Mittwoch, 30. September 2015

Wie leben mit Bären, Wölfen, Luchsen und Wildschweinen?

"Es gilt, eine Balance zwischen Wildtieren und Gesellschaft zu finden und die Probleme, wie auch die Vorteile, aufzuzeigen", unterstrich Landesrat Arnold Schuler am Dienstag in der Forstschule Latemar. Dort tagt auch am Mittwoch noch die internationale Arbeitsgruppe Wildlife and Society (kurz: Wiso), die den Umgang mit Großraubtieren thematisiert.

Bären, Wölfe, Luchse und Wildschweine gehören zu den Großraubtieren, die sich im Alpenraum aufhalten.
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Bären, Wölfe, Luchse und Wildschweine gehören zu den Großraubtieren, die sich im Alpenraum aufhalten. - Foto: © STOL

25 Behördenvertreter und Fachexperten aus Italien, der Schweiz, Österreich, Deutschland, Slowenien und Liechtenstein beraten über den Umgang mit Bären und Wölfen, Luchsen und Wildschweinen.

Lösungen suchen, damit das Zusammenleben zwischen Tier und Mensch gelingt

Die Plattform der Alpenkonvention (bei der diesmal die Vertreter Frankreichs fehlen) trifft sich derzeit erstmals in Südtirol. Bei einer Sitzung mit Landesrat Arnold Schuler und Landesforstdirektor Paul Profanter standen neben dem Erfahrungsaustausch der einzelnen Regionen Fragen an die Politik im Mittelpunkt.

Das Management von Großraubtieren: Totalschutz unmöglich

"Es ist wichtig", hob Landesrat Schuler hervor, "Lösungen zu finden, damit das Zusammenleben zwischen Tier und Mensch gelingen kann". Neben der Überwachung sei auch ein transparenter Informationsfluss von grundlegender Bedeutung, wies Plattform-Vorsitzender Umberto Fattori hin. Der geschäftsführende Direktor des Landesamtes für Jagd und Fischerei Andreas Agreiter meinte, es werde angeregt diskutiert und versucht, eine einheitliche Linie für das Management von Großraubtieren zu finden.

Totalschutz, erklärte er, sei keine Option, es müsse eine pragmatische Mitte gefunden werden, so der Vertreter aus der Schweiz.

Akzeptanz der Bevölkerung wichtig

Als Beispiel wurde der Herdenschutz mit Hunden genannt, der zwar Herden vor Wölfen schützt, aber bei Passanten Angst auslösen kann. Es gebe keine großraubtierfreien Zonen, man müsse lernen, miteinander umzugehen: Ohne Akzeptanz der Bevölkerung geht es nicht.

Die Vertreterin aus Deutschland berichtete von Wolfsrudeln, die sich, aus Russland kommend, im Osten Deutschlands angesiedelt haben. Wo ausreichend informiert und kommuniziert werde, unterstrich sie, da funktioniere das Zusammenleben gut: Dialog und Partizipation ist wichtig.

Eine Umsiedelung der Großraubtiere sei nicht machbar

 

Die Ausarbeitung und konsequente Anwendung eines stringenten Vorgehens mahnte der Vertreter aus Bayern an, der über die Erfahrung mit Wildschweinen berichtete. Der Vertreter aus Slowenien wies auf die Wichtigkeit der Unterstützung durch die Regierung hin. Der Vertreter des staatlichen Umweltinstituts Ispra (istituto superiore per la protezione e la ricerca ambientale) erklärte, eine Umsiedelung der Großraubtiere sei nicht machbar.

Wildlife and Society seit 2009 aktiv

Die Plattform "Große Beutegreifer, wildlebende Huftiere und Gesellschaft" (auch Wiso-Plattform genannt) wurde bei der zehnten Alpenkonferenz im März 2009 eingerichtet und trifft sich zwei- bis dreimal jährlich.

Den Vorsitz hat derzeit Italien mit Umberto Fattori aus dem Friaul inne. Erarbeitet wird ein Dokument über Managementoptionen in Bezug auf Wiederherstellung und Erhaltung der Bärenpopulation in alpinen Regionen, zudem werden praktische Ziele und Managementmöglichkeiten für die Wiederherstellung und Erhaltung der Luchs-Population in den Alpen entworfen.

Erklärtes Ziel der Plattform ist es, die Natur und den ländlichen Raum zu schützen und wiederherzustellen und zwar so, dass Ökosysteme in einer dauerhaften und funktionstüchtigen Weise funktionieren können. Dabei unterstützt die Arbeitsgruppe die Bemühungen der Vertragsparteien zum Schutze wildlebender Tiere und Pflanzen, deren Vielfalt und Lebensraum.

stol/lpa

stol