<b>Von Alexander Brüggemann</b><BR /><BR />Anders als die erste Reisewelle an diesen Tagen suggerieren könnte, ist Pfingsten nicht in unseren Breiten entstanden. Man muss zurückgehen in den schillernden religiösen Kosmos des antiken Nahen Ostens, um die Entstehung dieses Festes verstehen zu können.<BR /><BR />Zeitlicher Ankerpunkt für das christliche Osterfest, also die Auferstehung, war das jüdische Pessach-Fest, das Jesus beim Letzten Abendmahl am Gründonnerstag in Jerusalem mit seinen Jüngern feierte.<BR />Es war der Vorabend seiner Kreuzigung. 50 Tage nach Pessach feierten die Juden „Schawuot“, das sogenannte Wochenfest – eben sieben Wochen nach Pessach. „Schawuot“ ist zugleich ein Erntedank, da es den Abschluss der Weizenernte markiert. Unser deutsches Wort Pfingsten leitet sich von dieser Zeitspanne von 50 Tagen ab: Das altgriechische Wort „pentekostè“ steht für „fünfzig“.<h3> Geburtsfest der Kirche</h3>Die Jünger Jesu pflegten als gläubige Juden den Festkalender ihrer Glaubensgemeinschaft. Sie waren also am „Schawuot“-Tag versammelt. Die Apostelgeschichte erzählt, wie sie durch das Pfingstwunder „mit Heiligem Geist erfüllt wurden und begannen, mit anderen Zungen zu reden“. Jeder in Jerusalem, auch die Fremden aus anderen Ländern, konnte sie in seiner Sprache reden hören. Nach der Erzählung der Apostelgeschichte wuchs damals in Jerusalem die Gemeinde von 120 auf mehr als 3000 Getaufte an. Daher gilt Pfingsten als das Geburtsfest der Kirche. <BR /><BR />Theologen deuten diese Schriftstellen so, dass die christliche Botschaft überall verkündet werden solle. Der Geist als eine der drei Personen Gottes (Vater, Sohn, Geist) ist nach kirchlicher Lehre in die Welt gesandt, um die Botschaft Jesu lebendig zu halten. Zugleich ist er Kraftquelle und Verkündigungsauftrag für alle Christen.<BR /><BR />Was die Apostelgeschichte aus dem religiös aufgeheizten Jerusalem vor 2000 Jahren berichtet, ist heute freilich nicht mehr eins zu eins zu übertragen. Wer heute glossolalierend, also ohne vernehmbaren Sinn sprechend, durch die Straßen liefe, würde im besten Fall belächelt. Selbst damals fühlte sich der Apostel Petrus genötigt zu beteuern, dass diese Männer nicht „vom süßen Wein betrunken“ seien, sondern dass sich hier Prophetie erfülle.<h3>Religiöse Ekstase</h3>Manche christlichen Pfingstgemeinschaften sprechen heute vom „Fehler des Aufhörens“ – und meinen damit die moderne rationalistische Ablehnung religiöser Ekstase und eine Verschließung gegenüber göttlichen Offenbarungen. Ohne solche Formen religiöser Entäußerung bewerten zu wollen: Mehr internationale Verständigung und ein bisschen zusätzlicher Geist könnten doch gerade unserer Zeit nicht schaden. <h3> Warum es den zweiten Feiertag gibt</h3>Kirchliche Feiertage gründen im Normalfall auf einem biblischen Ereignis (Weihnachten: Geburt Jesu; Ostern: Auferstehung). Für den Pfingstmontag gilt das nicht. Sein Ursprung liegt in der Kirchengeschichte: Früher war es üblich, Hochfeste wie Ostern, Pfingsten und Weihnachten nicht nur an einem Tag, sondern eine ganze Woche lang zu feiern. <BR /><BR />Diese langen Festwochen – als Oktav bezeichnet – wurden im Laufe der Jahrhunderte auch aus wirtschaftlichen Gründen verkürzt. Übrig blieben meist nur der Sonntag und der darauf folgende Montag. Während der Sonntag das Pfingstereignis (Geistempfang) feiert, wird am Montag oft die Bedeutung des Heiligen Geistes für die Kirche betont. Im Jahr 2018 widmete Papst Franziskus diesen Tag daher weltweit Maria, der „Mutter der Kirche“. Franziskus wollte damit die mütterliche Fürsorge Mariens für die Weltkirche betonen.