Schon seit vielen Jahren gibt es eine Kinder- und Opferschutzgruppe an der Innsbrucker Klinik. Gestern bekam die Einrichtung nun aber offiziell ein Türschild und nennt sich „Kompetenzzentrum Gewaltschutz und Gewaltschutzambulanz“. Das Zentrum hat einen ärztlichen und einen psychologischen Leiter, außerdem arbeitet es mit dem Universitäts-Institut für Gerichtsmedizin zusammen.<h3> „Wir erkennen die Zeichen der Zeit“</h3>Gesundheitslandesrätin Cornelia Hagele (ÖVP) freute sich über die Eröffnung: „Man sieht, dass wir die Zeichen der Zeit erkennen und entsprechende Einrichtungen anbieten.“ <BR /><BR />Soziallandesrätin Eva Pawlata (SPÖ), die vor ihrer politischen Karriere lange im Frauenschutz tätig war, wies auf die Bedeutung von Krankenhäusern hin: „Die meisten Opfer gehen in die Klinik, bevor sie die Polizei anrufen oder in eine Schutzeinrichtung kommen. Krankenhäuser sind daher im Opferschutz ein besonders wichtiger Player.“<h3> Forensik wird eingebunden</h3>Nach wie vor werden Betroffene in der Notaufnahme oder einer Ambulanz erstversorgt werden. Sollte sich jedoch herausstellen, dass Gewalt im Spiel ist, werden sie zu weiteren Schritten ans Gewaltschutzzentrum verwiesen. Insgesamt sollen sie die bestmögliche medizinische, aber auch psychologische Betreuung erhalten.<BR /><BR />Neu ist in diesem Zentrum die Einbindung der Forensik. Gerichtsmedizinerin Dr. Marion Pavlic: „Unsere Aufgabe liegt in der Regel in der Erkennung und Beurteilung von Verletzungen. Im Gewaltschutzzentrum sind wir aber schon einen Schritt davor dabei, nämlich bei der Beweissicherung, sollte es zu einem gerichtlichen Verfahren kommen.“ <BR /><BR />Dazu fügte Dr. Klaus Kapelari, medizinischer Leiter des Zentrums an: „Wir haben erstmals die Möglichkeit zur Dokumentation, auch wenn es nicht zu einer Anzeige kommt. Aber manchmal kommen Opfer Jahre später nach einem neuen Vorfall und sagen: Jetzt reicht es. Und dann haben wir frühere Beweise bereits gesichert.“<h3> „Opferschutz ist multidisziplinär“</h3>Der psychologische Leiter des Zentrums, Dr. Thomas Beck, betonte die übergreifende Wichtigkeit des Themas: „Kaum etwas ist so multidisziplinär wie der Opferschutz. Das reicht vom Pflegepersonal über die Ärzteschaft bis zur Verwaltung.“<BR /><BR />Daher wurde unter der Leitung von Diplompflegerin Andrea Hohenegger ein Schulungskonzept erarbeitet. Es sieht in einem ersten Schritt die Ausbildung von Gewaltschutzbeauftragten vor, die ihrerseits in ihren jeweiligen Abteilungen oder Stationen das Personal ausbilden. Der erste dreitägige Kurs beginnt kommende Woche: „Wir beginnen mit den Ambulanzen, weil diese die Eintrittspforte der Patientinnen und Patienten sind.“ Ziel soll eine flächendeckende Ausbildung in allen Krankenhäusern sein.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1006451_image" /></div>