Montag, 18. Mai 2020

WHO warnt Europa dringend vor zweiter Welle

Die europäischen Staaten sollten sich nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits jetzt auf eine zweite tödliche Welle von Coronavirus-Infektionen einstellen.

Die WHO erlaubt nur äußerst vorsichtiges Aufatmen.
Die WHO erlaubt nur äußerst vorsichtiges Aufatmen. - Foto: © APA/getty / Yana Paskova
Es sei an der „Zeit für die Vorbereitung, nicht für Feierlichkeiten“, sagte der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge, der britischen Zeitung „The Telegraph“. Vor allem eine „Doppelwelle“ bereitet ihm Sorge.

Kluge reagierte damit auf die Lockerung von Maßnahmen gegen die Pandemie in mehreren Ländern. Besonders besorgt äußerte sich der WHO-Regionaldirektor über die Möglichkeit einer „Doppelwelle“. „In dem Fall könnten wir eine

zweite Covid-Welle haben und eine saisonale Grippe oder die Masern.“ Viele Kinder seien nicht gegen die Masern geimpft, warnte Kluge. Die Länder müssten die Zeit nun nutzen, um ihr Gesundheitswesen zu stärken und zum Beispiel die Kapazitäten in Krankenhäusern auszubauen.

Zwar gingen nun in - den besonders betroffenen - Staaten wie Großbritannien, Frankreich und Italien die Fallzahlen zurück, sagte der Experte. Aber das bedeute noch nicht, dass sich die Pandemie dem Ende nähere. Wegen der Coronakrise hält die WHO ihre 2-tägige Jahresversammlung bis Dienstag nur online ab.

Zweiter Lockdown würde wohl nicht akzeptiert

Bestmögliche Arbeit zur Verhinderung weiterer katastrophaler Zustände ist auch deshalb von größter Notwendigkeit, weil Experten die Möglichkeit eines weiteren Lockdown kritisch sehen. So äußerte beispielsweise der Präsident der österreichischen Ärztekammer, Thomas Szekeres: „Ich kann mir keinen zweiten Lockdown vorstellen. Nicht, weil er aus medizinischen Gründen nicht notwendig sein könnte, sondern aus wirtschaftlichen Gründen und weil ihn die Bevölkerung nicht akzeptieren würde.“

Umso mehr sei daher die Mithilfe der gesamten Bevölkerung der verschiedenen Länder gefragt – ebenso wie die konsequente Arbeit der Regierungen. „Dass das Virus verschwunden ist, glauben wir nicht“, sagte Szekeres. Österreich sei in der Zurückdrängung der Corona-Pandemie jedoch „weltweit gesehen ein Vorzeigeland.“

apa

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