<b>von Thomas Hörmann (tt.com)</b><BR /><BR />„Alle drei Mädchen haben sich gekannt“, betont Klaus Kapelari, Ärztlicher Leiter des Kompetenzzentrums Gewaltschutz gegenüber tt.com: „Sie waren in der gleichen Clique.“ In einer Gruppe, die auch in Polizeikreisen für den exzessiven Drogenkonsum bekannt ist.<BR /><BR />Ob die 14-Jährige tatsächlich Opfer ihrer Sucht wurde, ist noch nicht mit hundertprozentiger Sicherheit geklärt: „Es wurde eine Obduktion angeordnet“, sagt Florian Oberhofer, Sprecher der Innsbrucker Staatsanwaltschaft: „Da ist in so einem Fall obligatorisch.“ Allerdings ist mit einem Ergebnis erst in einigen Wochen zu rechnen. Weil die Gerichtsmediziner zur Bestimmung der letztendlich tödlichen Substanzen im Körper auch eine toxikologische Untersuchung durchführen müssen. Und die ist wesentlich aufwendiger als eine „normale“ Obduktion.<h3> Jüngstes Opfer war erst 13</h3>Die tödliche Serie in der Drogenszene begann am 28. Februar. Eine eigentlich aus dem Oberland stammende, aber meist in Innsbruck aufhältige 16-Jährige war das erste Opfer. Am 4. März starb ein Bekannter des Mädchens in einer Wohnung in Wilten. Vier Tage später kam ein 28-jähriger Innsbrucker ums Leben, bei dem sich ebenfalls Hinweise auf Suchtgiftkonsum ergaben. Am 10. März war die Wohnung in Wilten Schauplatz eines zweiten Todesfalls. Diesmal traf es eine ebenfalls aus dem Oberland stammende, aber in Innsbruck lebende 13-Jährige. Das Kind war mit der 16-Jährigen befreundet, die beiden haben sich erst im Winter in der Haller Psychiatrie kennengelernt.<BR /><BR />Im Fall der 16-Jährigen ist das toxikologische Gutachten laut tt.com noch ausständig, bei der 13-Jährigen nicht mehr. Wie die Untersuchung ergab, starb das Mädchen nach dem Konsum mehrerer Substanzen, darunter Kokain, Opiate und Psychopharmaka. Damit ist die Annahme der Behörden erwartungsgemäß bestätigt.<h3> Sexuelle Gefälligkeiten für Drogen</h3>Kapelari ist überzeugt, dass Mädchen in der Innsbrucker Drogenszene von älteren Burschen und Männern mit Suchtmitteln versorgt und gezielt in ein Abhängigkeitsverhältnis gedrängt werden. „Zuerst erhalten die Opfer günstig Drogen, dann werden dafür einschlägige Fotos verlangt“, skizziert Kapelari die Vorgangsweise. Teils seien die verabreichten Suchtgift-Mengen so groß, dass die Mädchen das Bewusstsein verlieren. Wenn sich der steigende Drogenbedarf nicht mehr finanzieren lässt, müssen die Opfer mit sexuellen Gefälligkeiten bezahlen. Nach den Erkenntnissen von Kapelari „werden zahlreiche Mädchen von der Gruppe ausgenutzt“. Allerdings sei es schwierig, die Täter zur Verantwortung zu ziehen: „Die Polizei erhält von den Opfern kaum verwertbare Aussagen. Die ohnehin sehr verletzlichen Mädchen haben Angst, kein Suchtgift mehr zu erhalten. Außerdem werden sie auch bedroht.“<BR /><BR />Drehscheibe für den Innsbrucker Drogenmarkt soll weiterhin der Hauptbahnhof sein. Wie die Mutter eines der verstorbenen Mädchen schildert, sei dort von den Dealern zu jeder Tageszeit alles zu bekommen, was gefährlich und verboten ist.<BR /><BR />Nach dem Tod mehrerer Jugendlichen im Innsbrucker Drogenmilieu zeichnete Gerhard Jäger, Leiter der Drogenberatungsstelle Z6 in Innsbruck, im Interview mit STOL ein düsteres Bild: „Ich bin erschüttert und mache mir Sorgen“, sagt der studierte Pädagoge. Jäger weist darauf hin, dass immer mehr junge Frauen zu Drogen greifen. „Das hat sich über die vergangenen fünf Jahre richtig zugespitzt“, so Jäger. „Inzwischen kommen sogar 12- und 13-Jährige mit intravenösem Konsum zu uns.“ <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/nach-drogentod-einer-13-jaehrigen-drogenexperte-befuerchtet-weitere-opfer" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">(Hier mehr dazu)</a>