Organisator Florian Gartner spricht in einem Interview über seine Liebe zur Literatur, seine Beweggründe für diese Veranstaltungsreihe und warum er sie mit einem sozialen Anliegen verbindet.<BR /><BR /><b>Herr Gartner, Sie waren einmal mein Kollege bei den „Dolomiten“. Sie sind Jurist, Journalist und Hotelier. Sind sie beruflich angekommen?</b><BR />Florian Gartner: Ja, ich bin seit 30 Jahren Hotelier und der Beruf erfüllt mich, weil ich mit Menschen zu tun habe. Die Juristerei war ein Wunsch meines Vaters. Ich hätte lieber Germanistik, Kunstgeschichte oder Journalismus studiert. Aber mein Vater fand, dass das Hobbys sind. Der Ausflug zu den „Dolomiten“ bot mir die Möglichkeit, von der Juristerei wegzukommen. Das Hotel bietet mir eine Bühne. Ich bin eine Rampensau. Aber ich bin offen für Vieles. Das Leben ist so spannend. Ich hoffe, es hält noch viel für mich bereit.<BR /><BR /><b>Sie sind ein begeisterter Leser. Wie viele Bücher lesen Sie im Jahr?</b><BR />Gartner: Es werden so 100 sein. Ich habe schon als Kind viel gelesen. Meine Mutter hat mich sehr unterstützt. Die Leihbibliothek in Schlanders war zu klein für mich. Meine Mutter musste mir zusätzlich Bücher kaufen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1014276_image" /></div> <BR /><BR /><b>Welche literarische Gattung bevorzugen Sie?</b><BR />Gartner: Die Belletristik. Die Klassiker habe ich alle durch. Ich lese viel moderne Literatur, Querbeet bis hin zu Comics und Fantasy-Literatur. Fachliteratur lese ich vor allem zum Thema Musik. Für unsere Hotelgäste kaufe ich viele Bildbände.<BR /><BR /><b>Wer ist Ihr Lieblingsautor?</b><BR />Gartner: Dostojewski, weil er ein Kontrast zu meinem fröhlichen Wesen ist. Ich mag das Morbide, die Sprache. Wenn man einen russischen Autor liest, hört man das Husten des Lungenkranken.<BR /><BR /><b>Wie kam es zum ersten Gartner-Literatur-Festival?</b><BR />Gartner: Aufgrund meiner persönlichen Leidenschaft für Literatur und als Positionierung für das Hotel. Es geht darum, interessante Gäste für das Haus zu finden. Ich habe 2022 einen ersten Versuch gestartet, aber das war für 2023 zu kurzfristig. Ich habe daraus gelernt und bereits im Frühsommer 2023 die Verlage für heuer kontaktiert. Ich hatte eine Reihe von Autoren ausgewählt, die aus zeitlichen oder örtlichen Gründen nicht verfügbar waren. Ich musste mich nach der Decke strecken, aber es haben sich tolle Alternativen aufgetan. Es ist ein Programm mit sehr unterschiedlichen Autoren entstanden. Die Vielfalt ist gewährleistet.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1014279_image" /></div> <BR /><BR /><b>Es trägt den Titel „Festi-Wahl“. Wie ist das gemeint?</b><BR />Gartner: Der Besucher hat die Wahl. Ich wollte Buchungen generieren, aber ich möchte auch Besucher aus der Umgebung dazu einladen. Jeder Interessierte kann nach Voranmeldung zum „Festi-Wahl“ kommen. Daniel Kehlmann ist allerdings schon ausgebucht.<BR /><BR /><b>Die Eintrittsgelder kommen dem Nachtquartier für obdachlose Menschen, Dormizil in Bozen, zugute. Sie engagieren sich dort beim Frühstücksdienst.</b><BR />Gartner. Ich mache den Frühstücksdienst heuer den zweiten Winter. Es gibt 120 Freiwillige für 25 Gäste, das ist mehr als jedes 5-Sterne-Haus Personal hat. Gott sei Dank ist die Bereitschaft zu helfen im Land vorhanden. Wenn man im Leben Glück hatte und es einem gut geht, darf man gerne etwas zurückgeben. Man lernt außerdem spannende, interessante Menschen kennen, die im Moment auf der Schattenseite leben. <BR /><BR /><b>Was beeindruckt Sie im Dormizil während ihrer Freiwilligenarbeit am meisten?</b><BR />Gartner: Mich beeindrucken die Menschen, die sich dort neben ihrer Arbeit oder in der Rente engagieren. Bei den Gästen beeindruckt mich ihre Verzweiflung, aber auch die Hoffnung, die man spüren und beobachten kann, wenn die Menschen Wohnung und Arbeit in Aussicht haben. Sehr beeindruckend ist, wie sich ein Mensch verändert, wenn er eine Wohnung gefunden hat. Es wird ein anderer Mensch aus ihm. Eine Wohnung gibt ihm Würde. Er erhält seine Lebensfreude zurück.<BR /><BR /><b>Würden diese Menschen einen einfacheren Zugang zu Literatur brauchen und könnte ihnen die Literatur in ihrer Situation helfen? </b><BR />Gartner: Das ist eine schwierige Frage. Ich glaube, dass die Menschen dort andere Probleme haben. Aus meiner Sicht hilft Literatur beim Träumen und damit ist sie immer wichtig.<BR />