Ganz grundsätzlich, so erklärt der Vertreter des Unternehmens, Joachim Stock, gelte es zu unterscheiden zwischen der üblicherweise verwendeten Technik, die nur darauf abziele, über die Holzvergasung Strom und Wärme zu produzieren, und dem besonderen, patentierten Verfahren von sogenannten „Rückwärtskraftwerken“ wie jenem in Laas. <BR /><BR />Bei herkömmlichen Kraftwerken bleibe Holzkohle von geringerer Qualität übrig, die als Abfall zu entsorgen sei, erklärt er. Beim „Laaser“ Verfahren – einer sogenannten Schwebebett-Vergasung – ist die Holzkohle von bester Qualität und explizit neben Strom und Wärme das dritte Produkt. „Diese Anlagen sind genau dafür konzipiert: um Strom, Wärme UND Holzkohle herzustellen“, unterstreicht Stock. In der Anlage passiert Folgendes: Bei der Pyrolyse wird Holz – in diesem Fall „sauberes Waldhackgut“ – unter Luftabschluss extrem erhitzt (500 Grad Celsius). Es handelt sich nicht um eine Verbrennung, die ohne Sauerstoff gar nicht möglich wäre, und es entsteht folglich auch (fast) keine Asche. Vielmehr erfolgt unter diesen Bedingungen ein chemischer Prozess, der einerseits brennbares Holzgas freisetzt, das dann zur Stromgewinnung genutzt wird. Gleichzeitig entsteht Wärme, die wie bei anderen Fernwärmewerken an die Kunden abgegeben wird. Und bei diesem patentierten Verfahren des Rückwärtskraftwerkes entsteht eben auch Holzkohle mit einem Kohlenstoff-Anteil von über 90 Prozent.<BR /><BR />Will man ganz genau sein, dann muss man auch die Störstoffe auflisten, die laut Firmenvertreter „jedenfalls unter einem Prozent des eingesetzten Waldhackguts liegen. Wir sprechen hier von lediglich zirka einem Kübel mit 40 Litern pro Tag. Bei diesen Störstoffen handelt es sich wiederum überwiegend um Steine etc. und nur zu einem geringen Anteil um Asche. Diese Störstoffe werden als Abfall entsorgt.“ Asche, wenn auch nur in fast homöopathischer Dosis, entsteht, weil die Pyrolyse nicht in einem absoluten Vakuum vonstattengeht. Die so gewonnene Holzkohle hat laut Stock die Konsistenz eines großkörnigen Pulvers und ist tiefschwarz. Sie ist vielfältig verwendbar und in einem solch speziellen „Rückwärtskraftwerk“ von Anfang an als drittes verkaufbares Produkt vorgesehen. Für dieses Konzept hat die Herstellerfirma alle notwendigen Lizenzen und Zertifikate – und im Übrigen auch Preise gewonnen. <BR /><BR />„Würde man hingegen die Holzkohle als Abfall entsorgen statt zu verkaufen, wären diese Anlagen wirtschaftlich gar nicht konkurrenzfähig. Noch einmal: Sie sollen Holzkohle herstellen.“<BR /><BR />Denn – und hier kommt jetzt die Bezeichnung „Rückwärtskraftwerk“ zum Tragen – eine der (über 50) Möglichkeiten, diese pulverförmige Holzkohle zu verwenden, ist, sie als Zement-Substitut in Beton einzubringen. „Bei der Herstellung von Zement entstehen große Mengen klimaschädliches CO₂. Braucht man weniger Zement, gibt es weniger Emissionen. Gleichzeitig bindet diese Holzkohle dauerhaft große Mengen CO₂, die der Baum zuvor aus der Atmosphäre geholt hatte. Die Holzkohle dient sozusagen als klimaschützender Kohlenstoff-Speicher“, erklärt Stock. Eine andere Art der Verwertung dieser Holzkohle ist es, sie zu Grillholzkohlebriketts zu verarbeiten – unter Zugabe organischer Bindestoffe. Dafür gibt es eigene Betriebe, die die Holzkohle ankaufen und weiterverarbeiten. Mit einem Anteil von über 90 Prozent Kohlenstoff brennt sie bestens. <BR /><BR />Allerdings ist Pflanzenkohle nicht schadstofffrei, denn sie enthält sogenannte PAK. PAK steht für polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe – und die gelten als krebserregend. Je nach Verwendung gibt es unterschiedliche Grenzwerte. . „Für Grillholzkohle gibt es allerdings keinen speziellen PAK-Grenzwert, sondern nur den allgemein gültigen Grenzwert der europäischen CLP-Verordnung mit 1000 mg/kg“, erläutert Joachim Stock.<BR /><BR />Einen besonders strengen Grenzwert gebe es jedoch für die Ausbringung von Holzkohle in den Boden (etwa zu Düngezwecken). Dieser liegt bei sechs Milligramm pro Kilogramm. „Diese Grenzwerte können unsere Anlagen nicht garantieren, weswegen diese Holzkohle für Düngezwecke nur bedingt geeignet ist“, sagt Stock. Bevor eine Holzvergaser-Anlage in Betrieb gehen kann, braucht es ein sogenanntes REACH-Zertifikat (REACH für Registrierung, Evaluierung und Autorisierung von Chemikalien laut EU-Chemikalienverordnung). Die Anlagen der österreichischen Firma verfügen darüber hinaus auch über ein EBC-Zertifikat. Dieses Zertifikat ist freiwillig, wird aber in der EU von allen Behörden als Qualitätsnachweis anerkannt und auch als Referenz benutzt. Die Holzkohle aus ihren Anlage werde im Rahmen dieser Zertifikate regelmäßig von unabhängigen Prüfstellen überprüft und es seien keine Beanstandungen bekannt, so Stock. Alle 42 Anlagen, die sowohl in Europa als auch in Japan in Betrieb sind, beinhalten dieselbe Technologie, sie unterscheiden sich lediglich in der Leistung.