<BR />Inmitten von Regalen voller Actionfiguren, Spieleboxen, Comics und allem, was ein waschechter „Gamer“ benötigt, befindet sich das Studio des 35-jährigen Matthias Vitti aus Eppan. Jeden Dienstag-, Donnerstag- und Sonntagabend schmeißt er hier seinen PC an und spielt mittels Livestream (Echtzeit-Videoübertragung im Internet, Anm. d. Red.) verschiedenste Computerspiele vor zahlreichen Zuschauern aus aller Welt. <BR /><BR />Ein ruhiger Feierabend? Dafür bleibt keine Zeit. Nach der eigentlichen Arbeit wartet Vittis große Leidenschaft: das Spielen am Computer. „Kaum schalte ich den Livestream an, bin ich ganz in meinem Element, alles andere blende ich aus“, sagt Vitti.<BR /><BR />Der Name Vaojin sollte vor allem jungen Südtirolern ein Begriff sein: Es handelt sich um Vittis Künstlernamen. Auf den Sozialen Medien folgen dem Eppaner insgesamt 85.000 Menschen – weit über die Grenzen Südtirols hinaus. „Viele meiner Zuschauer sind Italiener“, sagt Vitti. „Amüsanterweise klinken sich auch Menschen aus dem restlichen Europa sowie den USA in den Livestream ein.“ Der Mix aus Englisch mit Elementen des Südtiroler Dialekts, wie ihn Vitti in seinen Livestreams spricht, scheint weitum gut anzukommen.<BR /><BR />Doch dabei handelt es sich nur um ein Merkmal, das ihn auszeichnet. Das zweite ist wohl sein Temperament: Emotionen kommen bei Vitti nie zu kurz. „Ob die Freude, wenn ich ein Spiel gewinne, oder der Ärger, wenn ich es verliere – langweilig wird es ganz sicher nicht“, schmunzelt Vitti verschmitzt. Während er unter seinen Zuschauern auch für den ein oder anderen Ausraster bekannt ist, zeigt er sich hinter den Kulissen äußerst gelassen. <h3> Große Arbeit hinter den Kulissen</h3>Genau dort, also hinter der Kamera, findet der größte Teil der Arbeit eines Streamers statt, wie Vitti erzählt. Für andere Hobbys – der Eppaner ist etwa der Sänger der Südtiroler Metal-Band „Median“ – bleibt kaum Zeit. „Viele denken es ist nicht mehr dabei, als vor dem Bildschirm zu sitzen und Videospiele zu spielen – das ist schlicht und einfach falsch.“ Sowohl die Vorbereitung auf seine Livestreams als auch das Zuschneiden des Videomaterials im Anschluss kosten viele Stunden. <BR /><BR />„Wenn ich ein Video von rund 30 Minuten für die Online-Plattform YouTube vorbereite, sitze ich oft einen ganzen Tag daran“, so Vitti. Abgesehen von der Zeit kostet das Hobby auch einiges an Geld. Für seine Ausstattung bestehend aus PC, vier Bildschirmen, Mikrofon, Kamera & Co. hat der Eppaner mehrere Tausend Euro hingelegt.<BR /><BR />Der Weg zum Streamer ist also kein einfacher. Genau deshalb hat es sich Vitti als Ziel gesetzt, jungen Südtirolern, die denselben Traum haben, unter die Arme zu greifen. Der Eppaner hat bereits mehrere Workshops gehalten – weitere sollen folgen. Genauso ist sein Hobby bei seinem Arbeitgeber, einem Eppaner Möbelgeschäft, gefragt. <BR /><BR />Auch dort durfte er ein Event veranstalten, bei dem er seine Konsole mit ins Geschäft nahm und mit Kindern ein paar Runden zockte, während deren Eltern einkauften. Laut dem Streamer ein Zeichen dafür, dass sich das Videospiel mittlerweile auch gesellschaftlich etabliert hat – anders als noch vor zehn Jahren.<BR /><BR />Es sind Erlebnisse wie diese, die den 35-Jährigen die größte Freude bereiten – der echte Kontakt zu seinen Zuschauern. „Auf dem Bildschirm sehe ich nur Namen und Zahlen. Umso schöner ist es, wenn mich jemand im realen Leben erkennt und anspricht“, so Vitti. <BR /><BR />Mittlerweile ist dies keine Seltenheit mehr: Egal ob in seinem Dorf oder auf Festen. Immer häufiger trifft Vitti auf Zuschauer, die ihn voller Freude um ein Foto bitten. „Den Leuten ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, das ist das schönste Kompliment, das man bekommen kann“, sagt er.