Wie ein Detektiv dürfte Avni Mecja seiner Lebensgefährtin Alexandra Mocanu in den Wochen vor dem Mord nachgestellt haben: Im Oktober habe er regelmäßig ein Handy im Auto versteckt, wenn sie damit unterwegs war – um mithören zu können, wenn sie mit seinem Nebenbuhler telefonierte. Eine Woche vor der Tat sei er sogar in den Kofferraum des Autos gestiegen, um heimlich zu beobachten, ob sie sich in Verona, wo sie zuvor gelebt hatte, möglicherweise mit einem Liebhaber treffe. Dies und mehr schilderte er heute bei seiner mehr als vierstündigen Einvernahme.<h3> Wo ist die Jeans geblieben?</h3> Rätsel gibt Mecjas Aussage auf, wonach er die Jeans, die er bei der Tat getragen haben soll, nach dem Mord im Badezimmer in den Müll gelegt habe. Die Spurensicherung hatte sie nicht gefunden. Trotz der Vorhaltung durch die Anklage blieb Mecja heute bei seiner Version. Auch das Rätsel um die Mordwaffe wurde wieder thematisiert: Dem Schwurgericht wurde jener Hammer vorgeführt, den die Ermittler an der Autobahn gefunden hatten. Mecja stritt auch heute ab, dass es sich dabei um die Tatwaffe handle.<BR /><BR />Den größten Raum nahmen aber die Schilderungen über die Beziehung zwischen Opfer und Täter ein: Die Hand gegen Mocanu erhoben habe er nie, nicht einmal die Stimme, wiederholte Mecja vor Gericht mehrmals. Dies steht im Widerspruch dazu, dass Mecja rechtskräftig wegen sexueller Gewalt und Stalkings gegen Mocanu verurteilt ist. Auf eine entsprechende Vorhaltung durch den vorsitzenden Richter Stefan Tappeiner räumte Mecja zwar ein, Mocanu einmal vor den Augen der Carabinieri einen Fußtritt versetzt und die Scheibe ihres Autos eingeschlagen zu haben, aber: „Wenn ich ihr wirklich etwas getan hätte, warum hätte sie die Anzeige zurückgezogen?“ Mocanu sei bereits 10 Tage später in seine damalige Unterkunft nach Andrian gekommen, die Situation habe sich beruhigt, gab Mecja an. <h3> Annäherungsverbot als Druckmittel?</h3>Als Mocanu ab April 2022 selbst arbeitete und Geld verdiente, „ist sie ganz anders geworden“, sagt Mecja. Das Annäherungsverbot aus Verona habe sie als Druckmittel gegen ihn eingesetzt. „Ich fühlte mich ihr unterlegen“, sagte Mecja. „Wenn ich einen falschen Schritt gemacht hätte, hätte ich ins Gefängnis müssen.“ Die blauen Flecken, von denen 2 Nachbarinnen – eine davon will er nie gesehen haben – im Zeugenstand berichtet hatten, habe es nicht gegeben, so Mecja. „Warum hat sonst niemand die Verletzung gesehen? Warum hätte sie mich nicht einfach anzeigen sollen?“, fragt er.<BR /><BR />Nach einem Unfall im September habe er einen Monat lang nicht arbeiten können und in der Folge seine Stelle verloren. In dieser Zeit hat Mecja offenbar viel Zeit und Energie darauf verwendet, die Treue seiner Partnerin zu kontrollieren, was er vor Gericht in allen Details schilderte: „Als ich ihr sagte, ich wisse alles, hat sie mich aus der Wohnung geworfen.“ Ab Ende September habe er immer wieder im Keller übernachtet.<BR /><BR />Am Abend der Tat, so Mecja, hätten sie sich ausgesprochen. Er habe vorgehabt, fortzugehen. Vor dem Schlafengehen dann der fatale Moment: Er habe den Hammer zwischen den Kissen entdeckt, sie habe das Werkzeug nach ihm geworfen, ihn damit an der Schulter getroffen. Dann habe sie sich umgedreht, keine Reaktion von ihm erwartend. Er habe daran denken müssen, wie er sie mit seinem Nebenbuhler habe besprechen hören, dass sie sich um ihn, Mecja, schon kümmern werde. <h3> „Alles ist im Nebel versunken“</h3>Mecja brach bei der Schilderung mehrmals die Stimme. 2 Mal habe er sie auf den Kopf geschlagen. Mocanu habe noch geröchelt. Dann sei alles im Nebel versunken. „Ich habe sie zugedeckt, sofort bereut, was ich getan habe. Ich wollte nicht, dass sie leidet.“ Er habe versucht, ihr einen Draht um den Hals zu legen, diesen aber nicht zuziehen können. 2 oder 3 weitere Schläge habe er ihr auf den Rücken versetzt, so der Angeklagte.<BR /><BR />Von der Staatsanwältin darauf angesprochen, wie er Mocanus Handy nach der Tat entsperrt habe, um ihrem Arbeitgeber eine Nachricht zu senden, sagte er: „Mit ihrem Finger.“ Dann sei er wie benommen geflüchtet. Erst in Albanien sei er wieder zu sich gekommen. „Ich habe mich so geschämt für das, was ich getan hatte. Ich wollte mit jemandem sprechen, aber es war niemand mehr da“, sagte Mecja. <BR /><BR />Das Verfahren am Bozner Schwurgericht wird am 6. März mit der Anhörung weiterer Zeugen fortgesetzt.