Besonders bedeutend war direkt nach dem Reaktorunfall das Iod-131, das eine relativ kurze Halbwertszeit von acht Tagen hat. „Deshalb wurde 1986 geraten, Kirschen nicht frisch zu essen, sondern etwa als Kompott später zu verzehren“, so die Physikerin. Nach etwa drei Monaten ist die Radioaktivität stark abgefallen. Für die Langzeitbelastung ist insbesondere Cäsium-137 mit einer wesentlich längeren Halbwertszeit bedeutend. <BR /><BR />Radioaktive Strahlung verursacht im Körper viele kleine Schäden an feinsten Strukturen. „Je nach Stärke und Dauer können diese zu kurzfristigen oder langfristigen Erkrankungen führen“, erklärt Dr. Lorenzo Casadio, der sich auf die Auswirkungen der ionisierenden Strahlung auf die Gesundheit spezialisiert hat. Nur bei hoher Bestrahlung treten meist akute Symptome in den ersten Tagen oder Wochen auf, etwa Störungen der Blutbildung, Blutungen, Erbrechen, Durchfall, Hautrötungen, Verbrennungen oder Haarausfall. Langfristig, oft erst nach Jahren, steigt vor allem das Krebsrisiko.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1305204_image" /></div> <BR /><BR />In Südtirol gebe es keine medizinischen Folgen, die eindeutig auf das Atomunglück von Tschernobyl zurückzuführen seien. „Die radioaktive Wolke aus Tschernobyl hat tatsächlich Südtirol erreicht, aber die Strahlenbelastung war gering“, betont Dr. Oberhofer. Zusätzlich hätten die damaligen Maßnahmen, wie der Verzicht auf kontaminierte Lebensmittel, das Risiko weiter verringert. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1305207_image" /></div> <BR /><BR />Auch wenn hierzulande bislang keine erblichen medizinischen Folgen eindeutig nachgewiesen wurden, hat das Unglück nachhaltige Veränderungen im Gesundheitswesen bewirkt. „In der Medizin führte das Reaktorunglück von Tschernobyl zu besserem Wissen über langfristige Folgen, gezielter Vorsorge und medizinischen Standards bei Strahlenexposition“, erklärt Dr. Casadio. <BR /><BR />Heute wäre Südtirol auf ein vergleichbares Ereignis jedenfalls deutlich besser vorbereitet als noch 1986. Es existieren klare medizinische Notfallpläne mit festgelegten Abläufen für Krankenhäuser und Rettungsdienste. Hinzu kommen moderne Frühwarn- und Messsysteme, strukturierte Lebensmittelkontrollen sowie eine enge Zusammenarbeit mit staatlichen und internationalen Gesundheitsbehörden, bei der Daten ausgetauscht und Maßnahmen koordiniert werden. Luft und Wasser werden kontinuierlich überwacht, um mögliche Auffälligkeiten sofort zu erkennen. Lebensmittel mit erhöhter Belastung würden umgehend aus dem Verkehr gezogen.