeitung von Vorschriften bei der Weltgesundheitsorganisation WHO angeregt. Die Frage, welche Grenz-und Reiseempfehlungen die WHO bei einer Pandemie abgeben soll, müsse neu beleuchtet werden, forderte das Gremium, das die WHO-Arbeit bei Notlagen überwachen soll.

Die Gruppe legte am Montag einen ersten Bericht über die WHO-Arbeit im Zusammenhang mit dem neuen Coronavirus vor. Auch das System der Erklärung einer „gesundheitlichen Notlage von internationaler Bedeutung“ müsse überdacht werden. Viele Länder hätten darauf nicht angemessen mit Vorbereitungen reagiert. Besser sei vielleicht ein Alarmsystem mit mehreren Stufen. Fehlende Reisewarnungen sind ein Kernpunkt der US-Kritik an der WHO. Nur weil Chinas Grenzen nach dem Corona-Ausbruch offen blieben, habe sich das Virus um die Welt verbreiten können.

apa

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