Dass der Maisanbau in Südtirol begonnen wurde, geschah auf Befehl von Kaiserin Maria Theresia. Im Zuge der Regulierung der Etsch, die vor knapp 300 Jahren noch ungezähmt und im Zick-Zack quer durch das Tal mäanderte.<BR /><BR />Zentralamerika, hauptsächlich das Gebiet des heutigen Mexiko, war seit Ewigkeiten mit einer Wildgrassorte namens Teosinte gesegnet. Gesegnet deshalb, weil daraus Mais gezüchtet wurde. Schon zu Zeiten, als man in Europa noch gar nicht wusste, dass es das Land, das später Mexiko heißen sollte, überhaupt gab. Von Mais ganz zu schweigen.<BR /><BR /> Das änderte sich ab 1492 und einem Mann namens Christoph Kolumbus. Er und die nachfolgenden spanischen Entdecker brachten den Mais von Amerika nach Europa, wo er als Kulturpflanze sesshaft wurde. Zuerst in Spanien, dann aufgrund der zur damaligen Zeit bestehenden guten Verbindungen zur Großmacht Venedig in der Gegend um die Dogen-Stadt. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="940201_image" /></div> <BR /><BR />Trotz der nachbarlichen Expertise in Venetien war Südtirol ein Spätstarter, was Mais betrifft. Außerdem bedurfte es überzeugender Argumente, Mais anzubauen. Argumente in der Form eines kaiserlichen Befehls. Denn der Mais kam von Venedig zuerst in die Habsburger-Monarchie und sozusagen über den Umweg Wien nach Südtirol. <h3> Als Andreas Hofer noch ein Bub war</h3>Und das kam so: Ende des 18. Jahrhunderts, als Andreas Hofer noch als unbekannter kleiner Bub auf dem Jahre später berühmten Sandhof bei St. Leonhard in Passeier aufwuchs, wurden zu Zeiten Maria Theresias die ersten Pläne zur Etsch-Regulierung geschmiedet. Die Etsch, Italiens zweitlängster Fluss, floss damals noch unbegradigt durch das Tal.<BR /><BR /> Der Lohn einer Regulierung war tausende Hektar neues Ackerland, das man dem Fluss von Meran über Bozen bis Trient abringen wollte. Schwemmgebiete, Auen und Moore. Etwa das Traminer Moos unterhalb des Ortes oder das noch größere Kalterer Moos nebenan. Landwirtschaftlich damals ungenutztes Land, denn der Fluss hatte den gesamten Talboden in Beschlag genommen. Ebenfalls im Vordergrund stand der Hochwasserschutz für die Gemeinden in Tallagen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="940204_image" /></div> <BR /><BR />Bei einer Regulierung gab es viele Ackerflächen zu „erben“. Doch wer sollte die Nutznießer sein? Schon bevor der Fluss Jahre später in neue Bahnen gezwungen und neues Land urbar gemacht wurde, begann etwa in Tramin die Aufteilung der zu erwartenden Gebiete auf die umliegenden Gemeinden. Gleiches geschah auch in Kaltern, Niederlana, Leifers, Terlan und vielen anderen Dörfern. <BR /><BR />Doch der neue Grund sollte nicht kostenlos sein. Per kaiserlichem Dekret wurde jeder der glücklichen Grundgewinner von Kaiserin Maria Theresia dazu verpflichtet, Mais auf diesen neuen Äckern anzubauen. Und das hatte seinen Grund, denn damals glaubte man, Mais würde sumpfige Böden austrocknen. Als baute man brav Mais an und somit zog das goldene Getreide im großen Stil in Südtirol ein. Überall dort, wo im Tal heute Weinreben oder Apfelbäume stehen, wuchs damals Mais.<h3> Plent mit Gerstenkaffee</h3>Im nördlichen Italien, wo es ihn schon 100 Jahre vor Südtirol gab, nennen sie den Mais – abgeleitet vom Wort „mahiz“ in der Sprache der karibischen Taíno-Arawak-Indianer – Polenta. In Südtirol dagegen schlicht Plent. Die Südtiroler entdeckten schnell ihre Liebe zu Mais. Plent war etwa eine ideale Mahlzeit bei der harten Weinlese. Aber auch zur Marende oder gar beim Frühstück servierte man Plent mit Gerstenkaffee. Als Hauptspeise wurde Plent mit Gulasch, mit Gorgonzola, mit Spiegelei oder mit Milch in den damals üblichen Kupferkesseln angerichtet.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="940207_image" /></div> <BR /><BR /> Maisgries setzte sich als Grundnahrungsmittel schnell durch. Besonders bekannt war etwa der Kalterer Plent. Mehr als 300 Jahre wurde dieser rund um den Kalterer See angebaut. Doch dann musste er neuen Weinbergen und lukrativeren Apfelplantagen weichen, wie unten im Etschtal schon viel früher. <BR /><BR />Seit 15 Jahren feiert der Kalterer Plent übrigens wieder ein Comeback. Es wurde ein Projekt gestartet, das mit einem neuzeitlichen Maisanbau im Jahr 2009 am südlichen Ufer des Sees beim Biotop begann. Kalterer Plent steht damit heute wieder in den Regalen der Mitgliedsbetriebe. Das Kalterer Traditionsprodukt ist also erfolgreich zurückgekehrt. Und im Kalterer Moos bis hinunter zur Etsch findet man wieder öfter – so wie damals – Maisfelder.<BR />