Samstag, 17. Oktober 2015

Wieder Leben im Bergwerk? Geologe Mair mit großen Zweifeln

Zurück in die Zukunft: Geht es nach einem kanadischen Investor soll im Bergwerk Schneeberg wieder Erz abgebaut werden. Volkmar Mair findet die Idee grundsätzlich nicht schlecht. Ob sich das Unternehmen allerdings rechnet, daran hegt der Landesgeologe große Zweifel.

Prinzipiell sehe er das Interesse an einer Reaktivierung des Bergwerks Schneeberg positiv, sagt Volkmar Mair. Zweifel an den Plänen hat der Landesgeologe trotzdem.
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Prinzipiell sehe er das Interesse an einer Reaktivierung des Bergwerks Schneeberg positiv, sagt Volkmar Mair. Zweifel an den Plänen hat der Landesgeologe trotzdem.

Landesgeologe Volkmar Mair weiß um das ausländische Interesse am Bergwerk Schneeberg. Als Präsident des Fachbeirates und Zuständiger für die Sicherheit in den Stollen sei er im ständigen Kontakt mit den Verantwortlichen vor Ort. Mair nennt die Gespräche zwischen dem kanadischen Investor und dem Land Südtirol vorsichtig „erste Annährungsversuche“. „Die Lagerstätte Schneeberg ist sehr bekannt“, sagt der Direktor des Amtes für Geologie und Baustoffprüfung. „Sie ist eine der längst produzierenden Stätten in Europa und hat ein gutes Produkt geliefert.“

Die Industrie braucht Zink, der Schneeberg hat es

Seit dem Mittelalter wurde am Schneeberg Silber, Blei und Zink abgebaut. 1985 wurde der Betrieb eingestellt. Nicht mehr rentabel, hieß es damals. Da allerdings „Buntmetalle seit Einstellung des mitteleuropäischen Bergbaus ungefähr das Fünf-, Sechsfache kosten als damals“, sei Bergbau nun wieder wirtschaftlich interessant, meint zumindest Johannes Bauer. Der Lagerstättengeologe aus Nordtirol vermittelt derzeit zwischen dem Land Südtirol und dem kanadischen Investor.

Volkmar Mair erklärt sich den Preisanstieg der Metalle mit dem gestiegenen Bedarf in China und Indien. „Fast alle Eisen- und Stahlstücke, die im Außenbereich verwendet werden, werden verzinkt, damit sie korrosionsbeständig sind. Und dementsprechend steigt auch der Zink-Preis.“

Der Schneeberg wiederum biete zum Großteil Zinkerze. Von daher sieht Mair den Vorschlag, das Bergwerk wieder in Betrieb zu nehmen, positiv. Er sagt: „Investieren und prüfen, ob sich’s rechnet, ist immer erlaubt.“ Daran, ob sich’s rechnet, hegt er selbst allerdings große Zweifel: „Ich kann mir, angesichts der Konfiguration der Lagerstätte, nicht vorstellen, dass ein Abbau am Schneeberg international wirtschaftlich sein kann.“

„Unser Bergwerk ist auf dem Stand der 70er-Jahre“

Zum einen, gebe es riesige Metall-Vorkommen in Kanada und im restlichen Europa. „Es gibt Lagerstätten, die auf weit größere Erzvorräte zurückgreifen können.“

Zum anderen, seien einige Lagerstätten bis in die 90er-Jahre betrieben worden. Das heißt: Dort wurde mit technisch weit moderneren Mitteln produziert. In modernen Bergwerken verkehren Lastkraftwagen direkt im Berg. „Unser Bergwerk ist auf Stand der 70er-Jahre“, gibt Mair zu bedenken.

Zusätzlich dazu bestehe die Lagerstätte am Schneeberg aus „engen Gängen, mit maximaler Breite von sechs Metern“. Großflächige Sprengungen seien nicht möglich. Ob das noch zeitgemäß ist, wagt Volkmar Mair zu bezweifeln: „Wenn wir uns die großen Minen in Chile anschauen, dann sieht man dort riesige Trichter, in denen Lastkraftwagen auf- und niederfahren und Millionen Tonnen Gestein transportieren. So etwas ist bei uns nicht möglich.“

„In Europa ist rentabler Bergbau kaum möglich“

Und nicht zuletzt: „In ganz Europa gibt’s in Zeiten wie diesen kaum noch Bergbau, der rentabel ist.“ Denn ob sich der Abbau rechne oder nicht, hänge „ganz wesentlich davon ob, wie günstig ich arbeiten kann und welche Bedingungen ich vorfinde“, sagt Mair. „Südamerika und Südostasien nehmen’s mit den Umweltauflagen und der Arbeitssicherheit nicht so genau.“ Und dementsprechend werde eben auch produziert.

Nichtsdestotrotz: Mair will dem Interesse der Kanadier nicht im Weg stehen. „Wenn Leute investieren wollen, soll man sie nicht aufhalten. Die Auflagen würde man diktieren. Die Rechnung allerdings müssen sich die Konzerne selbst machen.“

pg

stol