3 Notfallpsychologen und 4 Notfallseelsorger der Gruppe Innichen standen ihnen zur Seite, um sie zu begleiten und psychologische Erste Hilfe zu leisten.<BR /><BR />Die Gerüchteküche brodelte stundenlang, es kursierten vage Vermutungen, über Beobachtungen wurde berichtet, die Informationen widersprachen sich, es herrschte ein wahrer Informationswirrwarr. In dieser Situation der Dauer-Unsicherheit und einer nicht enden wollenden Bedrohungslage versuchten Notfallpsychologen und Notfallseelsorger, die Betroffenen zu beruhigen und mit gesicherten Informationen zu versorgen. <h3> 11 Stunden vor Ort</h3>An gesicherte Informationen zu gelangen war in dieser Situation äußerst schwierig, berichtet Erwin Steiner, Leiter der Notfallpsychologie und des psychologischen Krisentelefons. Er war beim akuten Einsatz 11 Stunden lang in Innichen vor Ort, um mit seinen Kollegen die Not der Angehörigen und Nachbarn aufzufangen und zu lindern, damit sie mit dem traumatischen Geschehen bestmöglich zurechtkamen. <BR /><BR />In der „weißen Zone“ wurden die „äußerlich unverletzten Beteiligten“ betreut: Menschen unter Schock und Traumatisierte waren aus der Gefahrenzone raus in einen geschützten Bereich gebracht worden und wurden dort begleitet. Es wurde versucht, ihnen wieder ein Gefühl der Sicherheit zurück zu geben, berichtet Steiner.<h3> „Die Situation war ständig angespannt“</h3>Die Angst war groß, dass der Amokläufer noch jemanden im Haus getroffen haben könnte, der – um nur ein Beispiel zu nennen – womöglich nicht in Deckung gegangen war, vielleicht kurz das Licht eingeschaltet hatte, um ins Bad zu gehen und sich so, ohne es zu wissen, in Lebensgefahr brachte. Und die Gefahrenzone durfte niemand betreten, sodass ständig große Unsicherheit und Ungewissheit über das Los von Menschen herrschte, die nicht erreichbar waren. <BR /><BR />„Die Situation war ständig angespannt“, berichtet der Leiter der Notfallpsychologie. „Das alles auszuhalten, war ein Dauerstress, der für Angehörige sehr belastend war.“ Es habe sehr viele Menschen gegeben, die in Sorge um ihre Angehörigen waren, weil sie diese nicht erreichen konnten. Sie befürchteten, dass ihre Angehörigen sich in Lebensgefahr befanden. Die Betreuten in der Weißen Zone schilderten die möglichen Szenarien, vor denen sie sich fürchteten, den Notfallpsychologen und -seelsorgern. „In diesem Moment geht es darum, sie darin zu bestärken, was sie sinnvollerweise tun können, um mit den Angehörigen in Kontakt zu kommen, welche Mittel und Wege es gibt“, meint Steiner. <BR /><BR />Sehr wichtig sei die Zivilschutzmeldung in den Medien gewesen, erklärt Steiner. Eine Sirene wäre in dieser Situation kontraproduktiv gewesen, weil die Menschen dann womöglich hinaus auf die Balkone gegangen wären und sich somit in Gefahr gebracht hätten.<BR /><BR />„Die größte Herausforderung bei solchen Einsätzen ist die Frage: Wer ist betroffen und braucht welche Begleitung?“, sagt Marlene Kranebitter, Landesleiterin der Notfallseelsorge des Weißen Kreuzes. Die Alarmierung habe „Schießerei in einem Wohnhaus“ gelautet. In solchen Fällen gehe es darum, gesicherte Infos zu sammeln und eine Brücke zu schlagen zwischen Angehörigen und Einsatzkräften. <BR /><BR />Auch die Einsatzkräfte, wie etwa die Feuerwehrleute, erhalten nach solchen Einsätzen Nachbetreuung, wenn sie es benötigen: Hierbei spielt die Kollegenhilfe eine wichtige Rolle, berichtet Steiner. „Auf gleicher Ebene redet es sich am besten.“