Das Fest Maria Himmelfahrt scheint sehr alt zu sein. Der Liturgiewissenschaftler Theodor Schnitzler nimmt an, dass es schon vor dem Konzil von Ephesus (325) entstanden sein dürfte. Bereits um 600 wurde am 15. August der Heimgang Mariens gefeiert. <BR />Auf der Mainzer Synode von 813 wurde Maria Himmelfahrt dann in der Gesamtkirche eingeführt. Die Erhebung der Lehre von der Himmelfahrt Mariens zum Dogma durch Papst Pius XII. im Jahr 1950 gab dem Fest zusätzlichen Glanz, aber der Glaube, dass Maria mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde, war schon in der frühesten Kirche lebendig. <h3> Der Sieg in einer entscheidenden Schlacht</h3>Wie aber wurde Maria Himmelfahrt zum Tiroler Landesfeiertag? Der Ursprung führt in ein Schicksalsjahr der Tiroler Geschichte, in das Jahr der Freiheitskämpfe 1809. Vor den ersten beiden Berg-Isel-Schlachten vom 25. und 29. Mai erneuerten die Tiroler Freiheitskämpfer den Herz-Jesu-Bund, den sie 1796 geschlossen hatten. Am Vorabend dieser entscheidenden Tage hielt der Priester Josef Alber eine flammende Ansprache, die Andreas Hofer so zusammenfasste: „Wir müssen für Gott, für die Verfassung des Landes und für die Herrschaft siegen oder sterben!“ <BR /><BR />Für die dritte Bergiselschlacht am 13. August 1809 gab Andreas Hofer die Losung aus: „Unsere Liebe Frau hilft uns!“ Damit stellte er das Land unter den Schutz Mariens. Ebenso bekannt sind seine Worte nach dem Sieg, den Tirol, ganz auf sich allein gestellt, errungen hatte: „I nöt, ös nit, der da oben!“<h3> Ein Hochamt im Dom von Innsbruck</h3>Am Fest Maria Himmelfahrt wurde daher in der Innsbrucker St. Jakobskirche im Beisein Andreas Hofers und seiner engsten Mitstreiter ein Hochamt gefeiert. Religion und Politik waren damals eben eng verbunden, oder anders gesagt: Das Leben der Menschen und der Gesellschaft versuchte man vom Glauben her zu gestalten. <BR /><BR />Die Regierung des Sandwirts in der Innsbrucker Hofburg dauerte nur wenige Monate. Diese Zeit war ganz geprägt von der gläubigen Haltung eines bäuerlichen Hausvaters: täglicher Abendrosenkranz, bescheidene Lebenshaltung (45 Kreuzer pro Tag) und schnelle Entscheidungen ohne viel Juristerei prägten den Alltag. Besonders bekannt wurde das ,,Sittenmandat“, in dem Hofer gegen die Auswüchse der Mode und Alkoholmissbrauch vorging. <BR /><BR />Im Gedenken an die Ereignisse von 1809 wurde anlässlich der 150-Jahr-Feiern 1959 das Fest Maria Himmelfahrt als Landesfeiertag eingeführt. Als äußeres Zeichen wurde am Bergisel die Kapelle „Unsere Liebe Frau von Tirol“ eingeweiht. Der Vorschlag war von gläubigen Mitbürgern eingebracht worden. <BR /><BR />Um die Bedeutung dieses Feiertages zu unterstreichen, wurde der Brauch eingeführt, am Hohen Frauentag im Tiroler Landhaus Verdienstkreuze, Verdienstmedaillen, Erbhofurkunden und Lebensrettermedaillen zu verleihen – an Menschen, die sich auf sozialem Gebiet, um Kultur und Brauchtum besondere Verdienste erworben haben. <h3> Tag im Zeichen der besonderen Verdienste</h3>Die Tiroler schrieben es im Jahre 1809 der himmlischen Hilfe und dem Schutz der Gottesmutter zu, dass sie über einen zahlenmäßig weit überlegenen Feind den Sieg davontrugen. Wir können uns mit diesem Gedanken nur schwer anfreunden: Es fällt schwer zu glauben, dass die Gottesmutter in diesem mörderischen Bruderkampf zwischen Tiroler Schützen und bayerischen Soldaten ganz auf der Seite der Tiroler gestanden sein soll, wo doch auch die Bayern innige Marienverehrer waren. Aber vielleicht war es so, dass die Tiroler in ihrer Heimatliebe und in ihrem Gottvertrauen mehr motiviert waren als die bayerischen Soldaten. <BR /><BR />Auch hier gilt, was Bischof Wilhelm Egger (1986–2008) anlässlich des Herz-Jesu-Jubiläums 1996 schrieb: „Wir sind eingeladen, unser Leben vom Glauben her zu gestalten, und dies hat dann auch Auswirkungen im gesellschaftspolitischen und sozialen Bereich.“