Dienstag, 28. Juli 2020

Wieder schlägt der Wolf in Villnöß zu

2 Tage hintereinander haben Wölfe insgesamt 12 Villnösser Brillenschafe auf der Kofelalm am Günther-Messner-Steig gerissen. „Wenn die Wölfe erneut zuschlagen, ist das Projekt Villnösser Brillenschaf beendet“, erklärte am Montag Günther Pernthaler erschüttert.

Insgesamt 12 Brillenschafe wurden auf der Kofelalm gerissen.
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Insgesamt 12 Brillenschafe wurden auf der Kofelalm gerissen. - Foto: © Günther Pernthaler
Bereits am Sonntag hatten die Villnösser Landwirte 7 Schafe entdeckt, die ein oder mehrere Raubtiere im Blutrausch zerfetzt hatten. Zerbissen, mit durchgetrennten Kehlen und abgerissenen Gliedmaßen zeigte sich den Bauern ein Bild des Schreckens auf der Alm.

Die Schafzüchter informierten die Förster, die Proben nahmen.

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Am gestrigen Montag kehrten die Bauern zu ihren Schafen auf der Kofelalm zurück, und erneut waren dort 5 Schafe wild zugerichtet worden: 3 Tiere waren bereits tot, 2 mussten notgeschlachtet werden, da ihnen Schulter und Beine ausgerissen worden waren. 4 Tiere fehlen nach wie vor.

Allein heuer 34 Risse im Villnösser Tal

„Laut Auswertungen der Forst-Experten waren hier Wölfe am Werk. Auch wenn die Ergebnisse der DNA-Analysen noch ausstehen, sei aufgrund des Vorgehens der Raubtiere klar, dass es sich um Wölfe handeln dürfte, sagten die Förster“, berichtet Pernthaler.

Die Gefahr, dass die Wölfe zu der Herde, die aus gut 230 Villnösser Brillenschafen besteht, zurückkehren, ist groß. Doch den Villnösser Züchtern bleibt keine andere Wahl, als die Tiere ungeschützt auf der Alm zu lassen: „Im Tal und im Stall ist es jetzt viel zu heiß für die Tiere. Also können wir sie nur auf der Alm lassen, oder wir verkaufen sie“, berichtet Günther Pernthaler.

Vor 2 Jahren hatten Bauern im Projekt Villnösser Brillenschafe erstmals eine Schaftherde auf die Kofelalm getrieben, wo es jetzt zu den Rissen kam.

Seit 2001 gilt das Villnösser Brillenschaf offiziell als eine vom Aussterben bedrohte Rasse. Heute liegt der Bestand in Südtirol bei 1300 Tieren, und die Tendenz zeigt nach unten (wir berichteten gestern, siehe digitale Ausgabe). Mit dem Projekt sollte die für Villnöß typische Rasse vermehrt gezüchtet werden.

„Doch es geht bald nicht mehr. Wir hatten in unserem Tal allein heuer 34 Risse von Raubtieren. Wir haben ja inzwischen vom Wolf bis zum Goldschakal viele Raubtiere bei uns. Wir können mit unseren Schafen nirgends mehr hin. Wir sind nicht mehr sicher“, erklärt Pernthaler.

Sollte es in den kommenden Tagen erneut zu Rissen kommen, ist für die Bauern das Projekt Villnösser Brillenschafe beendet: Sie wollen und können die Zucht unter diesen Umständen nicht mehr weiter betreiben.



mp