Dienstag, 14. April 2020

Wie kam das Coronavirus nach Italien? Studie mit überraschendem Ergebnis

Eine phylogenetische Netzwerkanalyse, die ursprünglich von Archäologen zur Rekonstruktion der menschlichen Stammesgeschichte entwickelt wurde, ermöglichte es nun, die Wege von SARS-CoV-2 von China in andere Kontinente nachzuvollziehen. Das überraschende Ergebnis: Das Virus gelangte über Bayern in Deutschland und Singapur nach Italien.

Die weltweite Verbreitung von Covid-19 am 14. April 2020. Das Virus verbreitete sich von China aus in die ganze Welt, wie eine neue Studie herausgefunden hat, kam das Virus über  Deutschland und Singapur  nach Italien.
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Die weltweite Verbreitung von Covid-19 am 14. April 2020. Das Virus verbreitete sich von China aus in die ganze Welt, wie eine neue Studie herausgefunden hat, kam das Virus über Deutschland und Singapur nach Italien. - Foto: © Johns Hopkins University
Die Ergebnisse wurden in den Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States (PNAS) publiziert und auch das deutsche Ärzteblatt hat die Studie veröffentlicht. Laut der Publikation konnten die Forscher in mehreren Fällen die Infektionswege rekonstruieren, darunter auch den Ausbruch in Norditalien.

Ursprünglich war angenommen worden, dass sich „Patient 1“ in Italienbei einem Kontakt aus Wuhan infiziert hatte. Doch diese Kontaktperson wurde negativ getestet und hatte auch keine Antikörper gebildet, sprich die Person war nie infiziert. Patient 0, nach dem tagelang fieberhaft gesucht worden war, konnte nie identifiziert werden. Jetzt ist klar, warum.

2 Infektionswege: Bayern und Singapur

Das phylogenetische Netzwerk weist nämlich nun auf mindestens 2 unabhängige frühe Infektionswege hin. Eine Spur führt dabei zu einem Angestellten des Automobilzulieferers Webasto in Gauting bei München, der Ende Februar erkrankt war. Im Freistaat Bayern gab es schon im Jänner die ersten positiv getesteten Covid-19-Patienten, darunter auch ein Kind. Insgesamt 14 waren es dann bis Ende Februar. Alle standen im Zusammenhang mit dem Autozulieferer Webasto. Dort war im Jänner eine Mitarbeiterin aus China zu Besuch, die positiv auf das Virus getestet worden war. Webasto hat auch Zweigstellen in Norditalien.

Die zweite Spur führte die Wissenschaftler nach Singapur, von wo aus das Virus nach Italien gelangte.

Von Italien aus wiederum kam es unter anderem nach Brasilien, so die Studie. Der 1. Patient in dem südamerikanischen Staat hatte vor seiner Diagnose offenbar Italien besucht. Auch Südtirols Patient 1, ein Mann aus Terlan, hatte sich 2 Wochen lang in Castiglione d’Adda in der Lombardei aufgehalten, wo er sich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert hat.


3 Typen von SARS-CoV-2

Was noch aus den Ergebnissen der Studie hervorgeht: Die Vermutung, dass das Virus ursprünglich in der Java-Hufeisennase (Rhinolophus affinis), entstanden ist, wurde bestätigt. Das Tier ist eine insektenfressende Fledermausart aus der Gattung Hufeisennasen innerhalb der Familie Rhinolophidae, die im Süden und Südosten Asiens weit verbreitet ist. Die Übereinstimmung betrage laut der Studie mit dem menschlichen Virus 96,2 Prozent.


Der Stammbaum zeigt laut der Publikation von PNAS, dass sich die Viren in 3 verschiedene Typen entwickelt haben. Der Typ A ist dem Fledermaus-Coronavirus am ähnlichsten. Aus dem Typ A hat sich schon bald der Typ B entwickelt. Die Viren unterscheiden sich durch 2 Mutationen. Eine weitere Mutation führte dazu, dass aus dem Typ B der Typ C entstand. Typ B hat sich laut der Stammbaum-Analyse schon bald in Wuhan durchgesetzt. Er ist in Ostasien der häufigste Typ, so auch das deutsche Ärzteblatt.

Die Typen A und C gelangten dagegen frühzeitig nach Europa, Australien und Amerika, wo sie offenbar auf fruchtbareren Boden fielen als in China. Der Typ C scheint auch in Singapur verbreitet zu sein.


Hier die vollständige Original-Publikation im PNAS.

Hier die vollständige deutsche Version im deutschen Ärzteblatt.

vs