Es sind völlig unterschiedliche Lebensrealitäten, die Jungbäuerin Andrea Aster seit vielen Jahren zu verbinden weiß – auf der einen Seite den Halbtagsjob im Büro, auf der anderen Seite Stallarbeit. Denn schließlich hat sie vor nunmehr rund 6 Jahren den Hof von ihren Eltern übernommen – zusammen mit ihrem Mann Benjamin Thaler.<BR /><BR />„Mein Tag beginnt frühmorgens um 4.30 Uhr mit Stallarbeit, dann wird Sohn Raphael (9) für die Schule hergerichtet, ehe ich zu meinem Halbtagesjob nach Bozen fahre, um mich am Nachmittag wieder um die Arbeiten am Hof und unseren Sohn zu kümmern“, schildert sie ihr übliches Pensum. Um dann gleich einen kuriosen Sager nachzuschieben: „Ich behaupte ja immer, dass ich ein menschliches Kind und viele tierische Kinder habe, weil eben auch die viele Tiere am Hof viel Fürsorge und Zuneigung brauchen.“ <BR /><h3> Mutterkuhhaltung mit aktuell 20 Grauviehrindern</h3><BR />Aus ihren Schilderungen wird schnell klar, dass die 35-Jährige sehr an ihren Tieren hängt. Derzeit werden am „Scharrhof“ – so der Name des 2019 erneuerten Gehöfts auf 1150 Meter in der Fraktion Auen oberhalb von Sarnthein – an die 20 Grauviehrinder versorgt, dazu 3 Haflingerpferde sowie Hühner, Enten, Wachteln und neuerdings ein Pfau. „Bereits meine Eltern hatten von der Milchwirtschaft auf Mutterkuhhaltung umgestellt, das ist unsere Haupteinnahmequelle geblieben und darauf bauen wir auf“, berichtet die Sarnerin, die viele noch als „Zett“-Miss Südtirol 2010 in Erinnerung haben dürften und die derzeit den Titel „Haflinger-Königin“ trägt. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1002485_image" /></div> <BR />Im Juli 2014 läuteten für die dunkle Schönheit die Hochzeitsglocken, der Auserwählte war der in Reinswald ansässige Benjamin Thaler. Es war eigentlich schon immer klar, dass nur sie für eine Hofübernahme in Frage kam, da ihre 3 älteren Schwestern kein Interesse dafür gezeigt hatten, während Andrea die Oberschule für Landwirtschaft in Auer besucht und sich so fachliches Knowhow angeeignet hatte. <BR /><BR />„Es ist aber pures Glück, dass auch Benni sich schnell in der Rolle als Jungbauer zurechtfand und viel Freude mit dem Leben am Hof hat, denn andererseits würde man wohl schnell hinschmeißen“, gibt sie zu bedenken. Schließlich zählen zum „Scharrhof“ neben dem Vieh auch 4,5 Hektar Wiesen- und Ackerfläche sowie 15 Hektar Wald – also keine Kleinigkeit. Somit war für Andrea Aster klar, dass sie eines Tages zusammen mit Benjamin den Hof weiterführen würde, und als man den Umbau des alten Stadels ins Auge fasste, war im Jahr 2018 der richtige Zeitpunkt für die Hofübergabe gekommen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1002488_image" /></div> Seitdem bewältigt das junge Paar den Drahtseilakt, unterschiedlichste Pflichten und Jobs miteinander zu verbinden und einen durchgetakteten Alltag zu meistern. Der gelernte Tischler Benjamin ist am Vormittag im Holzverarbeitungsbetrieb „Sarner Holz“ tätig und hat für den Rest des Tages reichlich Arbeit am Hof um die Ohren, Andrea geht seit vielen Jahren ihrem Job als Marketingfachkraft bei „Athesia Marketing & Event“ nach – das am Sonntag prämierte Paar gehört zur großen Gruppe der Nebenerwerbsbauern in Südtirol. <BR /><BR />„Zur Arbeit, die eigentlich nie endet, kommt die Verantwortung, denn es müssen auch immerzu die Kreditraten beglichen werden“, räumt Andrea ein, erklärt aber im gleichen Atemzug, dass sie „niemals tauschen möchte, weil es genau dieses Leben mit ihrer Familie, ihren Tieren und an ihrem Fleck im Sarntal ist“, das sie glücklich und zufrieden macht. Und so mache es ihr auch nichts aus, wenn an schönen Sommertagen die Heuernte ansteht, während sich ihre Kolleginnen damit beschäftigen, welches Schwimmbad oder welcher Badesee anvisiert werden könnte.<h3> Bemüht um das Tierwohl, engagiert im Vereinsleben</h3>Sie wisse es zu schätzen, dass das Grauvieh im Sommer auf der Alm verbringt und dass ihre Eltern Florian und Christine noch mit anpacken und die Schwiegereltern bei der Heu- und Grummeternte zur Seite stehen. So könne man in den Sommermonaten auch etwas später aufstehen und sich mal einen Urlaub genehmigen, dem Vereinsleben frönen oder Fortbildungen wahrnehmen. „Man muss immer an den Themen dranbleiben und sich weiterentwickeln“, meint die 35-Jährige schmunzelnd und erzählt, was moderne Rinderpflege alles umfasst und was man tun kann, um Kälbern bei Verdauungsproblemen zu helfen. Das Wohl der Tiere müsse stets im Blick behalten werden, schließlich mache sich dieses Credo auch bei der Zucht bezahlt.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1002491_image" /></div> Für Abwechslung sorgt indessen das Engagement in mehreren Vereinen, beim Aufzählen muss Andrea achten, dass sie keinen davon vergisst: Grauviehgenossenschaft, Haflingerzuchtverband, Heimatbühne Sarnthein, Bäuerinnen und eben Südtiroler Bauernjugend. Benjamin ist im örtlichen Rodelverein aktiv, beide sind begeisterte Jäger. Man darf getrost fragen, wie sie das alles bewerkstelligen. Sie sagt: „Wir sind nun mal ein sehr eingespieltes Team und teilen jegliche Leidenschaft.“<BR />