Der WHO-Chef verwies auf Fortschritte bei Tests zur Behandlung und Vorbeugung von Ebola-Infektionen. Außerdem würden voraussichtlich „in den kommenden Wochen“ klinische Tests zur Wirksamkeit von Impfungen starten. Die Ausbreitung gehe allerdings noch nicht in dem Maße zurück, wie sie „müsste“, mahnte Tedros. Die Eindämmungsmaßnahmen in der Demokratischen Republik Kongo müssten daher noch „mehrere Monate lang beibehalten und verstärkt werden“ - und das gestalte sich „schwierig“.<BR /><BR />Am Vortag hatte der WHO-Chefepidemiologe Olivier le Polain gewarnt, dass die Fallzahl landesweit zwar abnehme, in der Unruhe-Provinz Nord-Kivu aber eine „exponentielle“ Ausbreitung der Ebola-Fälle festzustellen sei. Dort habe sich die Zahl der Todesopfer durch Ebola in den vergangenen zwei Wochen von etwa hundert auf mehr als 200 in etwa verdoppelt. Auf Nord-Kivu entfielen demnach 45 Prozent der in der vergangenen Woche gemeldeten Ebola-Fälle.<BR /><BR />Weniger optimistisch als jene der WHO ist die Einschätzung der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. Landesweit sei die Zahl der Neuinfektionen nicht gesunken und der Ausbruch verkleinere sich nicht, „er wandert“, hieß es in einer Aussendung am Mittwoch. „Mit Süd-Ubangi ist nun die siebente Provinz betroffen. Nord-Kivu wiederum verzeichnet inzwischen fast die Hälfte aller neu bestätigten Fälle, bei zugleich stark steigendem Anteil positiver Tests in den vergangenen Tagen“, sagte Anthony Kergosien, Nothilfekoordinator von Ärzte ohne Grenzen in der DR Kongo.<BR /><BR />In den wichtigsten Einsatzzentren verzeichnet die Organisation nach eigenen Angaben nach wie vor unentdeckte Übertragungsketten. Zudem seien die neuen Ausbruchsgebiete mangelhaft vorbereitet und wiesen nur geringe Kapazitäten auf, und das „stellt ein ernstes Risiko dar. Es wäre ein Fehler, anzunehmen, der Ausbruch sei unter Kontrolle, nur weil einige Ebola-Behandlungszentren weniger Patient:innen aufnehmen“, so Kergosien. Ärzte ohne Grenzen passe die Einsätze an die Situation an und setzt Rapid-Response-Teams ein, um die Krise einzudämmen.<BR /><BR />Ebola wird durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten Infizierter übertragen. Die Krankheit führt zu Fieber, Muskelschmerzen, Durchfall bis hin zu inneren Blutungen und Organversagen. Der Ebola-Ausbruch im Kongo war Mitte Mai offiziell festgestellt worden. Bis zum 12. September registrierten die Behörden des zentralafrikanischen Landes etwa 7.200 Infektionen und 3475 Todesfälle in sieben Provinzen. Verursacht wird die aktuelle Epidemie von der Ebola-Variante Bundibugyo. Anders als gegen die sogenannte Zaire-Variante gibt es dagegen bisher weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine zugelassene Behandlung. Mehrere Mittel befinden sich in der Erprobung.