Zudem erklärt er uns, was passiert, wenn man sich von der Wegwespe stechen lässt. Denn genau das hat er für Forschungszwecke getan. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="793007_image" /></div> <BR /><b>Welche Wespenarten gibt es in Südtirol?</b><BR />Wolfgang Dibiasi: Am häufigsten kommen in Europa und auch in Südtirol die <b>Vespinae-Arten</b> (echte Wespen) vor. Dazu zählen die Vespula vulgaris (Gemeine Wespe) und die Vespula germanica (Deutsche Wespe). Mit den Vertretern dieser beiden Arten kommen wir Menschen am häufigsten in Berührung, da sie es sind, die sich im Sommer für unser Essen interessieren.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="793010_image" /></div> <BR /><BR />Alle anderen Wespenarten lassen uns damit in Ruhe und vertilgen vor allem Fliegen, Mücken, Raupen, Motten oder Spinnen. Wie etwa die <b>Polistes-Arten</b>, zu der die Feldwespe gehört. Sie ist deutlich schlanker als viele andere Wespen und man erkennt sie gut an ihren ab dem dritten Geißelglied orange gefärbten Fühlern und Beinen und ihren im Flug markant herunterhängenden langen Hinterbeinen. Sie ist äußerst friedfertig und sticht den Menschen praktisch nie. Feldwespen sind gute Insektenjäger, die für ihre Brut große Mengen an Fliegen und Raupen fangen. Manchmal ernähren sie sich auch von kleinen Spinnen. Aber auch Blütennektar gehört zu ihren Nahrungsquellen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="793013_image" /></div> <BR /><BR />Eine weitere Wespenart, die bei uns vorkommt, ist die <b>Sceliphron-Art</b>, wie zum Beispiel die Orientalische Mauer- oder Mörtelwespe. Sie baut charakteristische Brutzellen aus Lehm und anderen Materialien, in denen sie hauptsächlich Spinnen fangen. Auch wenn sie einen Stachel haben, Menschen werden kaum gestochen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="793016_image" /></div> <BR /> Auch die <b>Ammophila-Art</b> (z.B. Sandwespe) kommt in Südtirol vor. Sie lebt an trockenen Stellen und ernährt sich von Raupen und Insekten.<BR /><BR /> Außerdem gibt es noch <b>die Holzwespen</b>. Durch ihre Größe, Färbung und den kräftigen Stachel (Legebohrer), mit dem sie zur Eiablage 5-10mm in das Holz bohrt, macht sie auf den Menschen einen gefährlichen Eindruck, dabei ist diese große Wespe völlig harmlos. <BR /><BR />Auch <b>Wegwespen</b> sind hierzulande heimisch (dazu später mehr) und nicht zu vergessen die <b>Hornisse</b>, die auch zu den Vespinae gehören. <BR /><BR /><b>Apropos Hornisse...Der Mythos „Drei Hornissen töten einen Menschen, sieben ein Pferd“ hält sich hartnäckig. Was ist da dran?</b><BR />Dibiasi: Absoluter Blödsinn. Hornissen sind aufgrund ihrer Größe so gefürchtet. Auch wenn ihr Stachel dicker und länger ist und damit tiefer in die Haut eindringt, ist ihr Stich nicht gefährlicher. Ein gesunder Mensch müsste etwa 12.000 Stiche abbekommen, damit er in Lebensgefahr gerät. Dasselbe gilt für ein Pferd, auch wenn man Mensch mit Pferd nicht vergleichen kann. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="793019_image" /></div> <BR /><BR /><b>Uns interessieren heute in erster Linie die 2 Vespulae-Arten, mit denen wir ja am häufigsten in Kontakt kommen. Wie ist deren Wespenstaat aufgebaut?</b><BR />Dibiasi: Im Frühjahr ist die im Vorjahr begattete Wespenkönigin ganz allein für sich verantwortlich. Um sich einen Staat aufzubauen, muss sie zunächst einen passenden Platz für das Wespennest finden. Sobald dieser gefunden ist, beginnt sie mit dem Bau. Des Weiteren beginnt Sie mit dem Eier legen und der Aufzucht der ersten Brut. Wenn die erste Generation der Arbeiterinnen geschlüpft und einsatzbereit ist, übernehmen sie die Arbeit der Wespenkönigin. Diese widmet sich dann nur noch dem Eier legen. Damit das Überleben der Art gewährleistet ist, werden im Sommer so viele neue Wespenköniginnen und Drohnen aufgezogen wie möglich. Dann beginnen die Drohnen mit der Begattung der Königinnen. Sobald der Akt vollzogen ist, sterben die Drohnen und jungen Wespenköniginnen begeben sich auf die Suche nach einem Winterquartier. Sobald ein geeigneter Schlafplatz gefunden wurde, dies kann zum Beispiel ein gut geschützter Meisenkasten sein, begibt sich die Wespenkönigin in Winterruhe. Der restliche Wespenstaat, einschließlich der „alten“ Königin, überlebt den Winter nicht. Im Frühjahr wird die Wespenkönigin durch die Wärme aus ihrer Winterruhe geweckt und beginnt mit ihrer Arbeit. Der Kreislauf beginnt von Neuem.<BR /><BR /><b>Aus wie vielen Individuen besteht ein solcher Staat?</b><BR />Dibiasi: Das hängt, davon ab, wie gut ein Staat funktioniert. Die Zahl variiert von 20 bis über 400 Individuen. <BR /><b><BR />Warum sind Wespen gerade jetzt im Sommer so lästig?</b><BR />Dibiasi: Weil im Sommer bis in den Herbst hinein am meisten Individuen existieren, die immerzu damit beschäftigt sind, Futter für die Larven zu besorgen. Die Vespula-Arten stürzen sich auf (fast) alles, was an Lebensmitteln herumsteht. Die Wespen selbst ernähren sich von Süßem, wie Nektar, Obst, Marmelade, Zucker und Honig, für die Larven hingegen brauchen sie Eiweiß, deshalb sind neben Insekten auch Schinken, Wurst oder Gegrilltes heiß begehrt. <BR /><BR /><b>Eine Person hat sich in der Redaktion gemeldet und gefragt, ob Wespen auch Salat fressen, weil sie dies in ihrem Garten beobachtet hätte. Ist da was dran?</b><BR />Dibiasi: Nein, Wespen fressen keinen Salat bzw. brauchen ihn auch nicht für die Larven. Ich vermute, dass die Wespen Läuse oder ähnliches vom Salat gepickt haben. <BR /><BR /><b>Sind Wespen also natürliche Schädlingsbekämpfer?</b><BR />Dibiasi: Genau. Wespen und Hornissen sind alles andere als nutzlos. Wespen und Hornissen füttern ihre Larven vor allem mit Insekten, wie z.B. Insektenraupen, adulte Fliegen, Mücken, Tigermücken, Motten und Spinnen. Sie sind somit nützlich und erfüllen als Schädlingsbekämpfer eine wichtige Funktion.<BR /><BR /><b>Und wirklich gefährlich sind sie auch nicht?</b><BR />Dibiasi: Sowohl Wespen als auch Hornissen sind grundsätzlich friedfertige Tiere. Nur in Nestnähe und wenn sie sich bedroht fühlen, geraten sie leicht in Angriffslaune. Gefährlich und sogar lebensbedrohlich ist ein Stich für Allergiker, welche ihre Notfallmedikamente, allem voran einen Adrenalin-Autoinjektor, immer mit sich tragen sollten. Ein Stich in den Mundraum oder Hals ist für alle – auch Nichtallergiker – kritisch, deshalb muss man gerade bei Getränken gut aufpassen. <BR /><BR /><b>Wie verhält man sich richtig, damit es gar nicht zum Stich kommt?</b><BR />Dibiasi: Von Nestern sollte man sich am besten fernhalten. Wenn die Wespen um einen herum schwirren, sollte man Ruhe bewahren, das wild Um-sich-Schlagen ist äußerst kontraproduktiv. Denn die Tiere nehmen unsere Angst wahr und Angstschweiß versetzt sie in Alarmbereitschaft. Auch Wegpusten hilft nicht weiter. Denn das ausgeatmete CO2 macht Wespen aggressiver. Stattdessen sollte man die Tiere im Auge behalten, während man isst und entspannt weitermachen. Ganz dreiste Ruhestörer lassen sich mit Wasser aus kleinen Sprühfläschchen vertreiben. Oftmals haben sich auch Ablenkfütterungen mit Teilen des Essens bewährt, die die Tiere vom Tisch weglocken.<BR /><BR /><b>Bienen verlieren bei einem Stich ihren Stachel und sterben. Ist das bei der Wespe auch so?</b><BR />Dibiasi: Nein, da die Muskulatur um den Stachel der Wespe sehr gut ausgebildet ist, hat sie die Möglichkeit den Stachel wieder herauszuziehen und erneut zuzustechen. Dieser ist im Schnitt 2,7 Millimeter lang und verfügt über Widerhaken. Die Wespe stirbt also nicht nach dem Zustechen. Den gefürchteten Stachel besitzen übrigens nur die weiblichen Tiere,<BR /><BR /><b>Wie unterscheidet sich ein Bienen- von einem Wespenstich?</b><BR />Dibiasi: Prinzipiell kann man sagen, dass ein Bienenstich nicht nur schmerzhafter als ein Wespenstich ist, sondern für Menschen auch potenziell gefährlicher. Erstens hat Bienengift ein höheres Allergenpotenzial als Wespengift und zweitens ist auch die Toxizität höher. Das heißt: Die Wahrscheinlichkeit auf einen Bienenstich allergisch zu reagieren, ist deutlich höher als bei einem Wespenstich. <BR /><BR /><b>Sie führen ja die verschiedensten Experimente aus und zeigen diese auf Ihrem Youtube-Kanal. Unter anderem haben Sie sich von einer Wegwespe stechen lassen...</b><BR />Dibiasi: Ja, ich lasse mich häufiger von verschiedenen Tieren stechen, um zu sehen, wie der jeweilige Schmerz tatsächlich ist. <a href="https://www.youtube.com/watch?v=S3hAReJTXq4&t=1s" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Hier im Video sehen Sie, wie sich der Stich der Wegwespe angefühlt hat.</a>