Sarah, Chiara und Francesco wären jetzt 25, 23 und 21 Jahre alt. Aber sie erblickten nie das Licht der Welt. Die Meranerin Barbara Lorenzetti hat ihre 3 Kinder im 3. bzw. 4. Monat verloren und Francesco bei einer Not-OP. „Mein sehnlichster Wunsch, eine Familie mit Kindern zu haben, mit mütterlicher Liebe, die ich in mir spürte, ein Kind und seine Seele im Wachstum zu begleiten, es bedingungslos zu lieben, zerschellte jäh“, sagt Lorenzetti. Sie wird morgen an der Gedenkfeier für Sternenkinder aktiv teilnehmen.<BR /><BR /><b>Frau Lorenzetti, wann mussten Sie die erste Fehlgeburt verkraften?</b><BR />Barbara Lorenzetti: Meine erste Fehlgeburt hatte ich mit 29 Jahren, mit 31 die zweite und mit 33 die dritte. Es war sehr schmerzhaft, denn alle meine Ziele und Wünsche waren damit verbunden. Dazu kam erschwerend für mich hinzu, dass rund um mich herum viele Freunde gerade Kinder bekommen hatten – auch wenn ich mich für sie gefreut habe. Es war sehr, sehr schwierig, auch weil ich nach den 3 Fehlgeburten keine Kinder mehr bekommen habe. <BR /><BR /><b>Wie hat das mit ihnen als Paar gemacht?</b><BR />Lorenzetti: Es wurde auch schwierig für uns. Nach 2 Jahren haben wir uns getrennt. Das ist so ein tiefer Schmerz, der kann wirklich eine Liebe tiefgreifend belasten. Wir hatten uns beide ein Kind sehnlichst gewünscht. Es ist so, also ob die ganze Welt mit Kindern, die man sich so sehr wünscht im Leben, zusammenfällt, in unerreichbarer Ferne verschwindet.<BR /><BR /><b>Was bleibt zurück?</b><BR />Lorenzetti: Es bleibt vor allem am Anfang eine Leere zurück, mit der man zurechtkommen muss. Aber diese Leere füllt sich, je älter ich werde. Jetzt bin ich 56. Mit jedem Jahr, das vergeht, habe ich mich immer mehr meinen 3 Kindern genähert. Ich habe sie immer präsent. Geholfen hat mir mein tiefer Glauben; sowie am Schmerz zu arbeiten, ihn zu akzeptieren und dadurch hat er sich verwandelt. Ein tiefer Schmerz kann Früchte tragen. Ich habe ihn nicht weggeschoben. Gerda Tasser und Pater Peter von der Krankenhausseelsorge haben mir sehr geholfen. Sie haben das Gedenkgrab für die Sternenkinder angeregt. Ein Ort, wo man die Kinder auch beweinen kann. <BR /><BR /><b>Hatten Ihre 3 Kinder immer schon einen Namen?</b><BR />Lorenzetti: Beim ersten Gedenktag vor Jahren haben wir den Kindern Namen gegeben. Dadurch wurden sie noch präsenter. Ich glaube einfach, dass es diese Kinder gibt, sie waren zwar noch nicht geboren, aber sie waren schon da. Wir waren und sind Mamis, auch wenn wir sie verloren haben. Je mehr die Tage vergehen, umso mehr sind sie für mich da. Mit ihnen hat sich der Tod für mich verändert.<BR /><BR /><b>Inwiefern?</b><BR />Lorenzetti: Ich lebe sehr gern und bin dankbar für mein Leben. Aber der Tod hat nicht mehr den dunklen Aspekt. Für mich sind meine 3 Kinder ganz besondere Engel, die mich und meine Lieben und alle Menschen, die ich gern habe, begleiten und die viel Liebe schenken auf eine andere Art. Für mich ist es wie Mutter sein, von Engeln eben. Meine Mutterliebe habe ich ausgelebt, bei meiner Nichte Sofia und meinem Neffen Leonardo, meiner Arbeit, bei den Menschen, die ich liebe. Deswegen bin ich zutiefst dankbar, dass ich diese Kinder für ein kleines Stück begleiten durfte.